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Über dieses Buch

Schon Anfang der 70er Jahre, als in den Industriestaaten die Umweltpolitik eigenständige nationale und internationale politische Aufgabe wurde, ist dies­ seits und jenseits des Atlantiks die Idee geäußert worden, biologische Proben als Referenzmaterial für den Nachweis der Umweltbelastung früherer Zeiten zu nutzen. Die Väter der Idee, darunter vor allem Frederick Coulston, Albany Medical College, Albany NY, und Friedhelm Korte, Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, München, erkannten bald, daß ein Rückgriff auf naturkund­ liche Sammlungen von Gräsern, Schmetterlingen, Vogeleiern oder Fischen keine gültigen Rückschlüsse auf frühere Belastungen zulassen, da weder Kon­ servierungs- noch Lagerungsmethoden auf das Ziel einer rückschauenden Unter­ suchung angelegt waren. In der Bundesrepublik ergriff der Bundesminister für Forschung und Techno­ logie 1975 die Initiative und förderte das "Pilotprojekt Umweltprobenbank" . Die in der Bank aufbewahrten Proben sollen sowohl Auskunft über Konzentrationen von Umweltchemikalien in der Vergangenheit als auch auf Grund dann möglicher Trendaussagen Auskunft über künftige Belastungen geben. Das Pilotprojekt war so erfolgreich, daß die Bundesregierung im Jahre 1985 die Umweltprobenbank als permanente Einrichtung unter Leitung des Umweltbundesamtes geschaffen hat. Die Durchführung des Pilotprojektes war eine multidisziplinäre Aufgabe, an der Biologen, Chemiker, Mediziner, Bodenkundler sowie Tiefkühlungs- und EDV -Spezialisten zusammenwirkten. Dem Bundesminister für Forschung und Technologie, dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und allen am Pilotprojekt beteiligten Gruppen und Gutachtern sei für ihren Einsatz gedankt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Umweltprobenbank — Darstellung und Bewertung der Pilotphase durch den Projektträger

Frontmatter

Umweltprobenbank — Darstellung und Bewertung der Pilotphase durch den Projektträger

Zusammenfassung
Bald nach Beginn der industriellen Revolution, etwa um 1850, erfolgte die Herstellung von Chemikalien in immer größerem Umfang. Als Hauptprodukte waren es erst Farbstoffe und Düngemittel, diesen folgten Arznei- und Pflanzenschutzmittel, später Mineralölprodukte und Kunststoffe. Heute befinden sich etwa 100000 Chemikalien im Handel. Zu diesen kommen etwa 1000 neue Chemikalien jährlich hinzu.
U. R. Boehringer

Kurzberichte

Frontmatter

Probenahme und Charakterisierung von repräsentativen Umweltproben im Rahmen des Umweltprobenbank-Pilotprojektes

Zusammenfassung
Die mögliche Ausbreitung und Wirkung von Chemikalien in der Umwelt kann durch physikalisch-chemische und toxikologische Untersuchungen, wie sie nach dem Gefahrstoffrecht (z. B. Chemikaliengesetz, Pflanzenschutzgesetz u. a.) vorgeschrieben sind, abgeschätzt werden. Allerdings ist infolge der Komplexität möglicher Phasenübergänge und Transportwege eine Übertragung von Labordaten ins Freiland im allgemeinen problematisch (Ballschmiter 1981). Zudem können synökologische Wirkungen und Bioakkumulationseffekte im Labor, trotz entscheidender Fortschritte in den letzten Jahren, immer noch nicht zufriedenstellend geprüft werden. Darüber hinaus wird aus der Vielzahl von Chemikalien und damit möglichen Wirkfaktoren derzeit nur ein kleines Spektrum ausreichend analysiert und überwacht.
P. Müller, G. Wagner

Regional repräsentative Auswahl der Böden für eine Umweltprobenbank — exemplarische Untersuchung am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland

Zusammenfassung
Das anwendungsbezogene Ziel der Untersuchung ist die Bestimmung derjenigen Bodenproben, welche zur Dokumentation der Böden der Bundesrepublik Deutschland in Umweltprobenbanken einzulagern sind. Zu diesem Zweck wurde ein auch außerhalb der Bundesrepublik Deutschland anwendbares Verfahren erarbeitet, welches die Identifizierung häufigkeitsstatistisch und regional repräsentativer Probenahmeorte innerhalb eines differenzierten Areals auf der Grundlage EDV-gestützter Kartenauswertungen ermöglicht. Die Gewährleistung einer höchstmöglichen Repräsentanz bei gleichzeitiger Minimierung des Probenanfalls wird dabei wegen des hohen Analyseaufwandes und der limitierten Einlagerungskapazität der Probenbanken in den Vordergrund gestellt.
O. Fränzle, G. Kuhnt

Umweltprobenbank für Kuhmilch

Zusammenfassung
Im Rahmen des Gesamtprojektes „Pilot-Umweltprobenbank“ wurden die mit dem Probentyp „Kuhmilch“ zusammenhängenden Aufgaben schwerpunktmäßig vom Institut für Hygiene der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel wahrgenommen. Außerdem erfolgte in einer Reihe weiterer Umweltproben gemeinsam mit anderen Forschungsnehmern die Untersuchung auf persistente chlorierte Kohlenwasserstoffe sowie die Analyse auf für die Haltbarkeit der Proben wesentliche Kriterien (Ascorbinsäure, ungesättigte Fettsäuren). Darüber hinaus wurden orientierende Untersuchungen bei Frauenmilch vorgenommen, da dieses Substrat im Rahmen der Nahrungskette besondere Bedeutung besitzt (erhebliche Rückstandsbelastung, hohe Mengenaufnahme durch den Säugling).
W. Heeschen, H. Nijhuis, A. Blüthgen, U. Bettin

Lagerfähigkeit und Lagertechnologie von pflanzenschutzmittelhaltigen Erntegutproben

Zusammenfassung
Deutlich vor Beginn des Pilotprojektes Umweltprobenbank fiel der Berliner Arbeitsgruppe innerhalb der Biologischen Bundesanstalt die Aufgabe zu, nach den Haltbarkeitsbedingungen für Pflanzenmaterial über eine überdurchschnittlich lange Aufbewahrungszeit zu suchen, wobei insbesondere die Spurengehalte organisch-chemischer Fremdchemikalien zu beobachten waren.
W. Ebing, D. Strupp

Aufbau einer Pilot-Umweltprobenbank und laufende Kontrolle der Konzentration ausgewählter Umweltchemikalien

Zusammenfassung
Das Institut für Angewandte Physikalische Chemie (ICH-4) der Kernforschungsanlage (KFA) Jülich befaßt sich seit Anfang der 70er Jahre mit Umweltanalytik und Umweltchemie. Bereits seit 1973 beteiligte es sich an einem vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) geförderten Programm, das neben der Neu- und Weiterentwicklung präziser Bestimmungsmethoden für toxische Metalle auch Beiträge zur erstmaligen Festlegung von Normalgehalten für Blei, Cadmium, Quecksilber und Nickel in Human- und Umweltmaterialien liefern sollte. Eine zunehmende Bedeutung erlangten in diesem Zusammenhang vergleichende Metallbestimmungen nach verschiedenartigen Analysenprinzipien wie Atomabsorptionsspektroskopie, Voltammetrie, Massenspektrometrie und Neutronenaktivierungsanalyse (Stoeppler und Nürnberg 1979; Nürnberg 1980; Stoeppler 1980).
M. Stoeppler, H. W. Dürbeck, J. D. Schladot, H. W. Nürnberg

Erfassung zeitlicher Konzentrationsänderungen toxischer Elemente in biologischen Proben mit Hilfe kerntechnischer Methoden

Zusammenfassung
Im Rahmen der Pilotphase des Umweltprobenbankprojektes sollte im vorliegenden Forschungsvorhaben untersucht werden, ob bei der gewählten Lagerungsart Wanderung von anorganischen Stoffen innerhalb der Probe sowie aus dem Probenbehälter in die Probe oder umgekehrt stattfindet. Hier wird auf Untersuchungen und Ergebnisse des 5jährigen Forschungszeitraumes eingegangen, in dem wir uns unter Anwendung kerntechnischer Methoden mit dem Projekt befaßt haben.
W. Bischof, B. Raith, M. Höfert, B. Gonsior

Patternanalyse der Chlorkohlenwasserstoffe in Umweltproben nach Gefrierlagerung

Zusammenfassung
Die Analyse der in den Umweltproben vorliegenden Substanzmuster persistenter Xenobiotika, das Ziel unseres Vorhabens, gibt die Möglichkeit,
1.
die erfaßten Proben hinsichtlich längerfristiger Perspektiven einer Umweltprobenbank umfassend zu charakterisieren,
 
2.
die Grundlage jeder mengenmäßigen Bestimmung von Spurengehalten auch. der zunächst unbekannten Substanzen zu geben und
 
3.
Auswahlmöglichkeiten für die Untersuchung repräsentativer Proben bei einer neuen Fragestellung in der Umweltdiskussion zu liefern.
 
U. Reuter, K. Ballschmiter

Analysenverfahren zur Erfassung von Schadstoffkonzentrationen in der Umwelt

Zusammenfassung
Im Rahmen des Pilot-Umweltprobenbank-Projekts hat das Institut für Ökologische Chemie der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung den Projekt-Teil „Analytik persistenter, organischer Umweltchemikalien“ übernommen.
F. Korte, I. Gebefügi, K. Oxynos

Kontrolle des Gehaltes an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen in verschiedenen Matrices sowie des Gehaltes an Azaarenen im Klärschlamm während der Langzeitlagerung in einer Umweltprobenbank

Zusammenfassung
In folgenden Probenarten wurde der Gehalt an PAH vor der Einlagerung und während der Langzeitlagerung untersucht: Boden, Dreikantmuschel, Gras, Humanfett, Humanleber, Karpfen, Klärschlamm (gelagert in Ahrensburg und Jülich), Laufkäfer, Pappelblätter, Braunalgen und Regenwürmer.
Die Lagerung erfolgte bei der Temperatur des flüssigen Stickstoffs oder bei 188 K. Für einige Probenarten, für die in der Literatur keine Analysenmethoden beschrieben waren, wurden Verfahren zur quantitativen kapillargaschromatographischen Bestimmung von polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH) und Azaarenen entwickelt.
Der PAH- und Azaarengehalt der untersuchten Probenarten hatte sich nach zweijähriger Lagerzeit nicht verändert.
G. Grimmer, D. Schneider, G. Dettbarn

Errichtung einer Datenbank zur Umweltprobenbank

Zusammenfassung
Das Register für Onkologische Nachsorge der Gesellschaft zur Bekämpfung der Krebskrankheiten in Nordrhein-Westfalen e. V. (GBK) im Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat im Jahre 1979 damit begonnen, im Rahmen des Pilotprojektes Umweltprobenbank sämtliche Aufgaben der Dokumentation und Datenverarbeitung wahrzunehmen.
V. Krieg, R. Wisniewski

Monitoring und Lagerung von Human-Organproben

Zusammenfassung
Aufbauend auf den Erahrungen von Voruntersuchungen über eine Tiefkühllagerung von Human-Organproben, konnte in 1980 die Fertigstellung einer weltweit in dieser Form einmaligen Einrichtung erreicht werden. Hierbei handelt es sich um eine begehbare Kühlzelle von mehr als 34 m3 Inhalt, in der die Temperatur ständig bei −80 °C bis −90 °C gehalten werden kann. Aufgrund des besonderen Verständnisses der beteiligten Firmen für die speziellen Belange dieser Einrichtung, die auch derzeit noch ohne Vorbild ist, und des besonderen Einsatzes aller) Beteiligten konnte die funktionsfähige Einrichtung bereits 1980 in Betrieb genommen werden. Auf diese Weise war es möglich, wertvolle Erfahrungen für den Dauerbetrieb zu gewinnen. Der beste Beweis für die Richtigkeit des Konzeptes und seine technische Durchführung ist die Tatsache, daß die Anlage im Dauerbetrieb ohne nennenswerte Störungen läuft.
F. H. Kemper, H. P. Bertram, R. Eckard, C. Müller

Zusammenfassende Beurteilung zum Pilotprojekt „Umweltprobenbank“ Sachstand, Schlußfolgerungen, Empfehlungen

Frontmatter

Zusammenfassende Beurteilung zum Pilotprojekt „Umweltprobenbank“ Sachstand, Schlußfolgerungen, Empfehlungen

Zusammenfassung
Als besondere Zielsetzung für das Pilotprojekt einer Umweltprobenbank in der Bundesrepublik Deutschland und dessen Beurteilung war anzusehen, ob ein solches Projekt technisch überhaupt durchführbar ist; demzufolge mußten in der Pilotphase ökosystemare Gesichtspunkte hinter den in diesem Fall wichtigeren physikalisch-technischen und chemisch-analytischen Fragestellungen zurückstehen.
N.-P. Lüpke

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