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03.09.2019 | Transformation | Im Fokus | Onlineartikel

Klimawandel fordert CEOs heraus

Autor:
Anne Steinbach

Während 2018 Cyberattacken und Hackerangriffe die globalen Top-Manager verunsicherten, sind es in diesem Jahr andere Sorgen. Wie eine Umfrage zeigt, treiben derzeit disruptive Technologien und der Klimawandel die Unternehmenslenker am meisten um.

Raus aus dem Netz, rein in die Umwelt: Laut der diesjährigen "Global CEO Outlook Survey" der Wirtschaftsprüfer von KPMG stellen sich die 1.300 befragten Vorstandschefs auf steigende Umwelt- und Klimarisiken ein. Während noch im letzten Jahr zunehmender Gegenwind und vor allem verhaltenes Wachstum antizipiert wurden, sind die Sorgen in diesem Jahr etwas anders gelagert.

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Risikomanagement

(Strategische Managementkonzepte)

Risikomanagement umfasst die strukturierte Erfassung, Analyse und Bewertung von unternehmerischen Risiken sowie den Umgang mit diesen durch geeignete Maßnahmen (z. B. Eliminierung, Reduzierung, Akzeptanz und Verteilung).

Agilität, die neue Währung 

Noch im letzten Jahr haben 49 Prozent der Befragten weltweit und 47 Prozent der Befragten in Deutschland die größte Gefahr in der Digitalisierung gesehen, heute sehen die CEOs sie als Chance. Laut des diesjährigen Global CEO Outlook glauben zwei Drittel der Vorstandsvorsitzenden, dass Agilität die neue Währung des eigenen Unternehmens ist. In anderen Worten: Wer sich nicht anpasst, kommt nicht weiter.

Kein Wunder also, dass auch Künstliche Intelligenz (KI) immer wichtiger für die führenden Manager wird. Nichtsdestotrotz hält sich auch in diesem Jahr die Einführung neuer Technologien in Grenzen. Die Studie zeigt, dass die meisten Organisationen Künstliche Intelligenz bei der Automatisierung von internen Prozessen noch nicht anwenden. Nur 16 Prozent der CEOs gaben an, bereits Artificial Intelligence (AI) zur Automatisierung implementiert zu haben. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Befragten befinden sich noch im Pilotstadium und rund die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen bestätigen, KI bisher nur eingeschränkt implementiert zu haben. Dabei zeigen "KI-Anwendungsbeispiele über alle Branchen hinweg enorme strategische Entwicklungspotenziale", wie die Springer-Autoren Ralf T. Kreutzer und Marie Sirrenberg im Buchkapitel "KI-Challenge – wie Künstliche Intelligenz im Unternehmen zu verankern ist" bestätigen (Seite 271).

Die Mehrheit der Vorstandschefs (65 Prozent weltweit und 73 Prozent in Deutschland) geht zudem davon aus, dass in den kommenden drei Jahren durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotik mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut werden. Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG, ergänzt dazu: "Wer bisher dachte, Automatisierung und Künstliche Intelligenz seien klassische Hype-Themen, die wieder verschwinden, sollte schnell umdenken. KI-Technologie wird unser Leben grundlegend verändern."

Disruptive Technologien und eine "Fail-Fast"-Kultur

Disruptive Technologien von KI bis hin zur virtuellen Realität können die Arbeitswelt revolutionieren. Viele Rollen und Fähigkeiten sind im Maschinenzeitalter veraltet oder entwickeln sich einfach nicht weiter. Dies betrifft viele Arbeiter und auch eine Menge Arbeitsplätze. Diese seismische Verschiebung wirft umfassendere Fragen für die Gesellschaft und die Regierungen auf. Für Unternehmen und ihre Führungskräfte bedeutet dies Folgendes:

Die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, und die Art und Weise, wie Mitarbeiter in ihrer Karriere lernen und Fortschritte machen, werden transformiert. CEOs müssen sich eine neue Denkweise in Hinblick auf Talente, Personalstrategien und die Notwendigkeit von Weiterbildungsmaßnahmen zu eigen machen. Das haben die CEOs mittlerweile erkannt. Außerdem sehen sie, dass dieser Trend eine immer größer werdende Geschwindigkeit annimmt und sie immer mehr fordert. Daher beabsichtigen vier von zehn (44 Prozent) von ihnen, mehr als die Hälfte ihrer derzeitigen Belegschaft in den nächsten drei Jahren in neue digitale Funktionen einzuarbeiten.

Dazu kommt, dass sich 80 Prozent der deutschen CEOs wünschen, dass ihre Mitarbeiter Innovationen vorantreiben, die auch scheitern dürfen. Allerdings attestieren nur 40 Prozent ihrem Unternehmen, eine solche "Fail-Fast"-Kultur zu leben; global sind es immerhin 56 Prozent.

CEOs fürchten Klimawandel

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Klimawandel von den CEOs als große Gefahr und Herausforderung für das eigene Unternehmen gesehen. Angelika Huber-Straßer erklärt: 

"Die Gefahren aus Umweltrisiken und Klimawandel werden inzwischen höher eingeschätzt als die Risiken disruptiver Technologien, des wachsende Protektionismus und Cyber-Gefahren. Und während es früher genügte, auf kurzfristige Überraschungen gefasst zu sein, so kommt es heute nach Ansicht der Mehrheit der CEOs vor allem darauf an, alert und agil sein zu sein. Ein CEO muss jederzeit bereit sein, seine Entscheidungen anzupassen: an sich ändernde Kundenbedürfnisse, an technologische Innovationen und natürlich auch an die Geschwindigkeit, mit der sich die Wettbewerber wandeln. Wer nicht agil genug ist, wird scheitern, sagen bereits zwei von drei CEOs. Das ist ein deutliches Zeichen."

In der Vorjahresumfrage rangierten Klimafragen noch auf dem vierten Platz. Heute hängt für mehr als drei von vier CEOs (76 Prozent) das künftige Firmenwachstum mit der Fähigkeit zusammen, den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern. Auf Rang zwei sehen die CEOs nun disruptive Technologien (2018: Platz drei), gefolgt von der Rückkehr des Protektionismus (2018: Rang 1). Cybersecurity steht jetzt auf Platz vier (2018: Platz zwei) und betriebliche Risiken schließen, wie schon im Vorjahr, die Liste ab.

"Ein nachhaltig handelndes Unternehmen benötigt eine risikoadjustierte Strategie für alle Unternehmensbereiche. Risikomanagement muss daher integraler Bestandteil einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie sein", erklären Felix Walther et al. in dem Buchkapitel "Proaktives Risikomanagement als Unterstützung einer nachhaltigen Beschaffung" (Seite 279). Dabei gelte es, den Risikomanagementprozess kontinuierlich an die sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. 

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