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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorwort

Zusammenfassung
Theorien der Politik sind leider nicht unbedingt ein zentraler Bestandteil des Curriculums an deutschen Hochschulen. Das ist zu bedauern, schließen sie doch die Lücke zwischen den ausgiebig behandelten Klassikern der politischen Philosophie und der mannigfaltigen empirischen Forschung zu politischen Einstellungen, Konflikten zwischen Parteien, sozialen Bewegungen und Verbänden etc. Die Theorien des politischen Systems von David Easton und Niklas Luhmann sind dafür sicherlich sehr wertvolle — wenn nicht derzeit die wichtigsten — theoretischen Rahmen.
Jan Fuhse

1. Einleitung: Theorien des politischen Systems als Orientierungspunkte der Politologie

Zusammenfassung
Worum geht es in der Politikwissenschaft? Um die theoretische Modellierung und empirische Analyse politischer Systeme, ihrer Strukturen, der in ihnen ablaufenden Prozesse und ihrer Beziehungen zueinander. Diese Antwort klingt zunächst recht einsichtig. Worum sollte es in der Politikwissenschaft gehen, wenn nicht um politische Systeme? Was aber genau ist ein politisches System? So leicht einem das Wort über die Lippen geht, so schwer fallt eine Definition. Schnell geht man dazu über, die Institutionen des politischen Systems aufzuzählen: in Deutschland den Bundestag, die Bundesregierung, möglicherweise soziale Bewegungen und Lobby-Gruppen, auf jeden Fall aber noch ausführende Organe wie Verwaltungen, Polizei und Militär. Gehören die Gerichte dazu? Möglicherweise, aber dann sollte man vielleicht auch die Massenmedien und die öffentliche Meinung dazu zählen. Und das alles soll irgendwie in einem ,politischen System’ zusammen gefasst sein. Wie aber werden diese Institutionen zusammen gehalten? Und macht es einen Unterschied, von einem politischen System statt einfach nur von der Politik zu sprechen?
Jan Fuhse

2. David Easton

Zusammenfassung
Die Biographie von David Easton sieht — im Gegensatz zu der vieler anderer Sozialwissenschaftler in der damaligen Zeit — eher unspektakulär aus: 1917 in Toronto geboren, blieb er dort bis zu seinem Masterabschluss 1943. Anschließend besuchte er die Harvard University, wo er 1947 promovierte. Noch im selben Jahr übernahm er eine Stelle als Assistant Professor an der Universität Chicago, wo er bis 1982 lehrte (ab 1955 als Professor). Dann ging er an die University of California in Irvine, wo er noch heute lehrt. Während dieser sehr geordneten akademischen Laufbahn erhielt Easton eine Reihe von Ehrungen. So war er etwa 1969 Präsident der American Political Science Association, die 1996 zu seinen Ehren auch einen David-Easton-Award fir Politische Theorie einrichtete. Der Schlüssel zur bahnbrechenden Bedeutung seiner Arbeiten ist mithin weniger in diesem knappen biographischen Abriss zu suchen als im intellektuellen Kontext der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den Sozialwissenschaften und insbesondere in der Politikwissenschaft in den USA (2.2.) und in der zeitlichen Entwicklung von Eastons Arbeiten (2.3.).
Jan Fuhse

3. Niklas Luhmann

Zusammenfassung
Niklas Luhmann wurde 1927 in Lüneburg geboren und wuchs dort bis zu seinem 17. Lebensjahr auf. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er Luftwaffen-heifer, von 1946 bis 1949 studierte er in Freiburg Jura. Anschließend arbeitete Luhmann nahezu zehn Jahre lang in der Landesverwaltung Niedersachsens, hauptsächlich im Kultusministerium. Aber schon in dieser Zeit ging er neben seiner Arbeit dem Studium soziologischer und philosophischer Texte nach (Luhmann 1987: 132). 1960 bis 1962 ließ sich Luhmann beurlauben, um an der Harvard University bei Talcott Parsons Soziologie und Verwaltungswissenschaften zu studieren. Die strukturfunktionalistische Systemtheorie von Talcott Parsons wurde zu einer der wichtigsten Einflüsse für das Denken Luhmanns. Allerdings setzte er sich schon in den Arbeiten aus jener Zeit (etwa zum Funktionsbegriff; 1962) deutlich von seinem Lehrer ab, um eine eigenständige Theorie zu entwickeln. Niklas Luhmann berichtete in einem Interview, wie er in Gesprächen Parsons seine Sicht des Sozialen darlegte. Dieser meinte, die Gedanken Luhmanns ohne weiteres in sein Theoriegebäude einbauen zu können: „It fits quite nicely!“ Luhmann sah aber damals schon, dass die Konsequenzen seiner Überlegungen vom Parsonsschen Strukturfunktionalismus weg führen (1987: 133).
Jan Fuhse

4. Systemtheorien des Politischen im Vergleich

Zusammenfassung
‚Politisches System’, so eingängig dieser Begriff ist, so schwer scheint die Ausformulierung der genauen Bedeutung und der Implikationen eines solchen Begriffs. Der Systembegriff ist kein ‚unschuldiger’ wissenschaftlicher Terminus, sondern fordert, dass man die mit ihm beobachteten Phänomene mit einer bestimmten Perspektive betrachtet. Dazu gehört zum ersten, dass man eine Abgrenzung des politischen Systems von anderen Bereichen der Gesellschaft vornimmt. Politik ist dann nicht mehr integral verwoben mit anderen Bereichen wie dem Recht und der Wirtschaft, sondern bildet von diesen abgetrennt einen eigenständigen Zusammenhang. Darauf weist schon die Tatsache hin, dass wir im alltagssprachlichen Gebrauch scheinbar kein Problem haben, zwischen ökonomischen, politischen und juristischen Belangen zu unterscheiden — auch wenn diese im Einzelfall miteinander verknüpft sein mögen. Die Luhmannsche Option, dass diese Bereiche ihre je spezifische Eigenlogik haben, erscheint auch vor dem Hintergrund des Auseinanderklaffens von globalisierter Ökonomie und nationalstaatlich strukturierter Politik plausibel.
Jan Fuhse

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