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04.09.2020 | Transformation | Gastbeitrag | Onlineartikel

Das Digitalisierungsdilemma der Berater

Autor:
Dr. Jonas Steeger
3:30 Min. Lesedauer

Mit der Projektkomplexität steigt der digitale Anforderungskatalog für Unternehmensberater und stellt die operative Effizienz der Beratungstätigkeit unter enormen Druck. Vier Orientierungshilfen, um die vorherrschenden Herausforderungen zu meistern.

Der Verlauf der Corona-Pandemie hat sich als Katalysator für ein längst bekanntes, branchenübergreifendes Digitalisierungsdilemma erwiesen. Der fortschreitende Digitalisierungsdruck erfasst nicht nur Unternehmen im Kern, sondern auch ihre Beratungen, deren digitale Mittel im Eigengebrauch häufig schlechter ausfallen, als diejenigen, die dem Mandanten an die Hand gegeben werden. Während es nahezu keine Unternehmenstransformation ohne Digitalisierungscharakter gibt, wirkt es besonders paradox, dass Berater oft selbst vor der Herausforderung stehen, sich digital neu aufstellen zu müssen. Was ist also zu tun, wenn die eigenen Digitalisierungsaspirationen mangels wertvoller Ressourcen auf der Strecke bleiben?

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Die Unternehmens- und Verwaltungsberatung hat die Digitalisierung seit einigen Jahren als attraktives Geschäftsfeld erkannt, um ihre Kunden zu unterstützen. Auch als Instrument der eigenen, das heißt internen Effizienzsteigerung sind elektronische Hilfsmittel weit verbreitet. Wie steht es aber um die Digitalisierung und die Automatisierung der eigenen Leistung?

1. Digitales Mindset entwickeln

Neue Wirtschaftsfelder, innovative Geschäftsmodelle und Dienstleistungen haben dazu beigetragen, dass die Komplexität der Beratungstätigkeit in den vergangenen Jahrzehnten rapide gestiegen ist. Intuitive Konzepte sind jetzt gefordert, um dem Mandanten weiterhin das größtmögliche Dienstleistungsspektrum anzubieten. Die Aneignung digitaler Fähigkeiten, sowie die Einführung neuer digitaler Lösungen ist essentiell, um das Beratungsmodell weiter auszugestalten. Die allseits bekannten Alleskönner Excel und Powerpoint bedienen längst nicht mehr das Leistungsspektrum, das in der Vielzahl an Projekten gefordert ist. Zudem sind diese Programme höchst fehleranfällig und können den Mandanten wahre Verluste einbringen. Im Mittelpunkt aller Bemühungen sollte deshalb die Entwicklung eines digitalen Mindsets stehen, das die Basis für eine effiziente und digitalisierte Beratungstätigkeit schafft. Dazu gehört auch das richtige Team, sodass zu Beginn das eigene Recruiting oftmals eine Schlüsselstellung einnimmt.

2. Single Point of Truth über Projekte hinweg

Berater sitzen oft auf einem echten Datenschatz. Doch gibt es meist keinen "Single Point of Truth”. Zerstreute Listen, Mails und Berichte sind immer noch Alltag im Consulting. Doch in der Vielzahl an Projekten und Mandanten ist es enorm wichtig, klare Strukturen zu schaffen. Mit Spreadsheets alleine sind wirtschaftliche Prozesse in keinster Weise abbildbar. Nur eine solide Datenbasis bietet die Chance, analytisch tätig zu werden. Inzwischen gibt es zahlreiche Lösungen, die dabei helfen können, Projekte und Mandanten an einen Ort zu bringen. Eine solide Datenbasis in Echtzeit bietet gerade im Beratungsgeschäft und in der Zusammenarbeit mit den Kunden die beste Voraussetzung dafür, um logische Geschäftsentscheidungen abzuleiten und in handlungskritischen Projektphasen rechtzeitig zu reagieren. 

3. Arbeitsabläufe effektiver gestalten mithilfe von Automatisierung

Manuelle Dokumentations-, Administrations und Nachweispflichten auf verschiedenen Projektebenen nehmen nicht nur signifikant Zeit in Anspruch, sondern verlangsamen auch den Beratungsprozess durch ständige Datenaufbereitung und langwierige Reportings. Die Automatisierung von essentiellen Arbeitsabläufen kann manuelle oder sich wiederholende Aufgaben einfach zusammenzufassen. Automatisierte Prozesse räumen wertvolle Ressourcen frei und ermöglichen es, sich auf die wesentliche Beratungstätigkeit zu konzentrieren. Wichtig ist dabei insbesondere, dass gerade modern SAAS-Lösungen umfangreiche Trial-Perioden bieten. Langwierige Entscheidungsprozesse werden durch schnelle Trial-And-Error-Strategien oftmals effizient und effektiv abgelöst. 

4. Das Rad nicht neu erfinden und Kooperationen suchen

Um die Digitalisierungsziele in Transformationen zu erreichen, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Gerade die relevanten Fachkräfte und interdisziplinären Teams fehlen häufig. Doch anstatt die fehlenden Ressourcen alternativlos hinterher zu trauern, können Kooperationen - gerade mit Start-ups - schnellen Wandel bringen. Start-ups bringen viel in eine Kooperation ein. Nicht nur innovative Produkte. Insbesondere schnelles Iterieren, lösungsorientiertes Denken und eine hohe Motivation treiben den digitalen Wandel. Das hilft nicht nur akute Probleme zu lösen, sondern fördert auch den Zugang zu weiteren qualitativen Ressourcen und Mitarbeitern.

Fazit: Smarte, digitalisierte Prozesse werden die Beratungstätigkeit in Zukunft auf ein neues Level heben. Für Consulting 4.0 ist es notwendig, sich für neue Technologien, wie Real-Time-Datenanalyse und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, zu öffnen und bereits in den eigenen Reihen ein entsprechendes digitales, Skills-Set aufzubauen. Die Entscheidung über die richtigen Technologien für die Umsetzungsbegleitung sollten auf Basis der Projektanforderungen und Bedürfnisse der Kunden sorgfältig getroffen werden. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur auf etwaige Vermarktungsaktivitäten geschielt wird. Digitalisierung fängt im eigenen Hause an. 

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