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23.11.2016 | Übertragungstechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Unternehmen warten aufs Highspeed-Internet

Autor:
Sven Eisenkrämer

Schnelles Internet wird für Verbraucher und vor allem für Unternehmen zunehmend unverzichtbar. In Deutschland geht der Ausbau nur zögerlich voran. Die Nachfrage nach Highspeed-Verbindungen steigt.

"Während alle wesentlichen Industrieländer verstärkt in Glasfaser investieren, hinkt Deutschland sowohl bei der aktuellen Leistung seiner Netze als auch bei den Ausbauplänen hinterher." Das stellen die Springer-Autoren Tobias Kollmann (Professor an der Uni Duisburg-Essen) und Holger Schmidt (Wirtschaftsjournalist) im Kapitel Wirtschaft 4.0 ihres Buches Deutschland 4.0 fest.

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Digitale Übertragungstechnik III: Modulation

Auch die digitalen Signale am Ausgang eines Kodierers sind „Zahlenketten“ in Form eines Bitstroms. Für die Übertragung solcher Bitmuster über ein physikalisches Medium (Kabel oder der freie Raum) müssen diese in ein moduliertes Signal umgesetzt werden.


Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) hat in seiner jüngsten Breitbandstudie Zahlen zum Ausbau des Highspeed-Internets und zu seinen Erwartungen für die kommenden rund zehn Jahre veröffentlicht. Im Breko sind zahlreiche regionale Netzbetreiber zusammengeschlossen, die sich insgesamt als Konkurrenten des früheren Monopolisten, der Deutschen Telekom, sehen. Dass der Verband in der Studie die aktuelle Highspeed-Versorgung mit Übertragungsraten von "größer-gleich 50 MBit/s" angibt, zeigt bereits, dass Deutschland derzeit noch weit weg von flächendeckendem, echten Hochgeschwindigkeitsinternet ist.  

Die Politik hat zwar das Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetzG) verabschiedet. Kommunen sollen künftig bei Bauarbeiten Glasfaserleitungen für schnelle Internetanschlüsse gleich mitverlegen, das spart spätere Aufwendungen. Aber ein Vorankommen ist allein damit nicht gewährleistet. Während EU-Digitalkommissar Günter Oettinger gerade seine Forderung nach einem flächendeckenden Ausbau der Internetversorgung in der gesamten EU mit Übertragungsraten von mindestens 500.000 Kilobit pro Sekunde bekräftigt hat, ist die im Volksmund "500er-Leitung" genannte Verbindung für die meisten Verbraucher genau so Zukunftsmusik wie für viele Unternehmen. Verbreitete Glasfasernetze der Internetanbieter erreichen bislang Downloadraten von bis zu 400 Megabits pro Sekunde in Ballungsgebieten, wenige Anbieter haben 500 oder 1.000 MBit/s für den Privatnutzer oder kleine Unternehmen in der Produktpalette - oft zu horrenden Preisen von mehreren Hundert Euro im Monat. Die Upload-Raten bewegen sich jedoch weiterhin im Bereich von maximal 20 bis 25 MBit/s.  

Bei zehn Gigabit pro Sekunde ist hierzulande Schluss

Seit Kurzem gibt es einen der Anbieter aus dem Endkundengeschäft, der offensiv sogar mit Fernsehwerbung Gigabit-Anschlüsse (Upstream bis zu 200MBit/s) anpreist. Und Telekom und Vodafone als Bigplayer verkaufen mittlerweile sogar symmetrische Hochgeschwindigkeitsanschlüsse mit skalierbaren Bandbreiten von bis zu zehn Gigabit/s. Hier können Daten sowohl mit dieser Geschwindigkeit empfangen als auch gesendet werden. Angesprochen sind große Unternehmen und Firmenzentralen, denen die Leitung exklusiv ins Haus gelegt wird. Aber dann ist in der Praxis hierzulande Schluss.


Der Breko-Verband erwartet in den kommenden Jahren bis 2025 jedenfalls eine deutlich steigende Nachfrage nach Verbindungsgeschwindigkeiten bis rauf zum Gigabit-Bereich. Eine Befragung erbrachte, dass von den etwa 40,7 Millionen Privathaushalten in Deutschland rund 19 Millionen in der "High-Medium"-Nachfrage eingestuft werden und 2025 Leitungsgeschwindigkeiten von 500 bis 1.000 MBit/s Downloadrate (und 300 bis 600 MBit/s Uploadrate) erwarten. Das entspricht etwa 47 Prozent alle Haushalte. Die "Top-Level"-Nachfrage für Verbindungen von einem GBit/s und mehr Downstream (600 MBit/s und mehr Upstream) werde bei etwa 12,1 Millionen Haushalten und rund 300.000 Unternehmen in Deutschland liegen. Daher fordert Breko: "Deutschland braucht Gigabit-Netze" und unterstellt seinen Mitglieder eine "große Bereitschaft, ihren Glasfaserausbau weiter zu intensivieren". Aktuelle politische und regulatorische Rahmenbedingungen wirkten jedoch als Hemmschuh.

Nicht die Geschwindigkeit, sondern die Infrastruktur zählt. Und die muss an tatsächlichen und zukünftigen Anforderungen ausgerichtet sein. Das heißt, die Übertragungsrate darf nicht auf eine feste Vorgabe festgelegt sein. Sie muss skalierbar sein, um steigenden Anforderungen zu entsprechen. Zudem muss die Übertragungsgeschwindigkeit symmetrisch ausgerichtet sein. Das heißt, Up- und Download-Geschwindigkeit sollen gleich schnell sein. Letzteres ist eine Grundanforderung an das heutige Nutzerverhalten. Und: Nicht nur Bürger laden ihren Content wie Filme oder Fotos im Netz hoch, auch Wirtschaft und Bildungssektor sind darauf angewiesen, Inhalte in Portalen zum Austausch bereitzustellen oder flexibles, mobiles Arbeiten zu ermöglichen." Derek Meier und Rolf Jobst von Dataport in ihrem Gastbeitrag in der Zeitschrift Innovative Verwaltung 10/2016.

Die Forschung lässt übrigens hoffen: Wie Springer Professional bereits berichtete, hat ein Feldversuch mit Beteiligung von Nokia Bell Labs, Telekom T-Labs und TU München in diesem Jahr gezeigt, dass durch neue Modulationsverfahren im bestehenden Glasfasernetz der Telekom Datenübertragungsraten im Bereich von Terabit pro Sekunde möglich sind. Wie Andreas Battenberg von der TU München erklärt, ist das nah an der theoretisch maximal möglichen Rate der Informationsübertragung der eigentlich schon 50 Jahre lang verwendeten optischen Kanäle. Die Forschung arbeitet also an noch schnellerer Übertragungsgeschwindigkeit. Und dann ist da ja noch der Mobilfunk mit dem kommenden 5G-Standard im 10-Gigabit-Bereich. Das dürfte den meisten Privatleuten und Unternehmen an Geschwindigkeit dann eigentlich reichen. Vorerst. 

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Quelle:
Signalübertragung

01.10.2016 | Digital | Ausgabe 10/2016

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