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23.05.2019 | Transformation | Im Fokus | Onlineartikel

Starke Unterschiede beim Digitalisierungsgrad

Autor:
Anne Steinbach

Während China bereits ganze digitale Städte plant und in Japan das High-Speed-Internet normal ist, geht es Europa ein bisschen langsamer an. Fünf deutsche Nachbarländer im digitalen Vergleich: Strategien, Status Quo und Probleme.

Germany Trade & Invest (GTAI), die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, hat 35 internationale Länder nach ihren Digitalisierungsstrategien analysiert. Dabei lag ein genaues Augenmerk auf Künstlicher Intelligenz und der Verschmelzung von neuen Technologien mit Wirtschaft und Verwaltung. 

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Einleitung: Industrie 4.0 und Digitalisierung – Erfolgspotenziale für Unternehmen

In diesem Beitrag wird im ersten Abschnitt kurz der Begriff „Industrie 4.0“ umrissen und im weiten Feld der Digitalisierung verortet. Hieraus ergibt sich ein breites Chancen-Spektrum, das es für sich zu entdecken gilt (Abschn. 2). 


In Europa sind aufgrund des geplanten Brexits viele Blicke auf das Vereinigte Königreich (VK) gerichtet. Ungeachtet dessen verfügt das Land über einen hohen Digitalisierungsgrad: Fast alle öffentlichen Anträge können im Internet abgewickelt werden, Arzttermine online gebucht, Gemeindesteuern über das Netz bezahlt und ebenso Gesellschaften gegründet werden. In einer UN-Studie von 2018 rangierte das VK bei der digitalen Verwaltung weltweit auf Platz vier. Nur Dänemark, Australien und Südkorea konnten noch besser abschneiden. Trotz des bevorstehenden Brexits dürfte auch die robuste digitale Start-up-Szene ein wichtiges Standbein der Wirtschaft bleiben. Doch wie sieht es in den direkten Nachbarländern Deutschlands aus?

Niederlande: Der globale Teststandort für intelligente Mobilität

Die Digitalisierungsstrategie der Niederlande wurde zuletzt im Sommer 2018 aktualisiert. Dabei lag der erste Fokus vor allem auf der Verbesserung der öffentlichen digitalen Dienstleistungen. Die Regierung möchte die Niederlande zum digitalen Spitzenreiter in Europa machen. Dabei ist der Aufbau von Digitalstrategien in KMUs, in der Landwirtschaft und in der Energie enorm wichtig.

Laut GTAI sind die Strategie und das Ziel der Niederlande soweit richtig, jedoch fehlt bisher das passende Tempo. Die Niederländer haben bisher sehr gut im internationalen Vergleich abgeschnitten und besitzen eine der besten digitalen Infrastrukturen der Welt. Allein die Tatsache, dass die digitalen Unternehmen Booking, Adyen oder Wetransfer als Beispiele in den Niederlanden sitzen, zeigt, dass Oranje in Bezug auf die Digitalisierung gut aufgestellt ist.

Frankreich: Die KI-Nation der europäischen Zukunft

Für die Franzosen ist es wichtig, allen Bewohnern Zugang zum Internet zu bieten. Das ist die Prämisse und daran wird seit der Veröffentlichung der Digitalisierungsstrategie gearbeitet. Der zweite Fokus liegt ganz klar auf künstliche Intelligenz, denn hierfür wurde unter Emmanuel Macron eine detaillierte Strategie vorgestellt. 

Das Ziel: Frankreich soll nachhaltig eine Position unter den fünf führenden KI-Nationen weltweit einnehmen und zur führenden KI-Nation in Europa aufsteigen. Dafür werden bis 2022 Kredite und Zuschüsse in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. In anderen Worten geht es dabei um die "Erforschung und Entwicklung sogenannter 'intelligenter Agenten'", wie es die Springer-Autoren Peter Buxmann und Holger Schmidt im Buchkapitel "Grundlagen der künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens" aus dem Buch "Künstliche Intelligenz" beschreiben (Seite 6).

Auch die Kooperation mit Deutschland soll ausgebaut werden. Dazu sind Projektwettbewerbe geplant, die mit drei Millionen Euro im Jahr gefördert werden. Forschungsinstitute auf beiden Seiten sollen enger vernetzt werden. Betrachtet man in diesem Zusammenhang den deutschen Mittelstand, der bereits in Frankreich ansässig ist, kann diese Entwicklung nur als positiv eingestuft werden. 

In dem Werk "Der deutsche Mittelstand in Frankreich" von den Springer-Autoren Dorothée Kohler und Jean-Daniel Weisz geben hochrangige Geschäftsführer des deutschen gehobenen Mittelstands Einblick in ihre Strategien und ihre industriellen Investitionen in Frankreich. So auch Jean-Claude Reverdell, Geschäftsführer der SEW-USOCOME: "Wir wollen alle Wachstumsmotoren sein und uns gemeinsam in Frankreich entfalten", erklärt er in Kapitel 4 (Seite 50). Je mehr digitale Kooperationen in diesem Zusammenhang entstehen, desto profitabler wird die Entwicklung.  

Österreich: Schlag auf Schlag in die Digitalisierung

"Wir wollen Österreich fit für das digitale Zeitalter machen", ließ Bundeskanzler Sebastian Kurz im ersten Regierungsprogramm 2017 bis 2022 verlauten, das im Dezember 2017 vorgestellt wurde. Dabei geht die junge Regierungsspitze Schlag auf Schlag vor. Was noch 2017 verkündet wurde, war in 2018 bereits umgesetzt. Der Fokus bleibt dabei weiterhin auf der 5G-Strategie. Jedoch muss dieses Ziel in Bezug auf die Alpenregion immer wieder neue Berge bezwingen. 

Um die Strategie der Künstlichen Intelligenz noch weiter umzusetzen, wurde 2017 der "Österreichische Rat für Robotik und Künstliche Intelligenz" ins Leben gerufen. Sicher ist, dass Österreich Hochburg der Künstlichen Intelligenz (KI) werden will. Jüngster Meilenstein auf diesem Weg ist die Gründung des Institute of Advanced Research Artificial Intelligence (IARAI), die im Februar 2019 bekannt gegeben wurde.

Polen: Das digitale Schlusslicht

Viel ist im Bereich der Digitalisierung in Polen bisher noch nicht passiert. Auch wenn schon im Jahr 2015 ein Ministerium für Verwaltung und Digitalisierung gegründet wurde, liegt das Land im Digitalisierungsranking der Europäischen Union auf einem der letzten Plätze.

Der Fokus bisher liegt für Polen auf dem Ausbau von E-Government-Dienstleistungen und dem nationalen Breitbandausbau sowie auf Cybersicherheit. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz möchte Polen in der Zukunft aktiv werden und hat dafür bereits einen Aktionsplan für 2018 und 2019 entwickelt.  Den größten Nachholbedarf hat das Land bei der Integration der Digitaltechnik. Ein Grund für das schlechte Abschneiden sind die geringen Ausgaben der Unternehmen für Digitalisierung. 

Dänemark: Die digitale Weltspitze

Dänemark meint es ernst mit der Digitalisierung. Mit der Veröffentlichung der Digitalstrategie im Januar 2018 wurde festgelegt, dass von nun an in den nächsten acht Jahren 134 Millionen Euro in digitale Pläne gesteckt werden. Ab 2026 sollen jährlich etwa zehn Millionen Euro ausgegeben werden. 

Das Ziel des Nordlichts: ein digitaler Hub werden, in dem Fachkräfte digital ausgebildet und Daten als Wachstumsmotor für Industrie und Handel genutzt werden können. Das einzige Problem liegt bisher im großen Fachkräftemangel, doch auch dafür wurden bereits Maßnahmen eingeleitet.

Fazit: Zwar haben sich große wie kleine Wirtschaftsnationen weltweit sehr ehrgeizige Ziele für die Digitalisierung gesetzt, jedoch variiert die Umsetzung bisher enorm. Es bleibt abzuwarten, wie sich die einzelnen Länder in den nächsten Jahren entwickeln und welche Nation das Feld von hinten aufrollt.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Quelle:
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„Wir wollen alle Wachstumsmotoren sein und uns gemeinsam in Frankreich entfalten.“

Ein Gespräch mit Jean-Claude Reverdell Geschäftsführer der SEW-USOCOME, und Eric Hoffstetter Leiter des SEW-Werks in Brumath
Quelle:
Der deutsche Mittelstand in Frankreich

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