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02.10.2017 | Umwelt | Interview | Onlineartikel

"Gemeinsam die Landnutzung optimieren"

Autor:
Günter Knackfuß
Interviewt wurde:
Dr.-Ing. Christian Strauß

ist Stadtforscher und war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Wissenschaftlichen Begleitvorhaben der BMBF-Fördermaßnahme  "Nachhaltiges Landmanagement".

Das 13. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit diskutierte die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030. Zum Schwerpunkt "Leben an Land" beantwortet Christian Strauß Fragen für Springer Professional.

Springer Professional: Als Moderator beim Workshop "Land ist begrenzt - Wie gehen wir damit um?" haben Sie die Forschung in den Mittelpunkt gestellt. Welche Herausforderungen wurden für die Umsetzung eines nachhaltigen Landmanagements auf nationaler Ebene identifiziert?

Christian Strauß: Land wird zunehmend zur 'limitierten Ressource', die unter steigenden Nutzungsdruck gerät. Nahrungsmittelproduktion, Naturschutz, aber auch Raum für Siedlungsentwicklung, Industrie, Infrastruktur und Erholung, die Regulierung und Vorhaltung von Oberflächen- und Grundwasser und andere Funktionen: Dies führt zu neuen Ansprüchen bei der Nutzung von Land. 
Zusätzlich verstärken veränderte normative Ansprüche, z. B. Nachhaltigkeit, Regionalität und Energiewende sowie der Globale Wandel, darunter Klimawandel und demografischer Wandel, den Druck. In der Folge nehmen Landnutzungskonflikte zu. Für einen nachhaltigeren Umgang mit Land und den damit verbundenen natürlichen Ressourcen sind daher innovative Konzepte, Strategien und Governance-Strukturen gefragt.

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Die im Rahmen der Millennium‐Development‐Goals (MDG) und ihrer Bilanz sowie der langjährigen Diskussionen über die Sustainable‐Development‐Goals (SDG) zeigte sich, dass eine deutliche und wirkungsvolle Richtungsveränderung der bisherigen nicht nachhaltigen Entwicklung noch nicht erfolgt ist. 


Wo sehen sie neue Möglichkeiten für Erhalt und Wiederherstellung der Funktionen von degradiertem Land?

Die neuen Governance-Strukturen bieten Lösungsansätze für verschiedene Disziplinen wie Landwirtschaft, räumliche Gesamtplanung und Wasserwirtschaft. Zugleich stärken sie das integrierte Denken zum Beispiel in der Energiewende. Sie integrieren die Sektoren und verknüpfen sie miteinander. Energie- und Stoffströme sowie Wertschöpfungsketten sind beispielsweise im regionalen Stadt-Land-Verbund sinnvoller zu 'managen'.
Nachhaltiges Landmanagement baut auf die Konzepte des siedlungsbezogenen Flächenrecyclings und des Flächenmanagements auf. Neu sind aber die multidimensionalen Perspektiven. Es bezieht daher Siedlungen, Landwirtschaft und Forstwirtschaft ein, es verknüpft Belange von Stadt und Land, berücksichtigt verschiedene Zeithorizonte und Handlungslogiken. Daraus entwickelt sich ein Systemverständnis. Und es entstehen Lösungen zum Schutz und zur Entwicklung der Umweltressourcen, zur Reduzierung von Landnutzungskonflikten und schließlich zur nachhaltigen Landnutzung.

Welchen Beitrag kann die Forschung zum Landmanagement leisten?

Forschung kann einen Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Nutzung leisten, indem die gegenwärtigen Formen des Landmanagements analysiert und zugleich Konzepte für dessen Optimierung geleistet werden. Notwendig ist hierfür aber ein interdisziplinärer Forschungsansatz. 
Es gilt, Zusammenhänge zum Boden, zur Landnutzung, und zu Ökosystemleistungen aufzuzeigen. Ebenso grundlegend ist die Analyse der Governance von Land. Dabei sind auch die Treiber der Landnutzungsänderungen von Bedeutung. Im Sinne der Mensch-Umwelt-Interaktionen stehen demnach die Zusammenhänge zwischen Landnutzungstreibern, Landnutzungsänderungen und sich verändernden gesellschaftlichen Antworten darauf im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Die vor kurzem abgeschlossene BMBF-Fördermaßnahme Nachhaltiges Landmanagement – innovative Systemlösungen hat genau hieran angeknüpft.

Wie können die Ergebnisse der Forschung erfolgreich umgesetzt werden?

Zeitgenössische Forschungsansätze beziehen die Praxis mit ein und tragen zur erfolgreichen Umsetzung bei. Im Sinne der transdisziplinären Forschung arbeiten demnach Wissenschaft und Praxis bei der Vorbereitung, Durchführung und auch Verwertung von Forschungsprojekten miteinander zusammen. Daraus ergibt sich ein Gewinn für die wissenschaftliche Erkenntnis wie für die Anwendung in der Praxis. 
Die regionalen Lösungen zeigen aber zugleich die Zusammenhänge zwischen dem Handeln vor Ort und den überörtlichen Rahmenbedingungen auf. Nachhaltiges Landmanagement ist dann erfolgreich, wenn das Handeln auf allen Ebenen analysiert und weiterentwickelt wird.

Gibt es dafür bereits nachhaltige Beispiele?

In der BMBF-Fördermaßnahme Nachhaltiges Landmanagement wurden in der Praxis vor Ort zahlreiche Lösungen erprobt und umgesetzt, die auch auf andere Regionen übertagbar sind. Schließlich gibt es auch gute Beispiele zur Verstetigung dieser Lösungen. So wurde etwa in der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen die "Landmanagerin" des Projektes Null-Emissions-Gemeinden von der Verwaltung übernommen und koordiniert nun die Projekte zur Kreislaufwirtschaft und regionalen Wertschöpfung vor dem Hintergrund der Energiewende.
Ein weiteres gutes Beispiel ist das Entscheidungstool des Verbundprojekts Regio Projekt Check, mit denen Standortentscheidungen für neue Baugebiete koordiniert und ihre räumlichen Konsequenzen frühzeitig abgeschätzt werden können. Das Produkt findet weiterhin Anwendung in öffentlichen Verwaltungen.
Die konkreten Lösungen sind dabei jeweils ein Teil des "Gesamtsystems" Landmanagement. Alle Ergebnisse und Produkte der Fördermaßnahme finden sich in der Wissensthek unter http://modul-b.nachhaltiges-landmanagement.de.

Wie beurteilen sie die Gestaltung des Landmanagements auf internationaler Ebene?

Landnutzung wird insbesondere in der Landwirtschaft durch die Politik auf europäischer Ebene beeinflusst. Demgegenüber setzen den Rahmen für Siedlungspolitik vor allem die Regelungen auf nationaler und Länderebene. Diese unterschiedlichen Ebenen und Instrumente erschweren die Optimierung des "Systems" Landmanagement. Aus internationaler Perspektive stellt zudem das Land Grabbing eine Herausforderung dar. 
Die internationale Verantwortungsgemeinschaft stellt sich diesen Herausforderungen. So findet sich unter den 17 Sustainable Development Goals der UN von 2015 auch das Ziel 15 "Leben an Land". Die Bundesregierung hat diese Ziele übernommen. Nachhaltiges Landmanagement leistet demnach auch mit den Folge-Fördermaßnahmen des BMBF wichtige Beiträge zur Erreichung der internationalen Ziele.

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