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27.06.2017 | Umsatzsteuer | Im Fokus | Onlineartikel

Das Reverse-Charge-Verfahren kann zur Stolperfalle werden

Autor:
Sylvia Meier

Mit dem Reverse-Charge-Verfahren kommt es im Umsatzsteuerrecht zur Umkehr der Steuerschuldnerschaft. Unternehmen müssen diese komplexe Vorschrift kennen, denn gerade hier werden in der Rechnungsstellung schnell Fehler gemacht. 

Gesetzlich wird das so genannte Reverse-Charge-Verfahren in § 13b Umsatzsteuergesetz (UStG) geregelt. In bestimmten Fällen kommt es demnach zur Umkehr der Steuerschuldnerschaft, beispielsweise bei bestimmten Sachverhalten im Zusammenhang mit Bauleistungen. Das bedeutet: Nicht der leistende Unternehmer meldet in so einem Fall die Steuer beim Finanzamt an und führt sie entsprechend ab, sondern ausnahmsweise der Leistungsempfänger. 

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Rechnungserteilung

Sofern ein Unternehmer Umsätze im Sinne des § 13b (2) Nr. 2 bis 11 UStG ausführt, bei der der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer nach § 13b (5) UStG schuldet, muss der leistende Unternehmer eine Rechnung mit entsprechendem Hinweis ausstellen …

 

Die Vorschrift ist sowohl in Theorie als auch Praxis sehr komplex. Doch Unternehmen müssen sich hier gut auskennen und gegebenenfalls beraten lassen, denn die Auswirkungen dieser Vorschrift machen sich bereits im Alltag in der Rechnungsstellung und -prüfung bemerkbar. 

Aussteller der Rechnung weist nur Nettobetrag aus 

Im Normalfall stellt der leistende Unternehmer eine Rechnung und weist dabei Umsatzsteuer mit einem Steuersatz von 19 oder sieben Prozent aus. Doch wenn die Steuerschuldnerschaft aufgrund des Reverse-Charge-Verfahrens umgekehrt wird, stellt der leistende Unternehmer die Rechnung mit einem Nettobetrag und einem Hinweis auf 13b UStG aus. Der Leistungsempfänger erkennt dann bei der Prüfung der Rechnung sofort, dass er die Steuer nach §13b UStG anmelden und abführen muss. Ist er auch zum Vorsteuerabzug berechtigt, wird er die Steuer in der Voranmeldung anmelden und die Vorsteuer entsprechend abziehen. 

Fehlender Hinweis entbindet nicht von den Pflichten 

Wenn der Hinweis auf die Umkehr der Steuerschuldnerschaft jedoch nicht erfolgt, muss der Leistungsempfänger dennoch handeln. So betont Springer-Autorin Karin Nickenig in ihrem Buchkapitel "Umkehr der Steuerschuldnerschaft (§ 13b UStG)" (Seite 1): 

"Wird vom Aussteller der Rechnung nicht auf die Umkehr der Steuerschuldnerschaft hingewiesen, ist dieses dennoch vom Leistungsempfänger zu erkennen und bei Erstellung der Umsatzsteuer-Voranmeldung zu berücksichtigen." 

Im Übrigen sind Fälle des § 13b UStG auch beliebter Anlass für Umsatzsteuer-Sonderprüfungen. Darauf weist beispielsweise Springer-Autor Nils Langhein in seinem Buchkapitel "Die Umsatzsteuer unter planerischen Gesichtspunkten" (Seite 257) hin. Wer also den Rechnungseingang kontrolliert, braucht ein gutes Verständnis rund um die Umsatzsteuer (USt), um den Pflichten nach § 13b UStG gerecht werden zu können. Langhein erklärt deshalb (Seite 212): "Überall  dort,  wo  die  USt  zum  echten  Kostenfaktor  werden  kann  oder  hohe  Befolgungskosten entstehen können, müssen USt‐Prozesse Bestandteil der Ausbildung in  den jeweiligen Unternehmensbereichen sein."

Fazit: Sowohl Rechnungssteller als auch Leistungsempfänger sind in der Pflicht, bei Rechnungen die Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG zu prüfen. Dazu gehört es auch, zunächst zu qualifizieren, ob eine Leistung oder Lieferung im Sinne dieser Regelung vorliegt. Nachlässigkeiten wird das Finanzamt aufdecken und entsprechend Steuer einfordern. Wer eine Rechnung ausstellt und zu Unrecht Umsatzsteuer ausweist, schuldet dem Finanzamt die Umsatzsteuer nach § 14c UStG. Es liegt auf der Hand, dass Unternehmen dies vermeiden sollten.

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