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08.10.2019 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Unternehmen gesellschaftliche Probleme anpacken

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Den Tunnelblick streng auf Geschäft und Ertrag gerichtet? Das lässt sich Unternehmen nicht mehr vorwerfen. Im Gegenteil. Aktuell gehen sie gesellschaftliche Probleme an und heben ihre CSR-Aktivitäten auf die nächste Stufe.

Verantwortlich für den Fachkräftemangel ist das Familienunternehmen Lamilux ganz sicher nicht. Aber mit seinem Stammsitz in Oberfranken, nur drei Kilometer von der Grenze zur Tschechischen Republik entfernt, wahrscheinlich davon bedroht. Auch Katharina Mayer von der Münchner Kuchentratsch UG kann nichts für die Altersarmut in ihrer Stadt. Aber sie wird sie täglich wahrnehmen. Was das Großunternehmen in ländlicher Region und das kleine Start-up in der Großstadt eint, ist der Wille, Beiträge und Lösungen zu präsentieren für gesellschaftliche Probleme, die sich vor ihren Augen auftun, ohne das sie dafür im eigentlichen Sinne zuständig wären. 

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Gesellschaftliche Probleme lösen, die brennen

Unternehmen, die Lösungen entwickeln und anbieten für drängende gesellschaftliche Probleme, macht die Bertelsmann Stiftung seit 2011 mit dem Wettbewerb "Mein gutes Beispiel" sichtbar. Lamilux, Kuchentratsch, die Lebensmittelretter von TooGoodtoGo und das Austauschprogramm von Inform wurden Mitte Mai als Sieger der vier Kategorien (Kleine und Mittlere Unternehmen, Große Unternehmen, Jung und Innovativ, Handwerk) ausgezeichnet. Kuchentratsch etwa bezeichnet sich als Social Start-up. Der positive Einfluss auf die Gesellschaft ist Zweck des wirtschaftlich agierenden Unternehmens. 

Gesellschaftliche Herausforderungen am Unternehmensstandort

Große wie kleine Unternehmen haben den Blick über den Tellerrand ihrer Kerngeschäfte ausgeweitet, gesellschaftliche Probleme erkannt und sind bereit sie anzugehen. Das konnten die Bertelsmann Stiftung und der Stifterverband ebenfalls Mitte Mai mit der Veröffentlichung des "Corporate Citizenship Survey" (CC-Survey) belegen. An der bundesweiten Befragung beteiligten sich rund 7.400 Unternehmen. Wichtigste gesellschaftliche Herausforderung aller Studienteilnehmer ist, den Unternehmensstandort in eine lebenswerte Region zu verwandeln. Das gaben 18 Prozent an. Dem demographischen Wandel die Stirn bieten (15 Prozent), die Integration verbessern (14 Prozent) und Armut bekämpfen (13 Prozent) folgen. Regional betrachtet, verschieben sich die Schwerpunkte. 

In den von Abwanderung bedrohten strukturschwächeren ländlichen Gegenden ist der Handlungsbedarf am größten. Hier engagieren sich 70 Prozent aller Unternehmen. In den großen kreisfreien Städten wie Berlin, Hamburg oder München sind es nur 57 Prozent. Gegen den demographischen Wandel wollen auf dem Land 25 Prozent aller Unternehmen angehen. Die Armut zu reduzieren ist dort ein untergeordnetes Anliegen (9 Prozent). In den Städten engagieren sich 17 Prozent für eine lebenswerte Region, 16 Prozent für Integration und 14 Prozent gegen Armut. 

CSR: Innovation für Gesellschaft und Geschäft

Es hat sich etwas verändert. Unternehmen, die sich für bessere Umweltbedingungen einsetzen wollen, verknüpfen Innovation mit sozialen Engagement. Sie entwickeln Produkte, Programme oder Dienstleistungen, die sich an gesellschaftlichen Bedarfen orientieren. Mit ihnen sollen Probleme wie Altersarmut oder demographischer Wandel an der Wurzel gepackt und die Organisation wirtschaftlich vorangetrieben werden. Es entstehen "sektorübergreifende Lösungen und Geschäftsmodelle, die gleichzeitig ökonomischen und gesellschaftlichen Mehrwert (Impact) generieren". Die Springer-Autoren Hartmut Kopf und Stefan Pastuszka führen dafür den Begriff Corporate Social Impact Innovation, CSI2 ( Seite 217) ein. Wann aber ist ein Unternehmen bereit, die eingespielte CSR-Praxis um soziale Innovation zu erweitern?

CSICheckliste (Seite 221)

  • Die Geschäftsleitung hat ein Interesse daran, an der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen mitzuwirken.
  • Nachhaltiges Wirtschaften genießt im Unternehmen einen hohen Stellenwert.
  • Es wird nach neuen Treibern für nachhaltiges Wachstum gesucht.
  • Das Unternehmen ist offen für Neues/bereit ausgetretene Pfade zu verlassen.
  • Vorhandene CSR-Aktivitäten sollen auf die nächst höhere Ebene gehoben werden.
  • Neue Wege um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern werden gesucht.

Weniger Bürokratie für mehr CSR-Engagement

In ihren Buchkapitel "Corporate Social Innovation: Next Level CSR?" beschreiben die Autoren, wie nicht nur junge Social Start-ups, sondern auch etablierte Unternehmen ihre "vorhandenen Kernkompetenzen einsetzen, um aktiv einen gesellschaftlichen Mehrwert zu generieren" (Seite 217). Dazu braucht es allerdings den Mut und den Willen, den eigenen Horizont zu überschreiten und neue Technologien mit der hauseigenen Innovationskraft und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in Einklang zu bringen. All das setzt einen langen Atem und eine gesunde Fehlerkultur im Haus voraus. Soziale Innovation braucht außerdem Zeit zum Wachsen. Doch gerade daran mangelt es den meisten Unternehmen. Schuld ist dem CC-Survey zufolge die Regulierungsflut des Staates. Die Bürokratie, raube  Ressourcen, die für soziales Engagement am Ende des Tages fehlten, klagen die Befragten Unternehmen.

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