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Thomas Johann Seebeck

Vom Tallinner Kaufmannssohn zum Klassiker der Physik

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Ohne die sensationelle Entdeckung der Thermoelektrizität, eines der Grundphänomene der Physik, durch Thomas Johann Seebeck im Jahr 1821 wären Weltraumflüge oder Smartphones heute undenkbar. Erstmalig in deutscher Sprache wird die Herkunft, der Bildungsweg, die exzeptionelle Forscherleistung und die Nachkommenschaft des bisher zu wenig beachteten deutschbaltischen Physikers detailliert ausgeleuchtet.

Seebeck pflegte eine europaweite Vernetzung mit Forschern an Akademien und Universitäten (H.C. Oersted, Brewster u.a.) und stand in wissenschaftlichem Austausch mit bedeutenden Naturforschern wie z.B. A.v. Humboldt und G. Forster und führte mit J. W. Goethe Experimente mit natürlichen Farberscheinungen durch.

Den Autoren gelingt es überzeugend, die mit historischen Versuchsanordnungen, Tabellen und Gleichungen aus Physik und Chemie angereicherten fachspezifischen Abschnitte auch für den Laien nachvollziehbar zu kommentieren. Das gehaltvolle Fachbuch wird durch unterhaltsam beschriebene Episoden aus dem persönlichen und kulturellen Umfeld Seebecks aufgelockert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Die Seebecks in Ingermanland und Estland
Zusammenfassung
Am Freitag, dem 29. März alten (julianischen) Stils (9. April neuen, gregorianischen Stils), 1770, wurde im Haus des Kaufmanns Johann Christoph Seebeck in Tallinn am Westrand des Rathausplatzes, damals des Großen Marktes, ein Knabe geboren, der am 2. (13.) April 1770 in der St. Olaikirche getauft wurde (Abb. 1.1). Die Zeremonie wurde von Pastor Winkler abgehalten, und es gab eine große Anzahl von Paten – im Kirchenbuch sind zehn Männer und zwölf Frauen verzeichnet. Mehrheitlich waren es Verwandte von Johann Christoph Seebeck selbst oder seiner Frau Gerdrutha Lohmann. Als Beispiele können der Ratsherr Franz Christoph Schreve, der Oldermann der Großen Gilde Peter von Glehn oder der Schwager des Hausherrn, der spätere Ratsherr und einer der reicheren Kaufleute der Großen Gilde, August Wilhelm Oom, genannt werden. An der Spitze des Verzeichnisses aber steht der Name von Bürgermeister Wilhelm Heinrich Gernet.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
2. Der Student Seebeck in Berlin und Göttingen
Zusammenfassung
Berlin, für das sich Thomas Johann Seebeck zum Medizinstudium entschieden hatte, war eine der größeren Städte des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, in der sich eine Einrichtung mit dem Namen Collegium medico-chirurgicum etabliert hatte. Ihre Aufgabe bestand in der Kontrolle der sanitären Zustände der Siedlungen der Bewohner und der Anleitung und Beratung der praktizierenden Feldscher und Wundärzte bzw. Chirurgen, die gemeinsam mit den Badern, Aderlassern, Klistierern, Zahnziehern und weiteren Fachleuten zu den Zunfthandwerkern gehörten. Der Brandenburger Kurfürst Friedrich III., der 1701 unter dem Namen Friedrich I. zum König von Preußen gekrönt wurde, hatte im Juli 1700 die Berliner Gesellschaft Societät der Wissenschaften gegründet und den hochverdienten Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz als deren ersten Präsidenten eingesetzt. Aus der Societät ging im Laufe der Zeit die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften hervor. Die ersten Forschungseinrichtungen in deren Geschäftsbereich waren ein Observatorium (1717), ein Theatrum anatomicum (1717) und das Collegium medico-chirurgicum (1723). Nach dem Tod von Leibniz berief der ab 1713 regierende Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. den Historiker Jacob Paul von Gundling im Jahr 1718 zum Präsidenten der Akademie, der allerdings zugleich die Funktion als unfreiwilliger Hofnarr des Königs zu erfüllen hatte, was ihn zu einer anfechtbaren Figur machte. Auf Verlangen des Soldatenkönigs wurde am Collegium medico-chirurgicum besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von Militärchirurgen und Feldschern gerichtet und ein Professor für Chirurgie berufen; auch wurde die Ausbildung der Apotheker gesetzlich geregelt. Jahrzehnte später wurde das Collegium medico-chirurgicum der Berliner Universität angegliedert.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
3. Seebeck in Bayreuth 1793–1802
Zusammenfassung
In den Sommerferien 1791, den letzten vor der Abschlussprüfung, beschloss Thomas Seebeck eine Rundreise durch Süddeutschland und machte dabei auch seine Verwandten in Bayreuth zu besuchen. Thomas’ Onkel und Taufpate Peter Lohmann, der seit 1778 mit Anna Catharina Juliana Modrach, der jüngsten Tochter aus der kinderreichen Familie des Bayreuther Regierungsrats Modrach, verheiratet war, hatte eine ältere Schwester, Maria Johanna Christiana. Der Graf Karl Magnus Stenbock hatte sie als Gouvernante für seine beiden Töchter Anna Juliana und die sieben Jahre jüngere Beata Ulrika Sofia auf das Gut Kolga in Dienst genommen, wo sie Moritz Boye kennenlernte. Später heirateten sie und zogen nach Bayreuth, wo der junge Ehemann als Hofkammerrat am Bayreuther Hof eine Anstellung bekam, was ungefähr dem Posten eines Finanz- oder Wirtschaftsrats entsprach. Zur Ergänzung sei gesagt, dass Stenbocks jüngere Tochter im Jahr 1775 den Sohn einer Adelsfamilie, Hans von Pahlen, heiratete, der das seit 1677 im Besitz der Familie befindliche Landgut Palmse bewohnte und in den Jahren 1782–1785 am Herrenhaus Umbauten vornahm, die dem prominenten Gebäude sein heutiges Aussehen verliehen. Es liegt im Nationalpark Lahemaa und ist in der Gegenwart das bekannteste Landgut Estlands.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
4. Seebeck in Jena 1802–1810
Zusammenfassung
In Jena sollte Seebeck erstmals mit Goethe (Abb. 4.1) zusammentreffen.
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5. Wieder in Bayreuth 1810–1812 und Neuanfang in Nürnberg
Zusammenfassung
Mit der im November 1806 verhängten Kontinentalsperre verhielt es sich so, wie es normalerweise mit Sanktionen ist – die gegen England errichteten Beschränkungen machten sich auch in dem Land, das die Sanktionen verhängt hatte, bemerkbar, in Frankreich. Eine eigene Art der Gegenwirkung war in Russland, das sich der Kontinentalsperre angeschlossen hatte, spürbar. Weil keine Agrarprodukte mehr nach England verkauft werden konnten, bekamen die russischen Gutsbesitzer kein englisches Gold mehr. Nach dem Frieden von Tilsit sank der Wert eines Rubels auf 26 Kopeken. Für den Kauf von Pariser Juwelen und teuren Modeutensilien, von Möbeln und anderen Luxusgütern gab es in Russland nicht mehr die ausreichenden Geldmittel. Die nachlassende Nachfrage sorgte bei den französischen Händlern und Handwerksmeistern für einen ernsthaften Verdruss. Ab 1808 begann sich die französische Wirtschaftslage rapide zu verschlechtern, 1811 brach eine schwere Wirtschaftskrise aus und zwei aufeinanderfolgende Missernten führten sogar zu einer Hungersnot. In den französischen Vasallenstaaten Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Belgien war die Lage nicht besser. Napoleon erwog einen entscheidenden Schlag gegen England auszuführen, aber besonders erregte ihn, dass sein russischer Freund Alexander sich nicht an die Vorschriften der Kontinentalsperre hielt. Es kam der Gedanke auf, Gewalt anzuwenden, aber das hätte Krieg mit Russland bedeutet, das er bislang für seinen besten Verbündeten hielt. Auch in St. Petersburg verbreiteten sich Anfang 1811 Gerüchte über einen möglichen Krieg mit Frankreich, denn in Danzig und Ostpreußen standen französische Truppen und es war bekannt, dass der Kaiser trotz seiner wiederholten Friedensbekundungen versuchte, ganz Europa in den Kriegszug miteinzubeziehen. Er schloss Bündnisverträge mit Preußen und Österreich und verpflichtete auch die zum Rheinbund gehörenden deutschen Kleinstaaten, Kontingente für seine Grande Armee bereitzustellen. Mitte 1812 traten die militärischen Vorbereitungen in die Abschlussphase ein, aber es wurde immer noch gezögert. Die nächste Umgebung war gegen den Krieg, aber die in Gang gesetzte Kriegsmaschinerie war nicht mehr aufzuhalten. Um zwei Uhr in der Nacht zum 24. (12.) Juni überschritt Napoleons Vorhut die Memel und gelangte, ohne auf Widerstand zu stoßen, am Abend nach Vilnius und nahm auch Kaunas ein. Der zweite polnische Krieg, wie Napoleon ihn bezeichnete, hatte begonnen.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
6. Endlich in Berlin 1818–1831
Zusammenfassung
Auch wenn Seebeck in Berlin keinerlei Kontakt zu seinem alten Freund Hegel mehr hatte, so lebten sie nun doch wieder in derselben Stadt. Sie waren beinahe gleichaltrig und ihre Lebenswege verliefen seit der Begegnung in Jena im Jahre 1802 lange Zeit parallel, wenn man einige Abweichungen in den Jahren 1807–1812 und 1816–1818 außer Betracht lässt.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
7. Seebecks Witwe, Kinder, Enkel und Nachfahren
Zusammenfassung
Thomas Johann Seebeck und seine Frau Juliane (Abb. 7.1) hatten zehn Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten. Mit Ausnahme von Malvine haben alle Geschwister, fünf Schwestern und zwei Brüder, ihren Vater um viele Jahre überlebt. Juliane Seebeck lebte als Witwe noch 30 Jahre. Durch den Tod ihres Mannes am 10. Dezember 1831 und den Wegfall der Besoldung von 2000 Talern im Jahr, die er ab 1. Januar 1819 als ordentliches Mitglied der traditionsreichen Berliner Akademie erhalten hatte und die die hauptsächliche Lebensgrundlage für die Familie bildete, machte sich bei Juliane Seebeck ein spürbarer Verlust an Lebensqualität bemerkbar. Aus dem Nachlass ihres Mannes konnte sie lediglich die Bibliothek für 593 Taler verkaufen, während die physikalischen Versuchsinstrumente keine Kaufinteressenten fanden. Die Witwe musste mit ihren beiden unverheiratet gebliebenen Töchtern Emilie und Adeline in eine kleinere Wohnung ziehen und der rege gesellige Verkehr, der all die Jahre durch das weitreichende Beziehungsgeflecht ihres Mannes gepflegt wurde, schränkte sich zusehends ein. Eine Witwenrente erlaubte ihr einen materiell gesicherten Lebensabend.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
8. Verdienstvolle baltische Wissenschaftler als Wegbereiter
Zusammenfassung
Professor Carl Ernst Heinrich Schmidt (Abb. 8.1) schuf die Grundlage für die weit verzweigte Schule von Chemikern an der Universität Tartu. Er wurde am 13. (1.) Juni 1822 in Mitau (Kurland, heute Jelgava) in einer Apothekerfamilie geboren. Nach seinem Abitur am örtlichen Gymnasium zog er nach Deutschland, erhielt 1844 in Gießen seinen Dr. phil. bei dem berühmten Chemiker Justus Liebig und verteidigte im nächsten Jahr bei einem zweiten berühmten Chemiker, Friedrich Wöhler, seinen Dr. med. Danach wechselte er nach St. Petersburg, wo er auch einen russischen Doktorgrad erwarb und als Arzt der höchsten Kategorie approbiert wurde.
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
9. Epilog
Zusammenfassung
Auf einer Goldplatte, die einer ins All geflogenen Raumsonde mitgegeben ist, sind Angaben über die Erde und ihre Bewohner vermerkt, aber selbst wenn dort die Namen all derer eingraviert worden wären, die diesen fantastischen Apparat geschaffen haben, würde das einem Physiker von einem anderen Planeten, der um einen fernen Stern kreist, nichts sagen. Uns aber bleibt die freudige Gewissheit, dass selbst für den Fall, dass die Kernenergie des Reaktors erschöpft und der Kontakt mit der Erde abgebrochen ist, die taubstumm gewordenen Raumsonden mit ihrem erkaltenden Herzen weiterhin in atemberaubendem Tempo auf der Milchstraße umherjagen, wohin sie die Thermoelektrizität gebracht hat, die ihren Anfang in einer lang zurückliegenden Fingerberührung des in Tallinn geborenen Kaufmannssohnes Thomas Johann Seebeck genommen hat (Abb. 9.1).
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
10. Anhang
Zusammenfassung
Thomas Johann Seebeck
Enn Velmre, Manfred Glesner, Cornelius Hasselblatt, Ulrike Müller-Harang
Backmatter
Titel
Thomas Johann Seebeck
Verfasst von
Enn Velmre
Manfred Glesner
Cornelius Hasselblatt
Ulrike Müller-Harang
Copyright-Jahr
2025
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-71980-0
Print ISBN
978-3-662-71979-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71980-0

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