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Über dieses Buch

Der Dissens zwischen elterlichem und ärztlichem Willen bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen beschäftigt seit Jahren die Gerichtsbarkeit. Aus neuerer Zeit stammen in Deutschland Entscheidungen zum Konflikt des Schwangerschaftsabbruchs bei Minderjährigen, Empfängnisverhütung von Minderjährigen, Sterilisation und Operationen am geistig Behinderten. In einem gemeinsamen Workshop der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht wurden auf der Basis von Analysen problematischer Kasuistiken Empfehlungen zu den Fragen der Therapieverweigerung bei Kindern und Jugendlichen erarbeitet, die den betroffenen Ärzten und Juristen eine konstruktive Diskussion in diesem komplexen Problemkreis ermöglichen und patientengerechte Entscheidungen erleichtern sollen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Therapieverweigerung: Problemstellung aus der Sicht des Pädiaters

Zusammenfassung
In den letzten Jahren wurde der Fall des Kindes Katharina S. ausführlich publiziert und diskutiert. Das Kind war an einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) erkrankt, und die Eltern brachen eine eingeleitete Therapie ab, durch die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Heilung hätte erzielt werden können. Ähnliche Fälle von Therapieablehnung bei unterschiedlichen onkologischen Erkrankungen mit unterschiedlicher Prognose kommen möglicherweise zunehmend häufig vor, werden jedenfalls häufiger berichtet (2,4). Der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer hat deswegen bereits eine ethisch-rechtliche Stellungnahme zur Behandlung bösartiger Erkrankungen bei Kindern erarbeitet und publiziert (8).
Hans-Gerd Lenard

Grundlagen der Behandlung krebskranker Kinder

Zusammenfassung
Bösartige Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich von denen des Erwachsenenalters durch Häufigkeit, Diagnosen, biologisches Verhalten und Behandelbarkeit.
Ulrich Göbel

Kontroversen bei der Therapie onkologischer Erkrankungen in der Pädiatrie

Zusammenfassung
Ich möchte meinen Ausführungen zum Thema “Kontroversen bei der Therapie onkologischer Erkrankungen in der Pädiatrie” folgende Systematik zugrunde legen:
a)
Bildgestaltung des Themas durch eigene Kasuistiken
 
b)
Interpretation und Urteilsbildung zu diesen Kasuistiken
 
c)
Schlußfolgerungen und perspektivische Fragen
 
Christoph Tautz

Neun ausgewählte Fälle einer Therapieverweigerung

Zusammenfassung
Schon kurz nach der Geburt bemerkten die Eltern, daß bei dem Mädchen der rechte Fuß nicht aktiv bewegt wird. Im Alter von 4 Monaten wurde durch fachärztliche Untersuchung eine Nervenlähmung in dem rechten Bein diagnostiziert, bei sonst altersentsprechender Entwicklung. Im 5. Lebensmonat stillt die Mutter ab und bemerkt Probleme bei der Stuhlentleerung der Tochter. Kurze Zeit später treten Entleerungsstörungen seitens der Blase hinzu, so daß die Mutter durch Druck auf den Bauch bzw. Microclistire die Entleerung von Blase und Darm unterstützen muß. Wegen der fortschreitenden Symptome wird im Alter von 14 Monaten ein Kernspintomogramm des Bauchraumes durchgeführt, bei der sich ein Tumor im Bauchraum zeigt, der in den Wirbelsäulenkanal hineingewachsen ist und auf das Rückenmark drückt. Dieser Tumor muß als verantwortlich angesehen werden für die Lähmungserscheinungen im Bereich der unteren Körperhälfte: Inzwischen ist eine schlaffe, aber inkomplette Lähmung an beiden Beinen feststellbar. Der Beckenboden ist vollständig gelähmt.
Christian Dierks, Toni Graf-Baumann, Hans-Gerd Lenard

Einsicht und Urteilsfähigkeit von Kindern

Zusammenfassung
„Einsicht“und „Urteilsfähigkeit“sind Begriffe, die derzeit in der psychologischen Literatur kaum diskutiert werden. Beide Begriffe sind in einer Entwicklungspsychologie aus dem Jahr 1892 zu finden (1), und der Begriff „Einsicht“spielte in den 20er Jahren im Rahmen der Gestaltpsychologie eine Rolle (2); seitdem gibt es jedoch nach Ausweis der einschlägigen Datenbanken und Bibliographien (3) im deutschen wie im angelsächsischen Sprachraum keine Veröffentlichungen, die über Forschungsansätze oder -ergebnisse zu diesem Thema berichten. Auch die Durchsicht der Aufsatzliteratur in bezug auf Einsicht in Krankheit, insbesondere Krebserkrankungen, brachte keine Ergebnisse (4).
Barbara Diepold

Aspekte der Therapieverweigerung bei Kindern aus theologisch-anthropologischer Sicht

Zusammenfassung
In einem Aufsatz mit dem Titel „Wer ist ein Schriftsteller?“(1) vertritt Martin Walser die Ansieht, Schriftsteller sei jeder, der sich schreibend abarbeitet, was ihn beschädigt habe. Schreiben sei eine Reaktion auf identitätsbedrohende Erfahrungen, mit denen die Schreibenden sich selbst veränderten. Jeder Schriftsteller fängt auf diese Weise an, „die Unmittelbarkeit seiner Misere“zu brechen, meint Walser, und er ruft dazu auf, daß möglichst viele Kollegen ihre Schreibanlässe erkennen lassen sollten.
Udo Schlaudraff

Therapieverweigerung bei Kindern. Strafrechtliche Aspekte

Zusammenfassung
Gemäß Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG haben die Eltern “das natürliche Recht und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht” zur “Pflege und Erziehung der Kinder”. Sie sind als Inhaber des elterlichen Personensorgerechts (§ 1626 Abs. 1 BGB) für die medizinische Betreuung der Kinder und daher für die Erteilung der Einwilligung in etwaige ärztliche Eingriffe oder sonstige Behandlungsmaßnahmen zuständig, wenn und soweit das Kind selbst nicht einwilligungsfähig ist.
Klaus Ulsenheimer

Zustimmungsersetzungen bei der Behandlung bösartiger Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen

Zusammenfassung
Die Gestattung eines ärztlichen Eingriffs (1) setzt nach h.M. nicht Geschäftsfähigkeit sondern eine entsprechende Einwilligungsfähigkeit voraus, so daß die Gestattung auch von einem minderjährigen Jugendlichen erteilt werden kann, wenn er die Bedeutung und Tragweite der medizinischen Maßnahme zu beurteilen und in verantwortungsvoller Weise seine Entscheidung danach zu bestimmen vermag (Einsichts- und Entscheidungsvermögen) (2).
Uwe Diederichsen

Aus der Praxis des Vormundschaftsgerichts

Zusammenfassung
In rechtlicher und damit vormundschaftsgerichtlicher Hinsicht geht es bei der juristischen und gerichtlichen Bewältigung des hier diskutierten Konfliktes zwischen den ärztlichen und den elterlichen Vorstellungen über die Reaktion auf die Erkrankung des Kindes um:
  • eine sog. Maßnahme zur Abwehr einer Kindeswohlgefährdung gemäß § 1666 BGB und zwar durch
  • eine Einschränkung des grundrechtlich geschützten Rechtes der oder des Sorgeberechtigten (Art 6 Abs. 2 GG), über die gesundheitlichen Angelegenheiten seines Kindes zu entscheiden und sein Kind insoweit rechtlich zu vertreten, indem
  • dem oder den Sorgeberechtigten die Befügnis zur Entscheidung entzogen wird und
    • auf einen Dritten, einen sog. Pfleger (Jugendamt oder sonstige Dritte übertragen wird (§§ 1666 I, 1909 BGB) oder
    • vom Gericht selbst wahrgenommen wird (§ 1666 II BGB).
Andreas Schertzinger

Bundesärztekammer: Ethische und rechtliche Probleme bei der Behandlung bösartiger Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer

Zusammenfassung
Das einzige flächendeckende Krebsregister der Bundesrepublik Deutschland ist das vom Institut für Medizinische Statistik und Dokumentation der Johannes Gutenberg-Unversität in Mainz geführte Deutsche Kinder-krebsregister. Mit Einführung des Saarländischen Krebsregistergesetzes im Jahre 1989 besitzt das Saarland als einziges der Bundesländer ein dem internationalen Standard entsprechendes Krebsregister für etwa 1 Million Einwohner. Auch das in der ehemaligen DDR über nahezu drei Jahrzehnte (1961 bis 1989) geführte Krebsregister entsprach dem internationalen Standard, und beide Register gehören der International Association of Cancer Registries (IACR) an. Die im Krebsregister der ehemaligen DDR zusammengetragenen Daten werden derzeit nur verwaltet, die Vollständigkeit der laufenden Registrierung ist durch die veränderten Rahmenbedingungen stark zurückgegangen. Da es ein bundesweites Krebsregistergesetz bis heute nicht gibt, muß durchaus befürchtet werden, daß mit Auslaufen der Übergangsregelung für die Datensicherung des ehemaligen DDR-Registers am 31. Dezember 1994 die Bundesrepublik mit 80 Millionen Einwohnern nur durch die etwa 1 Million Einwohner des Saarlandes im internationalen Verbund der Krebsregister mit akzeptiertem Standard vertreten ist.
Christian Dierks, Toni Graf-Baumann, Hans-Gerd Lenard

Empfehlungen zur Therapieverweigerung bei Kindern und Jugendlichen

Ohne Zusammenfassung
Christian Dierks, Toni Graf-Baumann, Hans-Gerd Lenard

Backmatter

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