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26.04.2018 | Transformation | Interview | Onlineartikel

"Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts"

Autor:
Anne Steinbach

Sind digitale Geschäftsmodelle eher eine Chance oder eine Bedrohung für Unternehmen? Jürgen Grimm, zuständig für Digital Solutions bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, zeigt auf, wie sich das Unternehmen auf die digitalisierte Welt vorbereitet.

Springer Professional: Mittlerweile stehen bei der digitalen Transformation im deutschen Maschinenbau Wachstumschancen durch neue digitale Produkte und digitale Dienstleistungen beziehungsweise auch veränderte Kundenbeziehungen über Multikanalvertrieb und Customer Service im Mittelpunkt. Stimmt das und was sind die Gründe dafür?

Jürgen Grimm: Die Aussage stimmt. Ich sehe die größten und vor allem am direktesten realisierbaren Chancen im Bereich Multikanalvertrieb und Customer Service. Viele deutsche Maschinenbauer sind in einer sehr spezialisierten Nische mit einem hohen Bedarf an Know-how. Dieses Know-how ist oft auf wenige Personen und in wenigen Köpfen konzentriert. Es bietet aber die Chance, für einen Hersteller eine Onlinepräsenz zu etablieren, die synonym mit der Nische ist. Auf diese Onlinepräsenz kann dann durch Video, Podcast und andere Medien die Grundlagenvermittlung endlich skaliert und die Marke des Maschinenbauers sehr positiv besetzt werden. Dabei muss zunächst die Angst vor Kopien und Verlust von Know-how abgewogen werden gegen die Möglichkeiten, welche die neue virtuelle Welt uns bietet – denn globale virtuelle Ausdehnung setzt eine offene Kommunikationskultur voraus. 

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Im Bereich Customer Service ist es wichtig zu verstehen, dass die Serviceerwartung durch Consumer Sites wie Amazon geprägt wird. Unternehmen sollten sich fragen: Ist die Bestellung eines Ersatzteiles für meinen Kunden so einfach wie die Bestellung über Amazon Prime? Ist die Transparenz bei Versand und Abrechnung genauso gut? Die Erwartungen unserer Kunden wird nicht durch unsere Vorstellungen geprägt, sondern durch deren tägliche Erfahrung im Netz.

Was benötigt der deutsche Maschinenbau, um sich dem internationalen Druck und den sich schnell ändernden Märkten und Kundenanforderungen anzupassen?

Offenheit! Offenheit für neue Ideen und den Willen, den Veränderungprozess selbst zu initiieren. Unsere Branche wurde durch große Internetdruckereien wie Vista Print und Flyeralarm revolutioniert. Beide Unternehmer kamen nicht aus der Industrie. Es gibt auch gute Beispiele, in denen die Innovation aus der Branche selbst kam. Theoretisch kann jede Nische von einem Branchenfremden angegriffen und erfolgreich besetzt werden. Ich muss mich also fragen, was würde dieser Branchenfremde anders machen und kann ich mich schnell genug verändern, um diesem Angriff zuvorzukommen. Sich darauf auszuruhen, dass diese Entwicklung an meiner Branche vorübergehen wird, halte ich für eine gefährlich Strategie.

Ist das Internet of Things eine Chance oder Herausforderung für den deutschen Maschinenbau?

Chance – weil es uns den Zugang zu Daten erschließt und Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.

Die Möglichkeiten zur Digitalisierung lassen sich aus Unternehmensperspektive in drei Felder einteilen: Schaffung eines digitalen Ökosystems, die Weiterentwicklung der Unternehmensstruktur und die Stärkung der technischen Grundlagen. Worauf fokussiert sich die Heidelberger Druckmaschinen AG am ehesten?

Für uns steht das digitale Ökosystem im Vordergrund. Wobei gerade im Ökosystem die Stärke der deutschen Maschinenbauer liegt, ob nun digital oder nicht. Die Verbindung zwischen der digitalen und physischen Welt kann unsere Kernkompetenz sein. In rein digitalen Ökosystemen mögen andere schneller und erfolgreicher sein. Das Ökosystem lässt sich aber nicht von der Unternehmensstruktur – besser Unternehmenskultur trennen! 

Ohne die passende Kultur entfaltet sich kein Ökosystem. Im Ökosystem müssen wir weg vom Produktgedanken hin zum Kundengedanken. Wie viele Kunden habe ich in meinem System, wie viele verliere und gewinne ich im Jahr und wie kann ich gleichzeitig deren Nutzen und meinen Profit maximieren? Das sollten die zentralen Fragen in einem Planungs- und Steuerungsprozess in einer Firma sein.

Mehr zum Thema Digitalisierung im deutschen Maschinenbau können Sie beim Vortrag von Jürgen Grimm am 7. und 8. Juni auf dem diesjährigen Turnaroundkongress in Köln erfahren. 

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