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11.07.2018 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Meeresschutz ist den Deutschen besonders wichtig

Autor:
Julia Ehl

Die aktuelle Naturbewusstseinsstudie zeigt, besonders der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Meeres sind den Deutschen wichtig. Erstmals wurde der Meeresnaturschutz in der Studie berücksichtigt.

Im Zwei-Jahres-Rhythmus werden im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Befragungen zum Naturbewusstsein durchgeführt. Mit Hilfe der Naturbewusstseinsstudie soll die gesellschaftliche Einstellung zur Natur und biologischen Vielfalt erfasst werden, um für die Naturschutzpolitik, den öffentlichen Diskurs und die Bildungsarbeit eine Grundlage bereit zu stellen. Einstellungen, also auch die Einstellung zur Natur, werden üblicherweise über Meinungsäußerungen und deren Bewertung gemessen. Adrian Brügge und Siegmar Otte stellen im Buchkapitel Naturbewusstsein psychologisch: Was ist Naturbewusstsein, wie misst man es und wie wirkt es auf Umweltschutzverhalten? sowohl das bei der Studie verwendete Messverfahren als auch eine verhaltensbasierte Einstellungsmessung vor, die laut den Springer-VS-Autoren deutliche Vorteile gegenüber der verwendeten Methode aufweist.

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Naturbewusstsein psychologisch: Was ist Naturbewusstsein, wie misst man es und wie wirkt es auf Umweltschutzverhalten?

In der Naturbewusstseinsstudie 2011 "werden unter Naturbewusstsein subjektive Auffassungen von Natur und Einstellungen zur Natur gefasst" (Kleinhückelkotten/Neitzke 2012: 6). Diese von der Person ausgehende individuelle Perspektive entspricht dem Einstellungskonzept der Psychologie. 

 

Die aktuelle Naturbewusstseinsstudie hat durch die Ende 2017 stattfindende Befragungen von 2.065 zufällig ausgewählter Personen im Alter ab 18 Jahren fünf Leitthemen untersucht: Den Meeresnaturschutz, die Energiewende, die Agrogentechnik, den Naturschutz auf globaler und regionaler Ebene sowie das gesellschaftliche Bewusstsein für Biologische Vielfalt. Sowohl der Naturschutz auf globaler und regionaler Ebene als auch der Meeresnaturschutz wurden erstmals thematisiert. Die drei übrigen Leitthemen waren bereits Bestandteil der vorangegangenen Studien.

Meeresschutz steht an erster Stelle

Die Ergebnisse der Studie lassen keinen Zweifel: Für die Bevölkerung Deutschlands sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Meeres sehr wichtig. An erster Stelle sehen die Befragten Plastikmüll als Ursache für die Gefährdung des Meeres. 78 Prozent sehen darin ein "sehr großes Problem". Erdölverschmutzungen folgen mit 71 Prozent auf dem zweiten Platz bei den Gefährdungsursachen.

56 Prozent der Befragten stimmen voll und ganz zu, dass grundsätzlich mehr Schutzgebiete im Meer eingerichtet werden sollen. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten stimmen der Ausweisung von weiteren Schutzgebieten eher nicht zu. Im Hinblick auf die Einrichtung von Schutzgebieten in Nord- und Ostsee stimmten 94 Prozent aller Befragten zu. 53 Prozent halten die Einrichtung sogar für "sehr wichtig".

Für die nachhaltige Nutzung des Meeres und damit auch für strengere Regeln und Gesetze im Bereich der Fischerei sprachen sich 83 Prozent der Befragten aus. Selbst ansteigende Fischpreise würden die Befragten nicht von der Befürwortung abhalten. Gleichzeitig sind aber auch 77 Prozent der Überzeugung, dass der Staat die Fischerei dann finanziell stützen müsse.

Naturschutz im globalen und regionalen Kontext

79 Prozent der Befragten halten den Umgang mit der Natur weltweit für sehr problematisch. Beim Umgang auf die Region bezogen, sind nur noch 39 Prozent besorgt. 82 Prozent sind überzeigt, dass "wir als Menschheit" gemeinsam etwas für den Schutz der Natur erreichen können. Im regionalen Kontext glauben dies nur noch 67 Prozent. Laut den Autoren der Studie zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der globalen und der regionalen Wahrnehmung. Dieser Umstand wird weiter aufbereitet werden müssen und in Folgepublikationen bis Anfang 2019 ausgewertet.

Energiewende, Agrogentechnik und Biologische Vielfalt

Die Energiewende wird nach wie vor von der Mehrheit der Deutschen zustimmend bewertet. 61 Prozent halten sie für richtig, 30 Prozent sind unentschieden und sieben Prozent sind gegen die Energiewende. Diese Bewertung ist gegenüber 2015 nahezu unverändert. In 2013 war die Zustimmung auf zwischenzeitlich 56 Prozent gesunken (von 63 Prozent in 2011). Dem damals angedeuteten Verlust an Zustimmung konnte also entgegen gewirkt werden.

Die sogenannte "Grüne Gentechnik" oder auch Agrogentechnik bezeichnet die Anwendung von gentechnischen Verfahren in der Landwirtschaft und war erneut Bestandteil der Naturbewusstseinsstudie. Eindeutig wurde erneut eine große Ablehnung für Gentechnik festgestellt. 79 Prozent sprechen sich für ein Verbot aus, 13 Prozent stufen ein Verbot als "eher nicht wichtig" ein und für nur zwei Prozent ist ein Verbot "überhaupt nicht wichtig". Allerdings weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass der Anteil der Befragten, die das Verbot für "sehr wichtig" halten gegenüber 87 Prozent bei der Befragung in 2009 um acht Prozent gefallen ist.

Das Bewusstsein in Bezug auf die biologische Vielfalt wird anhand von drei Teilindikatoren ermittelt. Dies sind der Wissensindikator, der Einstellungsindikator und der Verhaltensindikator. Zusammenfassend zeigt die Studie, dass sich das Bewusstsein in den vergangenen Jahren kaum verändert hat, aber nach wie vor abhängig vom Bildungsniveau ist.

Bereits zu den Ergebnissen der Naturbewusstseinsstudie 2015 schrieben Helena Ströher und Andreas Wilhelm Mues in Ihrem Standort-Fachartikel Wie grün wünscht sich die Bevölkerung Deutschlands ihre Städte?, dass die Stadtnatur für die Bevölkerung Deutschlands ein hohes Gut sei. Sie beleuchten in Ihrem Fachartikel die Wahrnehmung je nach Alter und Bildungsniveau und zeigen auf, dass das hohe Bewusstsein der Bevölkerung eine gute Basis für sozial-, naturschutz- und umweltpolitische Strategien und Ziele bietet.

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