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09.11.2021 | Treibhauseffekt | Im Fokus | Onlineartikel

Industrie und Landwirtschaft müssen THG-Emissionen senken

Autor:
Frank Urbansky
2:30 Min. Lesedauer

Die Industrie und die Landwirtschaft sind beide starke Verursacher von Treibhausgasemissionen. Agora und Stiftung Klimaneutralität unterbreiten Vorschläge zu deren Senkung.

Für die Senkung von Treibhausgasemissionen stehen zwei grundsätzliche Wege offen. "Zunächst die […] Substitution kohlenstoffhaltiger Energieträger durch erneuerbare Energien. […] Additiv – keineswegs jedoch alternativ – bedarf es insbesondere einer zusätzlichen Verringerung des Energiebedarfs durch die Steigerung der Energieeffizienz inklusive der Einführung eines intelligenten Energiemanagements", beschreibt diese ein Springer-Vieweg-Autorenkollektiv um Oliver D. Doleski in seinem Buchkapitel Facetten der Dekarbonisierung auf Seite 34.

Empfehlung der Redaktion

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Facetten der Dekarbonisierung

Im zweiten Kapitel werden die konzeptionellen Grundlagen des Dekarbonisierungsansatzes mittels dreier Leitfragen erörtert. Mit der einleitenden Frage, warum sich Gesellschaft und Wirtschaft intensiv mit der Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase beschäftigen, werden die wesentlichen Treiber bzw. Katalysatoren der Dekarbonisierung vorgestellt. Anschließend wird die Frage erörtert, wo sich geeignete Ansatzpunkte oder Hebel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik für erfolgreiche Initiativen zur Treibhausgasminimierung identifizieren lassen.

Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende haben 50 Vorschläge gemacht, wie eine künftige Bundesregierung die Treibhausgas- und damit die Klimaproblematik in den Griff bekommen könnte. Ein erster Teil der Vorschläge von Agora widmete sich dem Strommarkt und der Elektromobilität. Heute nun werden Industrie und Landwirtschaft unter die Lupe genommen.

Industrie: Klimaneutrale Grundstoffe

Für die Industrie werden vor allem klimaneutrale Technologien in der Grundstoffindustrie gefordert. Helfen sollen dabei Klimaschutzverträge in Form von Carbon Contracts for Difference (CCfD), die durch den Gesetzgeber eingeführt werden sollten. Die Technologien sollen durch Differenzkosten zwischen klimaneutralen Technologien und den am Markt erzielbaren Erlösen finanziert werden.

"Wenn die Politik nicht schnell handelt, wird am Standort Deutschland nicht mehr investiert. Schon 2022 brauchen wir ein Gesetz, das klimaneutrale Investitionen in der Industrie ermöglicht, sonst überaltert die wirtschaftliche Basis Deutschlands, denn keine Firma investiert jetzt noch in alte, fossile Technologien", erklärt Agora-Chef Patrick Graichen diese Empfehlung.

Ebenso empfohlen werden Sonderabschreibungen, Investitionszuschüsse und eine Reform der Netzentgelte. Eine Kreislaufwirtschaftsstrategie, inzwischen von der EU per Gesetz vorgegeben, soll die CO₂-intensive Primärproduktion von Grundstoffen sowie die Abfallverbrennung reduzieren. Nicht vermeidbare Restemissionen in Produktionsprozessen sollen auf maximal fünf Prozent begrenzt werden. Für diese soll Abscheidung und Speicherung von CO₂ (Carbon Capture and Storage, CCS) genutzt werden. Das ist jedoch derzeit in Deutschland verboten.

Landwirtschaft: THG-Bilanzüberschüsse begrenzen

Die Landwirtschaft soll auf Ebene der Einzelbetriebe eine Nährstoffbilanzierung nutzen. Damit sollen Bilanzüberschüsse an Treibhausgasen begrenzt werden. Gleichzeitig soll der mineralische Stickstoff, einer der wichtigsten Pflanzendünger, aber auch größter Verunreiniger des Grundwassers, besteuert werden. Die Privilegierung tierischer Produkte bei der Umsatzsteuer, die derzeit wie bei allen Lebensmitteln bei sieben Prozent liegt, soll ebenfalls beendet werden. Landwirtschaftlich genutzte Moore, eine große Quelle von Treibhausgasemissionen, sollen speziell geschützt und wieder vernässt werden.

In beiden Bereichen müssen auch die Gebäude energieeffizienter werden. "Insgesamt werden vor allem bei jüngeren Gebäuden bemerkenswerte Fortschritte im Hinblick auf die Energieeffizienz erzielt. Oft ist hierbei die Wechselwirkung bzw. das Zusammenspiel von Produktionsanlage und Gebäudetechnik der Hebel zum Erfolg: Wird beispielsweise die Feinstaubbelastung reduziert, kann damit einhergehend auch die Lüftungsleistung gedrosselt und somit die Umwelt doppelt entlastet werden", benennen die Springer-Gabler-Autoren Dietmar Meister und Christoph Schulz in ihrem Buchkapitel Bewertung von Industrieimmobilien auf Seite 753 eine Möglichkeit.

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