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24.07.2018 | Transformation | Interview | Onlineartikel

"Interieur von Fahrzeugen nimmt mit Wandel stark an Bedeutung stark zu"

Autor:
Thorsten Garber

​​​​​​​Die Aunde Group zählt zu den deutschen Top 100 der Autozulieferer. Der einstigen Weberei gelang die Transformation zum Spezialisten für technische Textilien, erklärt CEO Rolf A. Königs, der auch neue Wachstumsmärkte für die Rückkehr der gebeutelten Textilbranche sieht.

Springer Professional: Herr Königs, wie stellen Sie Kundenzufriedenheit sicher?

Rolf A. Königs: In unserer Branche die Wünsche zu erfüllen, gelingt über gemeinsame Arbeit an kontinuierlicher Verbesserung. Von Kundenbefragungen halte ich nicht viel; besser beweist man sein Potenzial in der Praxis. Wir haben bei VW die Zulieferer-Nummer 13. Dieses Zeichen spiegelt für mich wider, wie weit die gemeinsam angelegte Strategie auf Langfristigkeit zurückreicht. So senkt man zusammen die Fehlerkurve gegen null. Die beste Auszeichnung ist, wenn das Vertrauen in unsere Leistungen dadurch bewiesen wird, dass wir Aufträge zu guten Konditionen und zu beiderseitigem Nutzen erhalten.

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Gibt es ein Beispiel für Produkte oder Services, die Ihre drei Unternehmen der Gruppe gemeinsam hervorgebracht haben? Oder agieren alle eher unabhängig voneinander?

Aunde, ISRI und Fehrer entwickeln getrennt ihre Innovationen, aber auf übergeordneter Ebene kommen sie in unserem Innovationsforum zusammen, verzahnen dort ihre Ideen, so dass letztlich für zahlreiche Neuerung auch gemeinsame Lösungen zusammengeführt werden.

Ist Ihre ganzheitliche Wertschöpfungskette aus Entwicklung, Produktion und Logistik von Auftraggebern verlangt oder von Aunde wegen besser verkäuflicher Pakete gewollt?

Verlangt und gewollt. Alle unsere Prozesse orientieren sich an der Wertschöpfung in den genannten drei Schritten von der Produktentwicklung bis zur Logistik. Darauf ist unser integriertes Total Management ausgerichtet. Seit dessen Einführung führen wir auch keine Organigramme mehr, sondern arbeiten in Strukturen am Prozess entlang. 

Durchbruchsinnovationen sind bei Auto-Innenausstattung wie Sitzen oder Federn nicht unbedingt zu erwarten, oder?

Oh, doch! Immerhin erzielen wir jedes Jahr bis zu 30 Prozent unserer Umsätze mit neuen Produkten. Erstaunlich, was zum Beispiel derzeit allein Fehrer leistet, um Abfälle von Textilkanten innovativ zu verwerten. Aus solchen Entwicklungsprozessen entsteht wieder eine Vielzahl neuer Produkte, die insbesondere auf Nachhaltigkeit zielen.   

Reichen kleine Entwicklungsfortschritte noch aus, um gefragter Zulieferer zu bleiben?

Aber sicher, denn auch kleine Fortschritte können sich für beide Seiten bezahlt machen. Wir setzen nicht nur auf Sensationen. Von zehn Schüssen trifft im Schnitt nur auf eine Neuentwicklung dieses revolutionär Innovative zu. Also gehören neun Entwicklung eher in die Kategorie der Evolutionen. 

Textilunternehmer Franz-Peter Falke prognostiziert die Rückkehr der Textilindustrie nach Deutschland. Teilen Sie seine Einschätzung?

Die Renaissance der Textilindustrie sage ich schon seit langem voraus. Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie ist schon wieder erstarkt, steht für mehr als 400.000 Beschäftigte mit 35 Milliarden Euro Umsatz sowie für 17 Forschungsinstitute. Mehr als die Hälfte ihrer Umsätze erzielen unsere Unternehmen schon mit technischen Textilien, für die wir Zukunftsmärkte mit zwölf Wachstumssegmenten sehen – ob in Mobilität, Medizin, Kleidung, Bau oder Agrar.

Seit VW-Chefeinkäufer López in den 1990er Jahren als "Würger von Wolfsburg" die Auftragnehmer ausgewrungen haben soll, spätestens aber seit zwei Prevent-Firmen 2016 in einen Lieferstreik gegen Volkswagen getreten sind: Das Verhältnis zwischen Zulieferern und Fahrzeugherstellern scheint belastet. Macht Ihnen die Abhängigkeit von der Autoindustrie keine Angst?

Nein, wir in der Aunde Group haben uns auch mit Herrn López immer gut verstanden. Und zum Prevent-Fall möchte ich mich nicht äußern. Womöglich hängt unser gutes Auskommen damit zusammen, dass wir in vielen Fällen als Alleinlieferant einen besonderen Status genießen. Ich sehe Abhängigkeiten übrigens für beide Seiten und halte viel von Vereinbarungen per Handschlag.

Können Sie Ihre Preise durchsetzen?

Ich rede lieber von Kosten. Auch hier verweise ich auf unseren Status als oft langjähriger Alleinlieferant in herausragenden Vertrauensverhältnissen, was uns offensichtlich den Bonus verschafft, davon auch bei unseren Preisen zu partizipieren. 

Wie wirkt sich der technologische Wandel, etwa Elektromobilität oder autonomes Fahren, auf Aunde aus?

Positiv! Die Zeit arbeitet hier für uns. Diese Entwicklungen bestätigen unsere Strategie beginnend ab 1982, in der wir diese nachhaltigen Trends vorausgesehen haben. Wir lieben das Interieur von Fahrzeugen, dessen Bedeutung stark zunimmt mit dem genannten technologischen Wandel. 

Auf diesen Wandel ist Ihr Unternehmen eingestellt?

Genau. Wir erhöhen weiter unsere Fertigungstiefe und unsere Internationalisierung. Denn wir sind überzeugt, dass wir dadurch noch mehr neue Produkte kreieren werden. Und wir akquirieren passende Partner durch Zukäufe. Die Ausstattung von Innenräumen hält noch jede Menge für den Ausbau unserer Geschäfte bereit – ob in Pkws, Transportern, Lkws, Baufahrzeugen oder Gabelstaplern. Fahrer- und Passagiersitze gehören schließlich in jedes Fahrzeug – ob auf der Straße, in der Luft oder auf der Schiene. Auch das stand übrigens schon auf dem Strategiepapier, das wir 1978 entwickelt haben. Alle diese Gebiete wollten wir damals erobern, stets mit dem Anspruch der Marktführer zu werden. Einige dieser Ziele haben wir schon erreicht. 

Mit Blick auf den Mittelstand: Welche Anforderungen durch Politik und Staat überfordern Unternehmer?

Die Regularien, die kleine und mittelständische Unternehmer heute zu bedienen haben, sind schon gewaltig. Denken wir allein an unsere Steuergesetze, die in der weltweiten Literatur zu 80 Prozent in Deutsch erscheinen. Das sagt alles! Ärgerlich finde ich die EEG-Umlage, mit der wir Erneuerbare Energien finanzieren müssen. Bislang haben wir für unser Unternehmen insgesamt 23 Millionen Euro dafür bezahlt. Was hätten wir nicht alles Sinnvolles mit diesem Geld machen können! Ganz klar: Die EEG-Umlage gehört abgeschafft. Überhaupt: Deutschland steht in der Hitparade der Strompreise ganz vorn in Europa. Wettbewerber etwa aus Frankreich freuen sich darüber. Ich schlage vor, dass wir hierzulande keine politisch motivierte Energiepolitik betreiben, sondern intelligentes Energiemanagement. 

Ein noch ausführlicheres Interview mit CEO und Chairman Rolf A. Königs von der Aunde-Group lesen Sie in der Management-Zeitschrift "return" | Ausgabe 03/18.

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