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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

3. Theoretische Fokussierung

verfasst von : Jana Türk

Erschienen in: Konflikthafte Vergemeinschaftung

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Im Folgenden werden nun grundlegende theoretische Konzepte vorgestellt, die im Laufe dieser Studie herangezogen wurden. Als Klammer beziehungsweise grundsätzliche Überlegung, unter der sich die Ausführungen zu Raumsoziologie, Gemeinschaft und Vergemeinschaftung (3.2) sowie Kooperation und Konflikt (3.3) versammeln lassen, dient die Theorie der Strukturierung von Anthony Giddens (1984). Denn sie geht nicht von einem Dualismus – im Sinne eines Gegensatzes von Handeln und Struktur – aus, sondern davon, dass beide sich gegenseitig bedingen und das eine das andere beeinflusst.

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Fußnoten
1
Im Englischsprachigen Original spricht Giddens von der „transformative capacity“ (Giddens 1984: 35).
 
2
Beck geht es hierbei um „Nebenfolgen zweiter Ordnung, die gesellschaftliche Institutionen von innen her in Frage stellen“ (Beck/Bonß/Lau 2001: 32). So würden Institutionen zunehmend vor Handlungs- und Entscheidungsprobleme gestellt, die sie nach bisherigem Verfahren und bis dato angewandten Mitteln nicht mehr lösen könnten (ebd.). Die Traditionen und Sicherheiten der Industriemoderne selbst würden durch den von Nebenfolgen angetriebenen Wandel „überrollt“ (Beck 1996: 39). Damit vollziehe sich der Wandel von der ersten zur zweiten, reflexiven Moderne durch zwei unterschiedliche, sich ergänzende und durch nicht intendierte Nebenfolgen losgetretene Krisen, samt deren Bewältigungsmechanismen: eine „institutionelle Funktionskrise“ und eine (wegen ständig präsenter und gesellschaftlich rezipierter) Risikokonflikte „auf Dauer gestellte Legitimationskrise der Institutionen“ (Beck/Bonß/Lau 2001: 33).
 
3
Foucault (1990) sprach beispielsweise davon, dass wir im 20. Jahrhundert in der „Epoche des Raumes“ lebten (vgl. ebd.: 34).
 
4
Bis 1995 lautete der Studientitel noch „Dörfliche Lebensverhältnisse im Wandel“.
 
5
Für einen detaillierten Überblick zur Verwendung des Begriffs „Gemeinschaft“ in der Soziologie in Deutschland von 1933–1945 vgl. Breuer 2002.
 
6
Den angestrebten Vergemeinschaftungsprozess nannte Hans Freyer damals „Volkwerdung“ (Freyer 1935: 141, zitiert nach Dyk/Schauer 2010: 933). Die Berichterstattung zu einem Treffen von Soziolog*innen in Jena im Jahr 1934 zeugt von der Unterstützung der rassistischen NS-Ideologie durch manche Fachvertreter*innen. Der Völkische Beobachter vom 11. Januar 1934 hält die dort vertretenen Thesen fest, dass nur eine Soziologie der Gemeinschaft zur Gestaltung einer Volksgemeinschaft etwas sagen könne, und dass Rasse und Gemeinschaftsgestaltung aufs Engste zusammenhingen (vgl. ebd., zitiert nach Schauer 2018: 134).
 
7
Auch Tönnies beschreibt, dass Gemeinschaften nicht zwangsläufig aus diesen Gründen entstehen, und verweist auf den menschlichen Wesenswillen, der dafür notwendig sei (vgl. Hitzler/Honer/Pfadenhauer 2008: 10).
 
8
Soziale Schließung wird in diesem Sinne nicht mehr wie in den klassischen Theorien hierzu (Frank Parkin, Raymond Murphy) durch funktionalistische Konzepte erklärt, sondern vielmehr durch eine „handlungszentrierte“ Wendung derselben (Mackert 1999: 161), welche soziale Akteure (und damit auch Gemeinschaften) als handlungsmächtig begreift und nicht etwa von einer „‚objektive[n] Schließungsstruktur‘“ (ebd.) ausgeht. Dies korrespondiert mit der dieser Arbeit zugrunde gelegten Perspektive einer Rekursivität von Strukturen, wie Anthony Giddens sie ausgearbeitet hat (vgl. Abschn. 3.1).
 
9
Wohl, wenn auch nicht an dieser Stelle expliziert referenziert, in Anlehnung an Putnam (2000: 21 f.), der von der dunklen Seite des Sozialkapitals spricht.
 
10
Eine „möglichst hohe Heterogenität“ (ebd.: 297) von Netzwerken zivilen Engagements sei insofern wichtig, als sie dann für Communities als Bindeglieder funktionieren könnten „zwischen sozialen Schichten, Generationen und Milieus“ (ebd.: 298). Für sich allein, also ohne die Strukturprinzipien der Transparenz, des Statuspotenzials und der Optionalität, bliebe das Heterogenitätsprinzip aber wirkungslos (vgl. ebd.). Mit Optionalität beschreibt Brauer, dass den Individuen ausreichend Möglichkeiten für freiwilliges Engagement gegeben sein müssen, und dass sie auch innerhalb dessen zwischen Entscheidungen wählen können müssten (vgl. ebd.: 298). Freiwilliges Engagement steht nach Brauer außerdem in engem Zusammenhang mit Statuspotenzial, also der Möglichkeit, den persönlichen Status durch ihr Engagement zu sichern oder zu verbessern; Das Statuspotenzial stelle die „notwendige Grundlage“ für eben jenes Engagement dar, funktioniere aber nicht ohne Transparenz und „ausreichende Heterogenität“ (ebd.: 300).
 
11
Diese Formulierung stellt, wenn man Hubert Knoblauch (2008: 74) folgt und Tönnies’ traditionsbasierten Gemeinschaftsbegriff zugrunde legt, eine Contradictio in Adjecto dar.
 
12
Zusammen mit William I. Thomas gilt er durch sei Wirken an der Universität von Chicago als Leitfigur dieser sogenannten Chicago School (vgl. Löw 2001b: 113).
 
13
Aufgrund ihrer ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Interessen, argumentiert Park, verteilten sich die Bewohner einer Stadt auf quasi natürliche Weise im Stadtgebiet. So entstand der Terminus „natural areas“ (vgl. Park 1925: 6, Lindner 2004: 126).
 
14
Zumindest war dies die Haltung – mit ihrer Forschung befanden sich Park und Kollegen im Alltag dennoch oft in dem Zwiespalt zwischen dem Anspruch, mit ihrer Arbeit einerseits sozialen Einrichtungen Informationen zu liefern, andererseits einen wissenschaftlichen Beitrag zur Soziologie zu leisten (vgl. Lindner 2004: 145 f.).
 
15
Inwiefern es sich hierbei um tatsächlich identifizierbare Arenen im Sinne der Clarke’schen Situationsanalyse handelt, muss allerdings empirisch erforscht werden. Arenen, in denen verschiedene soziale Welten aufeinandertreffen, entstehen klassischerweise in der Verhandlung um strittige Themen (Clarke 2009: 199 f.).
 
16
Vgl. die Rede von nicht intendierten Nebenfolgen in der Theorie reflexiver Modernisierung von Ulrich Beck (Beck 1996: 39; Beck/Bonß/Lau 2001: 32 f).
 
17
Ein Meilenstein war die „Middle-Town in Transition“-Studie von Lynd und Lynd (1937), ihre Blüte erlebte die Community-Power-Forschung ab den 1950er-Jahren (vgl. Brauer 2005: 32 f.).
 
18
Dazu ist anzumerken, dass Lynd und Lynd dabei nicht auf die Belange „schwarzer“ Stadtbewohner*innen eingingen und dass Hausfrauen im Befragungssample stark überrepräsentiert waren (für viele: Harth et al. 2012: 84).
 
19
Während Stacey in ihrer ersten Studie der Stadt noch klare Trennlinien entlang der Achsen traditional/non-traditional als auch Mittelklasse/Arbeiterklasse feststellte, bemerkte sie bei der von ihr geleiteten Wiederholungsstudie 1975, dass die noch in den 1950er-Jahren vorgefundenen Trennlinien verblasst waren (ebd.: 5).
 
20
Das Setting erinnert in Teilen an die Marienthal-Studie, die explizit von Bude und Kolleg*innen als Vorlage genannt wird, auf deren methodische Implikationen in Kapitel 4 „Methodologie und Methode“ nochmals kurz eingegangen wird.
 
21
Immer wieder grenzt sich Ostrom vehement von dem Ökologen Garret Hardin ab. Hardin verwechsle in seinem international beachteten Artikel „The Tragedy of the Commons“ (Hardin 1968) Situationen, in denen alle Zugang zu bestimmten Ressourcen haben, mit Gemeingütern, die in der Regel einer Gemeinschaft gehören (vgl. Ostrom 2010: 54). Und Silke Helfrich (2011) merkt an: „So wie ‚niemandes Eigentum‘ nicht mit den Commons zu verwechseln ist, so macht auch Gemeineigentum allein noch kein Commons“ (Helfrich in: Ostrom 2011: 48). Ostrom verneint damit nicht, dass es zu einer tragischen Übernutzung von Allmenderessourcen kommen kann (vgl. Ostrom 2011: 78), allerdings distanziert sie sich von der (empirisch nicht gestützten) Annahme, dass es zwangsläufig zu einer solchen Übernutzung kommen muss.
 
22
Ostrom führte mit Amy R. Poteete und Marco A. Janssen eine Meta-Analyse zu diversen Studien durch, welche sich mit kollektiven Handlungsproblemen beschäftigen. Die drei Forscher*innen konnten Faktoren identifizieren, deren Vorhandensein die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Akteure kollektive Handlungsprobleme durch Kooperation lösen können (vgl. Ostrom 2011a: 270).
 
23
Klaus Selle (2013) spricht in diesem Zusammenhang von „Governance als Trendhypothese“ (ebd.: 106 f.). „Neue“ Formen der Governance habe es möglicherweise „avant la lettre“ bereits gegeben (vgl. ebd.: 107). „Denn viele Formen des Zusammenwirkens öffentlicher und privater Akteure gab es schon, bevor der wissenschaftliche Blick darauf fiel“ (ebd.).
 
24
Nach Simmel geschieht Vergesellschaftung durch eine „Wechselwirkung unter den Individuen“ (Simmel 1908: 7). Die verschiedenen Manifestierungen von Konflikt bei Simmel werden entfaltet entlang der Begriffe „Streit“ und „Kampf“. Beide versteht er nicht als gegen den Prozess der Vergesellschaftung wirkend, womit er sich von anderen soziologischen beziehungsweise konflikttheoretischen Ansätzen unterscheidet, für ihn haben Konflikte eine soziale Funktion (vgl. Ley/Meyhöfer 2016: 20). Wenn Simmel über Streit schreibt, geht er von der Auseinandersetzung zwischen zwei Individuen aus.
 
25
Dahrendorf stellt, ausgehend vom „Umfang der sozialen Einheit“ (Dahrendorf 1972: 25), in der ein Konflikt besteht, eine sehr detaillierte Typologie sozialer Konflikte auf: Sie beginnt bei Intra- und Inter-Rollenkonflikten, hinzu kommen Konflikte zwischen organisierten ebenso wie nicht organisierten sozialen Gruppen, die entweder „innerhalb von regionalen oder institutionellen Sektoren von Gesellschaften“ (ebd.) stattfinden oder aber „eine ganze Gesellschaft (im Sinne einer territorialen staatlichen Einheit) erfassen“ (ebd.). Außerdem berücksichtigt er Konflikte innerhalb von größeren Einheiten, in denen zwei oder mehr Länder verbunden sind aber auch in größeren „Föderationen bis zur gesamten Welt“ (ebd.). Darüber hinaus differenziert Dahrendorf soziale Konflikte entlang des Rangverhältnisses der jeweiligen „beteiligten Gruppen bzw. Elemente“ (ebd.), die bereits nach ihrem Umfang klassifiziert dargestellt wurden. So sieht er Konflikte zwischen ranggleichen Gegnern, zwischen über- und untergeordneten Gegnern sowie Konflikte zwischen dem Ganzen und einem seiner Teile – er nennt hier etwa Konflikte „zwischen Südtirolern und dem italienischen Staat“ (ebd.).
 
Metadaten
Titel
Theoretische Fokussierung
verfasst von
Jana Türk
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-39684-8_3