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20.04.2016 | Umwelt | Kommentar | Onlineartikel

Klärschlamm – Ressource oder Schadstoff?

Autor:
Prof. Dr. -Ing. Heidrun Steinmetz
2:30 Min. Lesedauer

Die Forschung zeigt Wege zur Phosphorrückgewinnung unter unterschiedlichen Randbedingungen auf. Heidrun Steinmetz ruft zur Weiterentwicklung vieler Verfahren auf, um geeignete Lösungen zu finden.

Die Diskussion ist Jahrzehnte alt: Ist Klärschlamm nun eine wertvolle Ressource, die direkt durch landwirtschaftliche Verwertung in den Kreislauf zurückgeführt werden soll, oder ein zu entsorgender, mit organischen und anorganischen Schadstoffen sowie pathogenen Keimen beladener Problemstoff?

Bis heute ist die Sichtweise hierzu deutschland- und EU-weit heterogen. So werden bundesweit knapp 30 Prozent der Klärschlämme landwirtschaftlich verwendet, allerdings werden in Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg inzwischen fast alle Klärschlämme der Verbrennung zugeführt, während in Mecklenburg-Vorpommern fast 90 % der Schlämme auf landwirtschaftlich genutzte Flächen gelangen.

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01.04.2016 | Abfall | Ausgabe 4/2016

Rohstoffrecycling bei der Abwasserreinigung

Mit dem REMONDIS TetraPhos-Verfahren ist es erstmalig möglich, den in Klärschlammaschen enthaltenen Wertstoff Phosphor wirtschaftlich zurück zu gewinnen. Das Endprodukt, die Phosphorsäure ist ein hochwertiges und universell einsetzbares Produkt.


Seit Jahren wird die noch immer gültige Klärschlamm-Verordnung von 1992 diskutiert, es wurden immer wieder neue Entwürfe erstellt und neue Schadstoffgrenzwerte diskutiert, ohne grundsätzlich den Anwendungsbereich und die Zielsetzungen von 1992 zu hinterfragen. 2015 ist nun ein Referentenentwurf zur Neuordnung der Klärschlammverwertung veröffentlicht worden, bei dem neben der Verschärfung von Anforderungen auch grundlegend neue Ziele definiert werden, wie die Harmonisierung der Anforderung der Klärschlammverordnung mit denen der Düngemittelverordnung, der Einschränkung der bodenbezogenen Verwertung von Klärschlammen von Anlagen der Größenklassen 1 bis 3 und die Verpflichtung, zukünftig Phosphor aus dem Abwasserstrom zurückzugewinnen.

Ansatz seitens der Politik erforderlich

Dieser Ansatz der Entkopplung von Schadstoff- und Nährstoffkreisläufen ist längst überfällig und umsetzbar. Haben doch in den letzten Jahren vielfältige Forschungen zum Thema Phosphorrückgewinnung gezeigt, dass die Ressourcen aus dem Klärschlamm zu Düngeprodukten verarbeitet werden können, die erheblich bessere Düngewirkungen aufweisen als der meist als Eisen- oder Aluminiumphosphat vorliegende Phosphor im Klärschlamm. Gesetzlichen Regelungen hierzu bedarf es dennoch, um die Umsetzung zu realisieren. Denn noch sind die aus Klärschlamm bzw. Klärschlammaschen gewonnenen Rezyklate meist nicht wirtschaftlich produzierbar, wenn man unter wirtschaftlich allein den Marktpreis für Düngemittel versteht und Umweltschäden durch den Abbau Phosphat-haltiger Gesteine ausblendet. Vor allem aber: Es gibt kaum Verfahren, die sich bereits mehrfach in der Großtechnik bewährt haben. Daher bedarf es eines Anschubs seitens der Politik, wie z. B. durch die Novellierung der Klärschlammverordnung. Dies ist zu begrüßen. Dennoch, Fachleute und Politiker sollten prüfen, wie eng Vorgaben z. B. bezüglich der Abreicherung von Phosphor im Klärschlamm oder der Rückgewinnungsquoten sein müssen, um nicht bereits zum jetzigen Zeitpunkt einzelne Technologien zur Phosphorrückgewinnung zu favorisieren und anderen den Todesstoß versetzen, bevor die Verfahren in der Großtechnik erprobt werden konnten. Wir sind gut beraten, den bislang eingeschlagenen Weg in der Abwasserwirtschaft auch beim Thema Phosphorrückgewinnung zu gehen: einen Blumenstrauß an verschiedenen Technologien entwickeln und umsetzen und dann, an die jeweiligen Randbedingungen angepasst, die geeignete Lösung umzusetzen statt für alle Anlagen und Standorte pauschal ein starres Muster vorzugeben.

Der gleichlautende Kommentar ist in Heft 04/2016 der Fachzeitschrift „Wasser und Abfall“ erschienen.

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