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12.12.2018 | Transformation | Interview | Onlineartikel

"Unternehmen erzielen mit Künstlicher Intelligenz Wettbewerbsvorteile"

Autor:
Andrea Amerland

Künstliche Intelligenz gilt als Wachstumsmotor, doch deutsche Unternehmen hinken dabei hinterher. Ein Gespräch mit Holger Schmidt und Peter Buxmann über die wichtigsten KI-Vorteile und -Trends.   

Springer Professional: KI steckt in Deutschland noch den Kinderschuhen, zeigen verschiedene Studien. Die wenigsten KI-Firmen haben ihren Sitz in Deutschland. Woran liegt das?

Holger Schmidt: Wie bei vielen digitalen Technologien gehen deutsche Unternehmen zögerlich vor. Das haben wir beim Cloud Computing gesehen und das sehen wir bei Künstlicher Intelligenz genauso. Spielten beim Cloud Computing die Sicherheitsbedenken die größte Rolle, fehlt bei der Künstlichen Intelligenz oft die Vorstellungskraft in den Unternehmen, was sich damit eigentlich anfangen lässt. Mit dem Buch versuchen wir einen Beitrag zu leisten, typische Einsatzgebiete für Künstliche Intelligenz zu zeigen, um die Scheu vor dieser Technologie zu nehmen. Denn eines ist klar: Viele Unternehmen erzielen mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz inzwischen erhebliche Wettbewerbsvorteile, egal ob in der Produktion, der Absatzprognose oder im Backoffice. Wer darauf verzichtet, verschlechtert seine Wettbewerbsposition.

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Die USA und China haben bei Artificial Intelligence hingegen die Nase vorn. Was muss passieren, damit der Abstand für Deutschland und Europa nicht noch größer wird?

Peter Buxmann: In den USA investieren vor allem die Gewinner der ersten Digitalisierungswelle, also die Amazons, Googles oder Facebooks dieser Welt, in KI. Auch die erfolgreichen Risikokapitalgeber stecken Milliarden in die Technologie. In China hat der Staat massive Investitionen verordnet, um das Land in der kommenden Dekade zur führenden KI-Nation zu entwickeln. Deutschland verfügt weder über derart investitionsfreudige Digitalisierungsgewinner noch eine ähnlich wuchtige staatliche Digitalstrategie. Wir punkten mit unseren klassischen Industrien, die hoffentlich bald die strategische Bedeutung der KI erkennen und entsprechend investieren. 

Welche KI-Trends müssen Unternehmen aktuell auf dem Schirm haben?

Holger Schmidt: Maschinelles Lernen wird häufig als "General Purpose Technology" oder auch als Basistechnologie der Zukunft bezeichnet. Diese Algorithmen werden zukünftig in nahezu allen Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe, zum Einsatz kommen. Sie werden Entscheidungen unterstützen, Prognosen abgeben und auch die Art und Weise, wie Dienstleistungen angeboten werden, revolutionieren. Ein Beispiel ist der Einsatz von sprachbasierten Systemen oder Chatbots, um für Kunden und Partner bessere Services anzubieten. 

Welche Wettbewerbsvorteile bietet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz?

Peter Buxmann: Zuerst hilft KI dabei, viele Prozesse in Unternehmen zu automatisieren, bessere Vorhersagen zu treffen und allgemein effizienter zu werden. Unter dem Schlagwort "Robotic Process Automation" haben sich eine ganze Reihe von Unternehmen etabliert, deren Software einfachste Routinetätigkeiten übernehmen kann. Zum Beispiel die Daten aus einem PDF-Dokument in eine Excel-Tabelle zu übertragen. Solche Handgriffe werden täglich millionfach in Deutschland ausgeführt, können aber ganz leicht automatisiert werden. Werden solche Prozesse systematisch von der KI erledigt, lassen sich im Backoffice bis zu 75 Prozent der Kosten senken. Etwas weiter gedacht, hilft die KI dabei, eigene datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wenn die Daten, die bei der Nutzung von Industrieprodukten anfallen, ausgewertet und in komplementäre Dienstleistungen umgewandelt werden, kann ein Unternehmen einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil erzielen. Denn gute Maschinen können andere Länder auch produzieren. Gute Maschinen in Verbindung mit intelligenten Geschäftsmodellen sind aber die bessere Kombination für die Zukunft.  

KI wird nicht nur positiv gesehen. Welche Probleme und Risiken bringt diese Technologie mit sich?

Holger Schmidt: Ein Problem der KI besteht darin, dass die Algorithmen sich häufig wie eine Black Box verhalten. Die Nutzer könne nicht immer nachvollziehen, warum eine KI eine bestimmte Entscheidung getroffen hat, also beispielsweise eine Person für eine Einstellung vorschlägt oder einem Arzt oder Patienten eine bestimmte Therapie empfiehlt. Risiken des KI-Einsatzes entstehen beispielsweise durch potenzielle Eingriffe in die Privatsphäre der Menschen. Demgegenüber sind die Sorgen davor, dass KI-Algorithmen den Menschen überlegen und sie künftig dominieren werden, aus unserer Sicht nicht berechtigt. Die bisher entwickelten KI-Ansätze sind oft sehr gute Spezialisten für bestimmte klar umrissene Aufgaben. Aber kein Algorithmus, der zum Beispiel hervorragend Schach spielt, Gesichtserkennung beherrscht oder Sprache versteht, wird auf die Idee kommen, Menschen zu vernichten oder die Weltherrschaft zu übernehmen, wie wir es aus vielen Science-Fiction-Filmen kennen. 

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