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06.02.2019 | Umweltbelastung | Kommentar | Onlineartikel

"The city that never sleeps" – und ihre Folgen…

Autor:
Emlyn Etienne Goronczy M.Sc. (TU)

Städte sind durch Helligkeit geprägt – auch nachts. Die Lichtverschmutzung gefährdet die Gesundheit von sämtlichen Organismen im Umkreis. Ein Kommentar von Springer Vieweg-Autor Emlyn Etienne Goronczy.


Ausgeprägtes Kunstlicht in Städten ist ein Symbol für Fortschritt und Wohlstand in unserer Kultur. Die Kehrseite dessen sind jedoch kürzere, hellere Nächte und die entstehende "Lichtverschmutzung". Die Städte "schlafen" nie, was zu einem gesundheitsgefährdenden Risiko für sämtliche Organismen in den Regionen werden kann. 

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Was ist Lichtverschmutzung?

Im Allgemeinen versteht man unter dem Ausdruck "Lichtverschmutzung" oder auch "Lichtsmog" die übermäßige Aufhellung des Nachthimmels durch Kunstlicht (vgl. Fachgruppe Dark Sky 2015). Straßenleuchten, Reklametafeln, Schaufenster und ähnliche Beleuchtungsanlagen, die über Nacht eingeschaltet sind, produzieren Licht, welches direkt oder indirekt (durch Oberflächenreflexionen) in die Atmosphäre gelangt. 


Wissenschaftliche Studien deuten beispielsweise darauf hin, dass der menschliche Organismus infolge der Lichtverschmutzung anfälliger für Krebs ist. Wissenschaftlich bewiesen ist jedoch bereits, dass es durch die Lichtverschmutzung zu Insekten- und Vogelsterben kommt. 

Lichtverschmutzung und ihre Folgen

Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff Lichtverschmutzung, ein Begriff welcher in Medien und Politik innerhalb der letzten Jahre immer präsenter geworden ist?
Die Lichtverschmutzung umfasst ein komplexes Themenfeld, wobei man unter Lichtverschmutzung nicht nur das künstliche Aufhellen der Nacht versteht ("Urban Skyglow"), sondern auch nachfolgende Aspekte mit einbezieht:

  • Spektrale Lichtzusammensetzung
  • Leuchtenkonstruktionen
  • Lichtverteilungskurven
  • Leuchtenpositionierung
  • Blendungswirkung
  • Lichtemissionen

Ein grundlegendes Problem der Lichtverschmutzung ist, dass diese bei sämtlichen Organismen Einfluss auf den Hormonhaushalt und der damit verbundenen biologischen Uhr besitzt. Dadurch können beim Menschen beispielsweise unterschiedliche hormonelle Vorgänge negativ gestört werden. Infolge dessen kann es zu Krankheiten kommen. 

Die Folgen der Lichtverschmutzung sind jedoch in der Tierwelt drastischer, denn anders als der Mensch, können sich beispielsweise Insekten oder Vögel nicht der Lichtemissionen im Außenraum entziehen und sind ihrem Wirken ausgesetzt. 
Nicht selten kommt es durch unvorteilhaft geplante Lichtkörper dazu, dass die Tierwelt zusätzlich durch das Licht angelockt wird. Resultierend daraus kommt es meist zu einer erhöhten Sterberate. Angelockte Vögel können beispielsweise mit dem Leuchtenkörper oder auch untereinander tödlich kollidieren. Bei Insekten besteht unter anderem die Gefahr, durch das Licht für Fressfeinde leichte Beute zu werden. Das natürliche Gleichgewicht zwischen "Jäger" und "Beute" und der damit verbundenen Reproduktion wird dadurch in den Ökosystemen zum Negativen geführt.

Die aktuellen Lösungsansätze sind nicht zielführend

Unterschiedlichste Lösungsansätze der verschiedenster Fachbereiche haben bereits Vorschläge zur Verbesserung der urbanen Lichtverschmutzung geliefert, jedoch dies fachspezifisch isoliert, sodass sich die Lösungen oftmals gegenseitig ausschließen. So gibt es gleichermaßen Empfehlungen bläulich-grünliches Licht einzusetzen, um die Orientierung von Zugvögeln nicht zu stören und warmweißes Licht dahingehend zu meiden; bzgl. Insekten wird jedoch genau das Gegenteil empfohlen.

Interdisziplinäre Lösungen 

Um das Problem wirklich lösen zu können, muss dies also fachübergreifend und interdisziplinär betrachtet und beantwortet werden. 

Genau dies geschieht erstmalig in dem Buch Lichtverschmutzung in Metropolen - Analyse, Auswirkungen und Lösungsansätze. Hierbei werden nicht nur die verschiedenen Lösungsvorschläge der einzelnen Fachbereiche mit einbezogen und zu einem übergreifenden allseits funktionierenden Lösungsansatz verschmolzen, sondern es wird auch auf diverse örtliche Begebenheiten eingegangen, die ebenfalls Einfluss auf diese haben. 

Hierzu wurden exemplarisch die Städte New York City, Boston, Toronto, Warschau und Hannover vor Ort analysiert. Diese stehen mit ihrer städtischen Struktur für unterschiedliche urbane Typologien auf der Welt, die dementsprechend auf ähnliche Städte übertragbar sind. New York City mit seinen Skyscrapern steht beispielsweise stellvertretend für Metropolen, die vorwiegend vertikal ausgerichtet sind, wohingegen Warschau für Städte ausgewählt wurde, welche sich überwiegend in der Horizontalen ausgebreitet haben.

Die unterschiedlichen baulichen Begebenheiten haben gezeigt, dass es nicht zu einer einheitlichen Lösung kommen kann. Jede Stadt muss für sich betrachtet werden und dementsprechend müssen die für sie passenden Maßnahmen ergriffen werden.
In dem Buch werden letztendlich neue Strategien entwickelt, welche die Lichtverschmutzung realistisch minimieren und zwar mit Konzepten, welche die Aufenthalts- sowie die urbane Raumqualität steigern. 

Die Minimierung der Lichtverschmutzung bedeutet nicht zwangsläufig dunkle, charakterlose Straßenzüge!

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