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13.06.2018 | Umwelt | Kommentar | Onlineartikel

Wohin mit der Gülle?

Autor:
Dipl.-Ing. Rudolf Gade

Der Wirtschaftsdüngers Gülle wird oft über weite Strecken per LKW transportiert. Über innovative Behandlungstechniken für Gülle und deren Umsetzung muss jetzt nachgedacht werden, fordert Rudolf Gade.

Nach wie vor gehört die Belastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer mit Nährstoffen, insbesondere Stickstoff und Phosphor, zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen in den meisten deutschen Flussgebieten. Auch der Meeresschutz und die Anforderungen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sind zu beachten. Es ist in den vergangenen 18 Jahren seit Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie leider nicht gelungen, die gesetzten Ziele zu erreichen. Der Gesetzgeber hat inzwischen verbindliche Bewirtschaftungsziele vorgegeben (Oberflächengewässerverordnung) und das landwirtschaftliche Fachrecht angepasst (u. a. durch eine Novellierung der Düngeverordnung). Insbesondere durch die neue Düngeverordnung ist zwar eine gewisse Entlastung zu erwarten. Das Problem der erheblichen Nährstoffüberschüsse in den viehstarken Regionen wird dadurch aber nicht gelöst werden.

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Aktuell wird der Export von Wirtschaftsdünger aus den Überschussregionen in zumeist weit entfernte Ackerbauregionen beworben in der Erwartung, dass dort Mineraldünger substituiert werden kann. Ob sich diese Erwartung erfüllt, wird zurzeit in einem Pilotprojekt in Niedersachsen erprobt. Aus gesamtökologischer Sicht ist allerdings festzustellen, dass die Verbringung des Wirtschaftsdüngers Gülle über oft hunderte Kilometer per LKW nicht nur zusätzliche Umweltbelastungen erzeugt, sondern die transportierte "Ware" ganz überwiegend aus Wasser besteht. Daher wäre es an der Zeit, über innovative Behandlungstechniken nachzudenken und diese nicht wie bisher als letzte Lösung anzusehen, wenn nichts mehr geht.

Nährstoffkonzentrat hat viele Vorteile

Ziel ist, ein Nährstoffkonzentrat herzustellen, dass kein oder nur wenig Wasser enthält, im besten Fall ein dem Mineraldünger vergleichbares Produkt in Pelletform. Vorteil wäre, dass dadurch auf den Bau zusätzlicher Lagerbehälter auf den landwirtschaftlichen Betrieben verzichtet werden kann, bei denen es häufig zu Havarien kommt und deren Überwachung die zuständigen Wasserbehörden aufgrund der hohen Anzahl vor Probleme stellt. Weiterhin würde die Lagerung des Endproduktes keine großen Schwierigkeiten verursachen und ein Güllenotstand, wie er im äußerst nassen Herbst/Winter 2017/2018 in Norddeutschland aufgetreten ist, vermieden. Das Aufbringen von Gülle auf gefrorene Böden mit der Folge von Abschwemmungen in die Oberflächengewässer gehörte der Vergangenheit an. Die Landbevölkerung würde dankbar sein, wenn in Zukunft in den Hauptausbringungszeiten von Gülle die Geruchsbelästigungen unterbleiben.

Zentrale Güllebehandlungsanlagen

Es gibt inzwischen erste Initiativen zum Bau von zentralen Güllebehandlungsanlagen. Natürlich gibt es auch Kritik, die durchaus ernst zu nehmen ist: wäre das Entsorgungsproblem gelöst, würden noch mehr Ställe gebaut. Landwirte müssten sich langfristig an Anlagen binden, um deren Auslastung zu garantieren. Die Behandlung würde zusätzliche Belastungen für die Fließgewässer erzeugen. All dies muss natürlich abgewogen werden und das ist vorrangig Aufgabe der Unternehmen, die in den Bau von Behandlungsanlagen investieren wollen. Denkbar ist aber auch die Installation von dezentralen Vorbehandlungsanlagen (Entwässerungsanlagen) auf landwirtschaftlichen Betrieben bzw. an den Standorten vorhandener Biogasanlagen.

Es spricht vieles dafür, den Einstieg in die Güllebehandlung jetzt vorzunehmen, statt tausende neue Behälter zu errichten, und entsprechende Initiativen durch Politik und Verwaltung zu unterstützen.

Dieser Kommentar ist in Ausgabe 06/2018 ​​​​​​​der Fachzeitschrift WASSER UND ABFALL erschienen.

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