The Wire
Analysen zur Kulturdiagnostik populärer Medien
- 2014
- Buch
- Verfasst von
- Jörn Ahrens
- Michael Cuntz
- Lars Koch
- Marcus Krause
- Philipp Schulte
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
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Über dieses Buch
Am Beispiel von The Wire wird ermittelt, über welche Kompetenzen zur Analyse komplexer gesellschaftlicher und kultureller Zusammenhänge Populärkultur verfügt. Ästhetik, Fiktion, Dokumentation, Dramaturgie und Kritik werden in The Wire zu einem Bild urbaner, neoliberaler bis postdemokratischer Realität einer krisenhaften Gegenwart verwoben. Der Band fragt nach dem diagnostischen Potential (zeitgenössischer) Populärkultur allgemein und spezifisch nach den Kompetenzen einer Serie wie The Wire an der Schnittstelle zwischen kulturellem Mainstream und Nobilitierungssegment.
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Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Einleitung. Die TV-Serie The Wire und ihre Kontextualisierung
Jörn Ahrens, Michael Cuntz, Lars Koch, Marcus Krause, Philipp SchulteZusammenfassungDer Kosmos von Baltimore ist gekennzeichnet durch eine hohe Arbeitslosenquote, eine hohe Drogen- und Bandenkriminalität und eine sichtbare Verwahrlosung des Stadtraums. Von ehemals fast einer Million Einwohnem in den 1950er Jahren sind heute nur noch etwa 600.000 übrig; in einigen Stadtvierteln, die fast ausschließlich von einer schwarzen Bevölkerung bewohnt werden, liegt das Durchschnittseinkommen unter der Armutsgrenze. The Wire porträtiert eben dieses Baltimore und seinen Niedergang von einer einst bedeutenden Hafenstadt in der Nähe Washingtons zu einem zunehmend durch Armut und Korruption geprägten Ort, indem unterschiedliche Milieus und Umfelder der Stadt beleuchtet werden, die auf je spezifische Weise in Verbindung stehen mit der Allgegenwärtigkeit des lokalen wie globalen Drogenhandels. -
Populärkultur als Selbstbeschreibungsformel. Wie The Wire die Gesellschaft vorstellt
Lars KochZusammenfassungNachdem zunächst das Feuilleton in den USA und mit einiger Verspätung auch in Deutschland seine Begeisterung über The Wire hymnisch kundgetan hatte, ist die TV-Serie nunmehr in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Die US-amerikanischen Cultural Studies haben in ihr einen Gegenstand entdeckt, an dem sich Fragen von „Race“, „Class“ und „Gender“ in nuce durchspielen lassen (vgl. Kennedy/Shapito 2012). Und auch die deutschen Kultur- und Medienwissenschaften interessieren sich für den in die Serie inkorporierten Mediengebrauch (Schröter 2012), für die dort dargestellte Topografie des Urbanen (Seiler 2008) oder die Logiken und sozialen Effekte der die Serienhandlung heimlich dominierenden Institutionen (Eschkötter 2012). Trotz unterschiedlicher thematischer Ausrichtungen treffen sich diese kultur- und medienwissenschaftlichen Studien in der Annahme, dass die Serie The Wire anders ist als die übliche populärkulturelle Serienkost und in ihr aufgrund ihrer komplexen Erzählverfahren sowie ihrer quasi-ethnographischen Detailverliebtheit ein audiovisuelles Archiv des postindustriellen urbanen Amerika zu entdecken ist, welches ein hohes Maß an Welt- und Realitätshaltigkeit aufweist. -
„An amorphous series detailing society’s ills“. Probleme der Aufklärung im Zeitalter des premium cable television
Marcus KrauseZusammenfassungDer Begriff der Aufklärung spielt in The Wire in mehrfacher Weise eine zentrale Rolle. Da es sich bei dem Genre, dem sich The Wire in der ersten Staffel zunächst zuzuordnen scheint, um eine cop show bzw. ein police procedural handelt, fällt allererst die semantische Dimension ins Auge, die sich mit der Aufklärung von Verbrechen verbindet. Dass es um diese Aufklärung ziemlich schlecht bestellt ist, wird bereits in der ersten Staffel nur allzu deutlich – zumindest dann, wenn man zur Verbrechensaufklärung auch die strafrechtliche Verfolgung der Delinquenten zählt. Zwar gelingt es der im Verlauf von Season One gebildeten Spezialeinheit durch den Einsatz der titelgebenden Überwachungs- oder eben Aufklärungstechnologie die verschiedenen Ebenen der von Avon Barksdale und Stringer Bell geführten Verbrechensorganisation zu identifizieren und diesen Ebenen die entsprechenden Handlungsträger zuzuweisen, in dem Moment aber, in dem die Verbindung des als Wirtschaftsunternehmen in Szene gesetzten Syndikats zum politischen System aufgedeckt wird, wird die Operation auf Befehl des Deputy Commissioners beendet. -
‚Shit look tight‘. Die Wiedererprobung darstellerischer Konventionen des Naturalismus zum Zwecke der Sozialkritik in der TV-Serie The Wire
Philipp SchulteZusammenfassungVom ersten Satz dieses Zitats mag man sich vielleicht noch verwirren lassen; doch die sich dann durchsetzende etwas altmodische Sprache und Orthographie, die heute teilweise tendenziös wirkende Wortwahl und zuletzt ein Blick in die Fußnote verdeutlichen, was zu Beginn der Lektüre womöglich noch nicht so klar war: dass es sich hierbei nämlich eben nicht um eine Beschreibung der US-amerikanischen Fernsehserie The Wire handelt. Und doch, ganz abwegig scheint es nicht zu sein: Von einem „zur Tragödie gewordenen Polizeibericht“ ist die Rede, wie ja auch in The Wire die Erfahrungen des Chefautors der Serie David Simon, zwischen 1982 und 1995 Polizeireporter der Baltimore Sun, und seines Ko-Autors Ed Burns, einem ehemaligen Beamten sowohl der Mordkommission als auch der Rauschmittelabteilung des Baltimore Police Department, unmittelbar in die Narrationen der 2002 gestarteten Serie einfließen. -
Authentifizierung der Fiktion. The Wire und die Möglichkeit einer Erfahrung von Gesellschaft
Jörn AhrensZusammenfassungVon Georg Simmel bis Niklas Luhmann definiert bekanntlich ein grundlegendes Paradox den Ausgangspunkt der Soziologie als der Wissenschaft von der Gesellschaft: Sie lässt sich nämlich nicht außerhalb ihres Untersuchungsfeldes ausüben. Dem Fach fehlt per definitionem die Distanz zum eigenen Gegenstand, der Gesellschaft, von welcher es notwendigerweise immer schon selbst ein Teil ist. In seiner 1908 erschienenen Soziologie beschreibt Simmel den Begriff der Gesellschaft als einen Abstraktions- und Ordnungsbegriff, über den zunächst inkommensurable, zumindest aber nicht zusammen gehörende Gegebenheiten in einen Zusammenhang gebracht werden. Und weil es sich um einen Abstraktionsbegriff handelt, weiß Simmel auch, dass es auf dieses Ding Gesellschaft keinen unmittelbaren, empirischen Zugriff gibt. -
It’s all in the detail. Uncharted territory und der Spielraum der Akteure
Michael CuntzZusammenfassung„It‘s all in the game“ – dieser meistens fatalistisch geäußerte Satz scheint nicht nur für die Welt der Kriminellen, für die einander ablösenden Drogendistributionsringe zu gelten, denen wir in The Wire begegnen, sondern letztlich für alle Akteure, denen wir in der Serie folgen. -
Backmatter
- Titel
- The Wire
- Verfasst von
-
Jörn Ahrens
Michael Cuntz
Lars Koch
Marcus Krause
Philipp Schulte
- Copyright-Jahr
- 2014
- Electronic ISBN
- 978-3-658-01240-3
- Print ISBN
- 978-3-658-01239-7
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-01240-3
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