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19.08.2014 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Torfmoos als neuer Rohstoff für Kultursubstrate

Autor:
Matthias Schwincke

Seit mindestens dreißig Jahren wird intensiv nach Alternativen für Torf in Kultursubstraten gesucht. Ein preisgekröntes Forschungsprojekt der Universität Greifswald hat nun offenbar einen gleichwertigen Ersatzstoff gefunden.

Rund neun Millionen Kubikmeter Torf werden jährlich in Deutschland für Kultursubstrate verbraucht. Der Grund: Torf ist der wichtigste Rohstoff zur Herstellung von hochwertigen Substraten für den Anbau von Gemüse und Zierpflanzen. Die Kehrseite: Durch den industriellen Torfabbau werden große Hochmoorflächen und damit Kohlenstoffspeicher sowie Lebensräume für speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich zerstört. Außerdem setzt Torf nach seiner Nutzung Kohlendioxid frei. Da die Vorkommen in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft sind, importiert die deutsche Torf- und Humuswirtschaft den knapper werdenden Rohstoff zudem aus immer entfernteren Regionen der Erde. Durch längere Transportwege und Verknappung steigen die Kosten.

Vielversprechender Torfersatz

Ziele des Forschungsprojektes "Torfmooskultivierung"
  • Anbau von Torfmoosen zur Produktion und Ernte von
    Torfmoos-Biomasse.
  • Etablierung einer zukunftsfähigen, standortgerechten
    Landwirtschaft auf Moorböden (= Paludikultur) die dank
    hoher Wasserstände die Bodendegradierung stoppt,
    Regulierungsleistungen (z.B. C-Speicher) revitalisiert und
    gleichzeitig eine dauerhafte Perspektive für Beschäftigung
    und Wertschöpfung im ländlichen Raum bietet.

Auf der Suche nach Alternativen für den bislang unersetzlichen Rohstoff hat ein Forscherteam der Universität Greifswald in Kooperation mit Torfwerk Moorkultur Ramsloh und anderen Partnern nun ein zukunftsweisendes Verfahren entwickelt. Das beim diesjährigen Bundeswettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" preisgekrönte Forschungsprojekt "Torfmooskultivierung" zielt auf den Anbau von Torfmoosen zur Produktion und Ernte von Torfmoos-Biomasse. Dieser nachwachsende Rohstoff soll als neue landwirtschaftliche Nutzpflanze zur Herstellung von Kultursubstraten für den Gartenbau etabliert werden. Ein Feldversuch auf vier Hektar im Hankhauer Moor nördlich von Oldenburg demonstriert eindrucksvoll die erfolgreiche Kultivierung von Torfmoosen.

Große Chance für Niedersachsen

Zur großflächigen Kultivierung sind degradierte Moorstandorte, z.B. abgetorfte oder als Grünland genutzte Hochmoore, besonders geeignet. Wie die Wasser und Abfall-Autoren Lena Hübsch und Dr. Heinrich Höper im Zeitschriftenartikel "Bedeutung kohlenstoffreicher Böden für die Freisetzung von Treibhausgasen in Niedersachsen" zeigen, könnte somit vor allem Niedersachsen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung dieser innovativen und klimafreundlichen Landnutzung zukommen. Der Grund: Hier befinden sich 70 Prozent aller deutschen Hochmoore mit einer Gesamtfläche von rund 150.000 Hektar. Aufgrund ihrer Treibhausgasemissionen von über 3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr besitzen die niedersächsischen Hochmoore zudem ein außerordentliches Klimaschutzpotential.

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