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21.03.2018 | Umwelt | Kommentar | Onlineartikel

Salzbelastung in Fließgewässern

Autor:
Dipl.-Ing. Rudolf Gade

Die Kaliindustrie verursacht Umweltbelastungen. Andererseits schafft sie in strukturschwachen Regionen Arbeitsplätze. Rudolf Gade empfiehlt in der WASSER UND ABFALL sich selbst ein Bild zu machen.

Zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen in der Flussgebietseinheit Weser gehört die Salzbelastung. Salzeinleitungen aus der Kaliindustrie führen dazu, dass sich im limnischen Bereich der Werra sowie der Ober- und Mittelweser keine natürliche Biozönose ausbilden kann und somit der „gute ökologische Zustand“ nicht erreicht wird. Die Salzbelastung verhindert oder erschwert darüber hinaus weitere Nutzungen. Auch in anderen Flussgebieten liegen Salzbelastungen vor, wenn auch nicht in dem Umfang wie an Werra und Weser.

In Ausgabe 03/2018 der WASSER UND ABFALL möchten wir Sie über den Diskussionsstand in der Flussgebietseinheit Weser informieren. Dabei geht es um die Zukunft der Kaliindustrie in Mitteldeutschland, die in einer strukturschwachen Region mehrere Tausend Arbeitsplätze schafft und von der nach Mitteilung der Kaliindustrie insgesamt mehr als 16.000 Menschen abhängig sind.

Empfehlung der Redaktion

01.03.2018 | Wasser | Ausgabe 3/2018

Flussgebietsmanagement der Salzbelastung an Werra und Weser

Die Einleitung von Salzabwässern aus der Kaliindustrie führt seit mehreren Jahrzehnten zu einer weiträumigen Belastung in der Werra und der Weser und beeinträchtigt die Gewässerflora und -fauna erheblich. 


Die Kali-Industrie hat in Deutschland eine lange Tradition. Norddeutschland ist übersät von aufgelassenen Kali-Gruben, es gab unzählige Werke. Inzwischen wurde die Kaliproduktion überwiegend eingestellt und es gibt nur noch wenige Anlagen, die weiter produzieren. In Niedersachsen wird die Wiederinbetriebnahme eines ruhenden Werkes zurzeit diskutiert, die Emotionen gehen hoch. Gefordert wird, dass die Kaliproduktion nur noch komplett rückstandsfrei erfolgen dürfe, das heißt keine Salzeinleitungen in Oberflächengewässer, keine neuen Abraumhalden, keine Emissionen. Dies ist allerdings eine Utopie. Die Weser-Länder haben in den vergangenen Jahren mit der deutschen Kali-Industrie einen intensiven Dialog geführt. Dabei hat sich gezeigt, dass eine völlig rückstandsfreie Produktion nicht möglich ist. Belastungen der Umwelt werden weiterhin auftreten und es ist abzuwägen, ob sie im Interesse der Ernährungssicherstellung (Düngemittelproduktion) für die Bevölkerung hinzunehmen sind. Mit einer Einstellung der Düngemittelproduktion würden Umweltprobleme auf andere Länder verlagert werden.

Salzabwasserpipeline ja oder nein?

Bereits 1980 wurde vorgeschlagen, eine Salzabwasserpipeline von den mitteldeutschen Kaliwerken zur Nordsee zu bauen. Es gab eine Vorplanung und eine grobe Kostenschätzung, die sich seinerzeit auf mehr als 1 Mrd. DM belief. Die Planungen wurden damals nicht weiter verfolgt und spätestens mit der Wende veränderte sich die Situation an der Werra. Für den Bau einer Salzabwasserpipeline zur Nordsee sprach sich 30 Jahre später mehrheitlich auch der "Runde Tisch Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" aus, der von den Ländern Hessen und Thüringen sowie der Kaliindustrie eingerichtet wurde und am 9. Februar 2010 seine Empfehlungen veröffentlichte. Die Empfehlungen stießen in Niedersachsen allerdings auf Ablehnung, ebenso wie bei der Kaliindustrie. Aktuell plant Hessen den Bau einer "kurzen" Salzabwasserpipeline von der Werra zur Oberweser, um zumindest die Werra zu entlasten. Dieses Vorhaben wird bei den Unterliegern auf breiter Basis abgelehnt, wenngleich eine Verschlechterung der Wasserqualität der Weser bei einer rein fachlichen Bewertung damit nicht einhergeht, allerdings auch keine Verbesserung. Vor diesem Hintergrund stehen die Weserländer in diesem Jahr vor einer schwierigen Entscheidung.

Bitte machen Sie sich selbst ein Bild von den Überlegungen der FGG Weser, aber auch von den Anstrengungen, die seitens des Unternehmens unternommen werden, um die Umweltbelastungen zu verringern. Über den Fortgang werden wir in der WASSER UND ABFALL weiter informieren.

Dieser Kommentar ist in Ausgabe 03/2018 der Fachzeitschrift WASSER UND ABFALL erschienen.

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