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27.03.2014 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Bekommt Berlin nasse Füße?

Autor:
Matthias Schwincke

Immobilien in Berlin boomen. Doch der Besitz von Häusern und Wohneigentum ist nicht überall in der Hauptstadt eine gute Idee. Der Grund: In immer mehr Teilen Berlins steigt Grundwasser in die Keller und greift die Bausubstanz an.

Historisch gesehen sind steigende Grundwasserstände in Berlin nicht neu. Nach Ende des 2. Weltkriegs stieg der Grundwasserspiegel aufgrund zerstörter Infrastruktur und Industrie beispielsweise dramatisch. Seit dem wirtschaftlichen Strukturwandel der 90er Jahre belastet hohes Grundwasser in Berlin erneut die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Bauen. Das Ausmaß und die Folgen hat die Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK) erstmals in einem Gutachten mit dem Titel "Folgen hoher Grundwasserstände in Berlin" zusammengetragen.

Ergebnisse der Studie

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  • Zwischen 1989 und 2012 ist das Grundwasser in Berlin über einen halben Meter und stellenweise sogar um mehr als einen Meter gestiegen.
  • Auf einer Fläche von mehr als 20 Prozent des Berliner Urstromtals beträgt der Abstand vom Grundwasserspiegel zur Geländeoberkante weniger als 2,5 Meter.
  • Bei einer angenommenen mittleren Kellertiefe von 2,5 Meter sind damit 33 km² bzw. 9 Prozent der Bebauungsfläche Berlins potenziell von Vernässungsschäden bedroht.
  • Besonders im Südosten und Nordwesten Berlins sind große Teile der vorhandenen Bebauungsfläche von hohen Grundwasserständen betroffen.
  • In besonders betroffenen Gebieten leben etwa 200.000 Einwohner.
  • Zwölf Prozent der in Berlin für öffentliche Gebäude zur Verfügung stehenden Flächen sind von steigendem Grundwasser bedroht.

Auf dem Weg zum Grundwassermanagement?

Das Ausmaß der tatsächlichen Schäden ist wenig bekannt und umstritten. Die Verbände der Immobilien- und Wohnungswirtschaft haben ca. 900 Gebäude mit etwa 19.000 Wohneinheiten erfasst, die unter Grundhochwasser leiden. Den Haus- und Grundstückseigentümerverbänden liegen hunderte weitere Einzelfälle vor. Dazu kommen bekannte öffentliche Gebäude wie das Rote Rathaus, die Staatsoper und das Gebäude des Bundesrats am Leipziger Platz.

Vor diesem Hintergrund wird in der Hauptstadt der Ruf nach einem nachhaltigen Grundwassermanagement zunehmend lauter. Zwischen Politik, Verwaltung, Betroffenen, Verbänden und Kammern konnte nach mehreren Jahren jedoch noch kein Konsens über das Ausmaß der Probleme und die Verantwortung von öffentlicher Hand und Privateigentum hergestellt werden. Staatliche Eingriffe wie z.B. lokale Grundwasserabsenkungen sind damit wohl auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Für den Moment bleiben Eigentümern also weiterhin nur recht kostspielige, bautechnische Lösungen. Welche Möglichkeiten hier bestehen und worauf dabei zu achten ist, beschreibt der Springer-Autor Jürgen Weber im Buchkapitel "Sanierungskonzepte und Bauteiltrocknung".

Weitere Informationen

Merkblatt BWK-M 8 "Ermittlung des Bemessungsgrundwasserstandes für Bauwerksabdichtungen".

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Weiße Wanne

Quelle:
Bewehren nach DIN EN 1992-1-1 (EC2)

01.03.2003 | Wasserwirtschaft | Ausgabe 3/2003

Nutzungskonflikte bei hohen Grundwasserständen — Lösungsansätze