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19.06.2013 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Mittelmeerwälder als Schlüsselfaktor der biologischen Vielfalt

Autor:
Matthias Schwincke

Wie der Rechenschaftsbericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erneut ins Bewusstsein ruft, ist der Verlust der biologischen Vielfalt nach wie vor alarmierend. Experten gehen davon aus, dass die Verlustrate weltweit um 100-mal höher ist als der natürliche Artenschwund. Dies betrifft vor allem außergewöhnlich artenreiche Hotspots der biologischen Vielfalt, wie die Forst- und Wald-Ökosysteme des Mittelmeerraums. Dabei könnten vor allem die bedrohten, mediterranen Eichenwälder selbst als Kohlenstoffspeicher zur Eindämmung des globalen Klimawandels einen Beitrag leisten.

Aufgrund seines Artenreichtums und des hohen Anteils von endemischen Arten zählt der Mittelmeerraum zu den sogenannten Hotspots der biologischen Vielfalt. Mit schätzungsweise rund 25.000 Pflanzenarten, davon 60 Prozent endemisch, verfügt die Region über eine der größten und wichtigsten Konzentrationen von endemischen Pflanzen weltweit. Diese außergewöhnliche Artenvielfalt beruht auf einem komplexen Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren wie Klima, Geomorphologie, Boden, Wasserhaushalt und Landnutzung.

Insbesondere durch fortschreitende klimatische Veränderungen und zunehmende menschliche Eingriffe im Zuge landwirtschaftlicher, touristischer und siedlungsräumlicher Nutzungen steht die biologische Vielfalt des Mittelmeerraums unter einem wachsenden Druck. Nach der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind derzeit etwa 124 Pflanzenarten in mediterranen Wäldern vom Aussterben bedroht. Dazu zählen auch fünf endemische Eichenarten. Zwei endemische mediterrane Eichenarten (Quercus pauciradiata und Quercus orocantabrica) sind sogar akut vom Aussterben bedroht (Kategorie CR = Critically endangered).

Wälder spielen als großräumige Kohlenstoffsenken allerdings eine wichtige Rolle bei der Anpassung an globale klimatische Veränderungen. Wie Bravo et al. im Buchkapitel "Silviculture and Carbon Sequestration in Mediterranean Oak Forests" aufzeigen, verfügen auch mediterrane Eichenwälder über bemerkenswerte CO2-Speicherkapazitäten in diesem Zusammenhang. So kommt der untersuchte spanische Korkeichenwald (Quercus suber) beispielsweise auf ein Speichervermögen von 452.56 Megagramm Trockenmasse pro Hektar bei einer Rotation von 158 Jahren. Neupflanzungen von Korkeichenwald in Portugal könnten 5,9 Megatonnen Kohlenstoff über einen Zeitraum von 50 Jahren speichern. Für gemischte Eichenwälder auf der Grundlage von Quercus pyrenaica ergaben die Untersuchungen ein CO2-Speichervermögen pro Hektar von 311.34 Megagramm Kohlenstoff.

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