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27.08.2018 | Umwelt | Interview | Onlineartikel

"Müll im Meer ist zu einer globalen Bedrohung geworden"

Autor:
Dipl.-Ing. Rudolf Gade

Die Belastung der Weltmeere mit Abfällen nimmt zu und gehört zu den großen Herausforderungen des Meeresschutzes. WASSER UND ABFALL sprach mit Olaf Lies, dem Niedersächsischen Umweltminister.

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WASSER UND ABFALL: Meeresmüll ist als globales Umweltproblem erkannt. Wie ist die Situation in Niedersachsen?

Olaf Lies: Müll im Meer ist zu einer globalen und grenzübergreifenden Bedrohung für unsere Meeresökosysteme geworden. Kunststoff ist das am häufigsten gefundene Material. Schätzungen aus neueren Studien besagen, dass weltweit zwischen 1,8 Prozent und 4,6 Prozent des produzierten Kunststoffmülls in die Meere gelangen – das wären jährlich 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen. Gründe hierfür sind schlechtes bzw. unzureichendes Abfallmanagement insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, niedrige Recyclingquoten und intensiver Kunststoffkonsum bei oft kurzen Lebenszyklen der Produkte aber Langlebigkeit des Kunststoffmaterials. Nach aktueller Schätzung sind weltweit über 700 verschiedene Arten mariner Lebewesen vom Müll in irgendeiner Weise beeinträchtigt/betroffen, insbesondere die Hälfte aller bekannten Meeressäugetier- und Seevogelarten. Negative Folgen sind hauptsächlich das Verheddern oder Strangulieren in Müllresten oder das Verschlucken von Müllteilen. Die Aufnahme von Mikropartikeln aus Kunststoffen ist mittlerweile für mehr als 250 Arten mariner Lebewesen dokumentiert. Die Folgen sind Verhungern mit vollem Magen, geringe Körperfetteinlagerung sowie Verletzungen, Verstopfungen und Entzündungen des Magen-Darm-Traktes. 
Auch die niedersächsischen Meeresgebiete sind davon nicht verschont geblieben. Viermal pro Jahr wird die Zusammensetzung und Menge des Makromülls an bestimmten Stränden in Niedersachsen systematisch erfasst und an das Meeresschutzübereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks (OSPAR) für eine gemeinsame Auswertung übergeben. In diesem Zusammenhang werden auch tote Eissturmvögel eingesammelt und deren Mageninhalt auf Müll überprüft.
Die Strände der Nordseeregion weisen eine durchschnittliche Belastung von 389 Müllteilen pro 100 Meter Küstenlinie auf (2009–2014). Dabei dominieren Kunststoffe die Funde mit circa 89 Prozent an der Nordsee. Für Müll am Meeresboden, der ebenfalls größtenteils aus Kunststoffen besteht, konnten in der südlichen Nordsee durchschnittlich 11 Kilogramm Müll pro Quadratkilometer ermittelt werden.

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01.08.2018 | Interview | Ausgabe 7-8/2018

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Die Belastung der Weltmeere mit Abfällen nimmt zu. Sie gehört inzwischen zu den großen Heraus-forderungen des Meeresschutzes. In Deutschland haben der Bund und die Küstenländer Maßnahmen gegen den Meeresmüll als zentralen Bestandteil in ihren Meeresstrategien für die Nord- und Ostsee verankert. 


Was halten Sie von den Vorschlägen der EU zur Reduzierung des Anfalls von Plastikabfällen?

Obwohl es nach OSPAR zwischen 2009 und 2014 zwar zu signifikanten Änderungen einzelner Bestandteile des gesammelten Abfalls kam, konnte kein allgemeiner Trend in allen Untersuchungsgebieten des Nordostatlantiks verzeichnet werden. Dies ist bei der globalen Zunahme des Abfalls in den Meeren fast schon ein gutes Zeichen. Es heißt aber auch, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Müllbelastung in unserer Meeresregion zu reduzieren. Auf Einwegkunststoffartikel entfällt etwa die Hälfte aller an europäischen Stränden vorgefundenen Meeresabfälle. Die zehn am häufigsten gefundenen Einwegkunststoffartikel machen 86 Prozent aller gefundenen Einwegkunststoffartikel aus. Insbesondere hierauf zielt der Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt, den ich grundsätzlich begrüße.

Lesen Sie das gesamte Interview "Jeder kann dazu beitragen, dass wir den Eintrag von Müll in unsere Meere verringern" mit Olaf Lies in WASSER UND ABFALL | Ausgabe 07-08/2018.

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