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Über dieses Buch

TV-Duelle sind ein fester Bestandteil und zugleich das wichtigste Einzelereignis in modernen Wahlkämpfen. Sie werden von Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen und umfassend in Massenmedien, aber zunehmend auch in den neuen Medien begleitet. Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über Geschichte, Nutzung, Inhalte und Wirkungen von TV-Duellen. Im Fokus stehen dabei vor allem TV-Duelle in Deutschland.

Der InhaltTV-Duelle in modernen Wahlkämpfen • Debattenforschung, aber wie? • Geschichte, Verbreitung und Varianten von TV-Duellen • Debatteninhalte und Debattenstrategien • Nutzung von TV-Duellen: Umfang, Rezipientenmerkmale und -motive • Wahrnehmung von TV-Duellen und Wahrnehmung des Debattensiegers • Wirkung von TV-Duellen • Kommunikation über TV-Duelle • Was gibt es nach 60 Jahren Debattenforschung noch zu untersuchen?

Die Autoren

Prof. Dr. Jürgen Maier ist Professor für Politische Kommunikation an der Universität Koblenz-Landau. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Politische Kommunikation, Wahlen und politische Einstellungen sowie Einsatz experimenteller Designs bei der Untersuchung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen.

Prof. Dr. Thorsten Faas leitet die Arbeitsstelle "Politische Soziologie der Bundesrepublik Deutschland" am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich von Wahlen, Wahlkämpfen und Wahlstudien.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. TV-Duelle in modernen Wahlkämpfen

Zusammenfassung
Fernsehdebatten sind bedeutsame Elemente moderner Wahlkämpfe. Sie bieten Spitzenkandidaten, Medien und Wählern ein Format, mit dem sie unter jeweils verschiedenen Gesichtspunkten positive Erwartungen verknüpfen können. TV-Duelle stehen nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Reichweite, aber auch aufgrund der erheblichen Veränderungen der Wählerstruktur im Verdacht, große Wirkungen auf die Einstellungen und das Verhalten von Wählern auszuüben. Dies erklärt die massive, kaum noch zu überblickende Forschung auf diesem Gebiet. Allerdings werden TV-Duelle durchaus auch kritisch beäugt; dies gilt insbesondere für parlamentarische Demokratien wie Deutschland, wenn sie das eigentlich für US-Präsidentschaftswahlkämpfe entwickelte Format übernehmen – und damit ganz bewusst bestimmte Eigenschaften des hiesigen politischen Wettbewerbs zumindest für die Dauer eines Duells ausblenden. Das vorliegende Buch systematisiert die umfangreiche Forschung zu Inhalten, Nutzung, Wahrnehmung und Wirkung von TV-Duellen und ergänzt diese um Analysen eigener Daten, vorwiegend für die Kanzlerdebatten 2002 bis 2017.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 2. Debattenforschung, aber wie?

Zusammenfassung
Je nach untersuchter Fragestellung kommen in der Debattenforschung sehr unterschiedliche Methoden und Daten zum Einsatz. Studien, die sich mit den Inhalten von und der Kommunikation über TV-Debatten beschäftigen, verwenden Inhaltsanalysen. Untersuchungen, die auf die Nutzung und die Wirkungen von Fernsehdebatten fokussieren, greifen auf Befragungen und Experimente, seltener auf Fokusgruppeninterviews zurück. Analysen, die sich für die (unmittelbare) Wahrnehmung und Verarbeitung von TV-Duellen interessieren, arbeiten mit Experimenten und Real-Time-Response-Messungen. Jede dieser Herangehensweisen hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile; deshalb gibt es nicht die Methode in der Debattenforschung. Eine wesentliche Schwäche der bisherigen Forschung ist, dass TV-Duelle typischerweise als Fallstudien untersucht werden. Vergleiche zu anderen TV-Duellen sind schwierig; bei festgestellten Unterschieden zwischen Debatten ist oft schwer zu beurteilen, ob diese auf die Variation von Kontextbedingungen oder auf nicht miteinander vergleichbare Methoden zurückgehen.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 3. Geschichte, Verbreitung und Varianten von TV-Duellen

Zusammenfassung
Fernsehdebatten sind ein überaus erfolgreiches Wahlkampfformat, das weit über die Grenzen der USA hinaus verbreitet ist. Solche Sendungen können. mit Blick auf ihr Format und die in einem TV-Duell abgebildeten Konstellationen sehr unterschiedlich aussehen. Dies hat vor allem Konsequenzen für den direkten Vergleich von Debatteninhalten und ihren Wirkungen. Diese Vielfalt schafft erhebliche Spielräume für Fernsehsender und Spitzenkandidaten, um bereits bei der Planung einer Debatte Einfluss auf ihren Charakter zu nehmen.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 4. Debatteninhalte und Debattenstrategien

Zusammenfassung
Zuschauer von TV-Debatten werden umfassend über die relevanten Themen im Wahlkampf informiert werden. Dabei geht es insbesondere um „policy“ – also die Ausleuchtung von spezifischen Politikfeldern. Innerhalb des gesteckten thematischen Rahmens gibt es zwischen den Kandidaten aber erhebliche Unterschiede, wie sie die Wähler von ihren Positionen überzeugen wollen. Die in diesem Zusammenhang eingesetzten Debattenstrategien werden aber nicht zufällig oder spontan gewählt, sondern hängen systematisch mit Kandidateneigenschaften und Kontextfaktoren zusammen. Die Zuschauer erfahren in TV-Duellen aber auch einiges über den Charakter der Spitzenkandidaten, denn Kandidaten verwenden einen substantiellen Teil ihrer Aussagen darauf, über die eigene Person oder die des Gegners zu sprechen. Auch können Zuschauer durch die nonverbale Kommunikation der Kandidaten Einblicke in deren Persönlichkeit erhalten. Aber auch die Moderatoren reklamieren einen erheblichen Teil der Redezeit für sich. Dabei setzen sie einen anderen Schwerpunkt als die Kandidaten: Sie interessieren sich deutlich stärker für „politics“ – also für den Wahlkampf und mögliche politische Konstellationen, die sich aus der anstehenden Wahl ergeben.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 5. Nutzung von TV-Duellen: Umfang, Rezipientenmerkmale und -motive

Zusammenfassung
Fernsehduelle erfreuen sich auch nach ihrer Etablierung und Institutionalisierung großer Beliebtheit. In den USA wurde 2016 sogar ein neuer Zuschauerrekord erreicht; aber auch das Duell vor der Bundestagswahl 2017 hatte wieder einmal eine riesige Reichweite. Dabei schalten bestimmte Zuschauergruppen systematisch häufiger ein als andere – vor allem politisch Interessierte, aber auch ältere Menschen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Reichweite von Duellen auch in schwer erreichbare Gruppen außergewöhnlich hoch ist- insbesondere im direkten Vergleich mit klassischen Wahlkampfformaten. Mit Blick auf die Motive der Zuschauer zeigt sich, dass sie sich vor allem Informationen über die Kandidaten erwarten (und auch bekommen); auch Spannung und Unterhaltung werden durchaus erwartet, aber in der konkreten Wahrnehmung nicht immer erfüllt. Aus alldem ergibt sich eine Ausgangslage, die für Effekte von Duellen sehr zuträglich sein sollte.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 6. Wahrnehmung von TV-Duellen und Wahrnehmung des Debattensiegers

Zusammenfassung
Wenn Spitzenkandidaten in TV-Duellen gegeneinander antreten ist es ihr Ziel, aus solchen Streitgesprächen als Sieger – oder zumindest nicht als Verlierer – hervorzugehen. Das Erreichen dieses Ziels setzt voraus, dass Kandidaten eine ansprechende Debattenleistung bieten. Werden Aussagen und Auftreten der Kandidaten positiv bewertet, steigt die Wahrscheinlichkeit, auch als Debattensieger wahrgenommen zu werden. Zudem wird allgemein davon ausgegangen, dass positive Bewertungen der Debattenperformanz und ein Debattensieg die Voraussetzungen dafür sind, direkten Einfluss auf die politischen Einstellungen und Verhaltensabsichten der Debattenzuschauer nehmen zu können. Eine einfache Formel, wie dies gelingen kann, gibt es allerdings nicht. Von den verschiedenen bislang untersuchten verbalen Aussagetypen gehen ebenso wie von der nonverbalen Kommunikation in Richtung und Stärke nicht immer leicht abzuschätzende Effekte aus. Zudem ist zu vermuten, dass verschiedene Signale miteinander interagieren. Schließlich spielen für die genauen Zuschauerreaktionen weitere Aspekte, etwa die Eigenschaften des Senders oder die Merkmale des Rezipienten, eine wichtige Rolle.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 7. Wirkung von TV-Duellen

Zusammenfassung
Die in diesem Kapitel zusammengetragenen Studien zeigen, dass es Kandidaten im Rahmen eines TV-Duells durchaus gelingen kann, die politischen Orientierungen von Wählern zu beeinflussen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Debattenzuschauer nach einem TV-Duell mehr über die zentralen Themen und die Spitzenkandidaten wissen als vorher. Sie werden auch motivierter sein, den Wahlkampf zu verfolgen. Vielfach werden sie auch ihre Einstellungen zu den Kandidaten ändern und nach einem Duell den politischen Akteuren andere Problemlösungskompetenzen zuschreiben als noch vor der Debatte. Schwerer zu verändern sind hingegen Verhaltensabsichten. Allerdings zeigen auch hier insbesondere die für Deutschland verfügbaren Studien, dass dies keineswegs ausgeschlossen ist. Aus Kandidatensicht ist besonders problematisch, dass die meisten der hier beschriebenen Effekte von zahlreichen Rahmenbedingungen abhängen. Diese können oft nur bedingt von den Kandidaten beeinflusst werden.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 8. Kommunikation über TV-Duelle: Live-Kommentare, Medienberichte, persönliche Gespräche

Zusammenfassung
Die in diesem Kapitel zusammengetragenen Untersuchungen belegen, dass im Umfeld von Debatten eine massive massenmediale und interpersonale Kommunikation stattfindet. Während Kommunikation im Vorfeld Erwartungshaltungen generiert und einen Rahmen bietet, in den Aussagen und Auftreten der Kandidaten in einem TV-Duell eingeordnet werden können, kann die Kommunikation während und nach der Debatte die politischen Orientierungen von Wählern beeinflussen. In der Literatur wird häufig davon ausgegangen, dass von der Kommunikation über ein TV-Duell größere Wirkungen ausgehen als von einer Debatte selbst. Die Durchsicht der vorliegenden Studien, aber auch die für die deutschen Kanzlerduelle präsentierten Daten korrigieren dieses Bild ein Stück weit. Denn zum einen hängt die konkrete Wirkung der Anschlusskommunikation von zahlreichen Faktoren ab – etwa dem Umfang der eigenen Eindrücke, die Wähler durch die Rezeption eines Duells gewonnen haben, die Intensität, mit der Wähler sich der Anschlusskommunikation aussetzen, und der konkrete Inhalt dieser Kommunikation. Zum anderen zeigen unsere Daten, dass die Wirkung der Anschlusskommunikation in aller Regel die direkten Debatteneffekte nicht übersteigt. Mit anderen Worten: Effekte, die Kandidaten durch ihren Debattenauftritt generieren, haben durchaus die Chance, sich gegen die Anschlusskommunikation durchzusetzen. Diese sind besonders groß, wenn Debattenzuschauer nach einem Duell ihre Einschätzung, welcher Kandidat das Streitgespräch gewonnen hat, nicht korrigieren.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

Kapitel 9. Nach 60 Jahren Debattenforschung: Was gibt es da eigentlich noch zu untersuchen?

Zusammenfassung
Trotz der kaum noch zu überblickenden Forschung zu TV-Duellen wurden längst nicht alle Fragen zum Inhalt, der Nutzung, der Wahrnehmung und der Wirkung solcher Formate beantwortet. Angesichts des Bedeutungsgewinns von Kommunikation für die politische Urteilsbildung sind Forschungsanstrengungen in all diesen Bereichen wichtig, um die Rolle von TV-Duellen in Wahlkämpfen besser zu verstehen, aber auch, um die Grundlagenforschung im Bereich der politischen Kommunikation voranzutreiben. Von besonderer Dringlichkeit sind: die Untersuchung von Kontextmerkmalen für die Wahlkampfkommunikation politischer Akteure und die Wirkungen, die sie entfalten; Vorantreiben der Forschung zu TV-Duellen auch außerhalb der USA; Analyse von TV-Duellen auf unter oder über der nationalen Ebene liegenden Systemebenen.
Jürgen Maier, Thorsten Faas

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