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Über dieses Buch

Die Umweltpsychologie befasst sich mit sogenannten Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen als Beziehungen zwischen der physikalisch-materiellen und soziokulturellen Außenwelt sowie menschlichem Erleben und Verhalten. Das Buch gibt einen gut strukturierten, klar verständlichen Überblick über die Themen und Entwicklungen dieser noch recht jungen Teildisziplin der Psychologie und macht deutlich, dass die Umweltpsychologie ein sehr relevantes Forschungs- und Anwendungsfeld der Zukunft ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung und Empfehlungen für das Studium

Zusammenfassung
Der vorliegende Band „Umweltpsychologie“ folgt der Philosophie der VSReihe „Basiswissen Psychologie“, in kompakter und übersichtlicher Form Wissen an Studierende der Psychologie und angrenzender Fachrichtungen zu vermitteln. Die Herausforderung für Autorinnen und Autoren besteht bei einer solchen Aufgabe stets in der Kunst des Weglassens und des Begrenzens. Dies fällt im Fall der Umweltpsychologie nicht leicht, da der Stoff umfangreich und breit gefächert ist und auch andere wissenschaftliche Disziplinen einbezieht. Wir hoffen, in diesem Buch die richtige Auswahl getroffen zu haben.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

1. Umweltpsychologie und ihre historischen Wurzeln

Zusammenfassung
In diesem Einführungskapitel werden grundlegende Begriffe sowie Sichtweisen und Paradigmenwechsel behandelt, die zum Entstehen der Umweltpsychologie beigetragen haben. Wir definieren zunächst den Begriff „Umweltpsychologie“, erläutern anschließend Begriffe wie Umwelt, Natur und Zivilisation und gehen auf die „drei Umwelten“ nach Willy Hellpach ein. Anschließend beleuchten wir historische Hintergründe der Umweltpsychologie. Wir beginnen mit den biologischen Einflüssen, von Darwins Evolutionstheorie über Uexkülls Bedeutungslehre bis Haeckels Ökologie. Anschließend behandeln wir Entwicklungen innerhalb der Psychologie, die vom amerikanischen Funktionalismus bis hin zu Barkers Behavior-Setting-Ansatz und neuen evolutionspsychologischen Erkenntnissen reichen. Zum Schluss diskutieren wir deterministische, possibilistische und transaktionalistische Denkweisen und streifen kurz die Systemanalyse als einen möglichen methodischen Zugang zu komplexen Umweltproblemen.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

2. Umweltbezogene Wahrnehmung und Kognition

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird zunächst die ökologische Wahrnehmungslehre von James Gibson mit dem psychophysikalischen Ansatz kontrastiert. Die Psychophysik steht für den molekularen („mikroskopischen“) Ansatz, der Gibsonsche für den molaren („makroskopischen“). Der erste untersucht grundlegende Eigenschaften des sensorischen Systems im „sterilen“ Labor, der zweite untersucht Wahrnehmung unter Berücksichtigung konkreter Umweltbedingungen. Für einen molaren Ansatz steht auch Edward Tolman, der das Konzept der kognitiven Karte eingebracht hat. Das Konzept der kognitiven Karte ist wichtig, wenn wir verstehen wollen, wie Menschen sich in ihrer Umwelt räumlich orientieren und wie sie Räume erinnern. In diesem Kapitel werden Sie auch erfahren, welche Merkmale das mentale Abbild einer Stadt formen. Dies alles ist nicht nur von theoretischem Interesse, sondern auch von praktischem, vor allem für Architekten und Stadtplaner.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

3. Umweltbelastungen, Stress und Gesundheit

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird der Einfluss von umweltbedingten Stressoren wie beispielsweise Lärm behandelt, aber auch andere umweltbedingte Einflussfaktoren, die Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen belasten, kommen zur Sprache. Zunächst werden Begriffe, Konzepte und Modelle zu Stress und Gesundheit dargestellt. Danach werden umweltbedingte Einflussfaktoren behandelt, die als psychische Stressoren oder direkt die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen beeinflussen. Im Einzelnen werden die Wirkungen der akustischen Umwelt auf den Menschen, die Wirkungen von Gerüchen sowie die Einwirkungen von Umweltgiften und elektromagnetischen Strahlen und Feldern auf den Menschen diskutiert. Auch Umweltsyndrome wie Multiple Chemikaliensensitivität, Sick-building-Syndrom sowie Elektrosensitivität und Elektrosensibilität werden angesprochen.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

4. Landschaft, Wetter und Klima

Zusammenfassung
Landschaft, Wetter und Klima sind Faktoren, die in hohem Maße Verhalten, Wohlbefinden und Leistung des Menschen beeinflussen. In diesem Kapitel wird zunächst der Begriff „Landschaft“ definiert, anschließend die Biophilia- Hypothese diskutiert, es werden Landschaftspräferenz-Modelle beschrieben und Untersuchungsbefunde dargestellt, welche die Wirkung von Landschaft und Natur auf den Menschen belegen. Im zweiten Abschnitt des Kapitels werden Wetter und Klima, aber auch die bioklimatologischen Wirkungskomplexe und wetterbedingte Befindlichkeitsstörungen (Wetterfühligkeit) behandelt; darüber hinaus wird auch die Wirkung von Licht auf den Menschen diskutiert sowie saisonal bedingte Einflüsse, wie die Seasonal Affective Disorder (SAD), eine bipolare affektive Störung, die von den Lichtbedingungen ausgelöst wird. Die möglichen Auswirkungen von Hitze auf Stimmung und Verhalten, die sog. Hitze-Aggressions-Hypothese, werden abschließend erörtert.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

5. Umweltrisiken und Umweltkatastrophen

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wollen wir uns mit Umweltrisiken, Umweltgefahren und Umweltkatastrophen befassen. Risiken und Gefahren lauern in der gesamten Umwelt, der natürlichen, der technischen und auch der sozialen Umwelt. Auf letztere gehen wir jedoch an dieser Stelle nicht ein. Wir befassen uns in diesem Kapitel vorrangig mit natürlichen und technischen Umweltrisiken, Umweltgefahren und Umweltkatastrophen. Dabei arbeiten wir die psychologischen Unterschiede heraus, die zwischen beiden Arten von Risiken bestehen. Risiken sind per se eine Frage von Ungewissheit und Wahrscheinlichkeit. Daher gehen wir zunächst auf die Implikationen von Ungewissheit auf Erleben, Urteilen und Handeln ein und diskutieren abschließend das Erleben und Verhalten von Menschen während einer Katastrophe und danach. Zuerst stellt sich aber die Frage, was unter den Begriffen Risiko, Gefahr und Katastrophe zu verstehen ist.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

6. Raum und gebaute Umwelt

Zusammenfassung
Von der Wiege bis zur Bahre lebt der Mensch in einer von ihm gebauten und gestalteten Umwelt („Kulturlandschaft“): Krankenhäuser, Wohnhäuser, Schulen, Universitäten, Seniorenheime, Kirchen, öffentliche Plätze, Straßen – all dies sind Beispiele für eine gebaute Umwelt. Auch die Natur wird in den allermeisten Fällen gestaltet, z. B. durch Parks oder Naherholungsgebiete, durch die Wege verlaufen, in denen Bänke und Schutzhäuser stehen, in denen Hochsitze ebenso aufgestellt sind wie Futterkrippen für Wildtiere. Vom Menschen unbeeinflusste Wildnis wird immer seltener. In diesem Kapitel geht es daher um die Frage, wie die gebaute und gestaltete Umwelt auf ihn wirkt und wie man sie so gestalten kann, dass sie im Sinne der Salutogenese körperlichseelisches Wachstum des Menschen ermöglicht. Dazu werden zunächst die umweltpsychologischen Grundlagen vermittelt. Diese werden sodann auf die drei zentralen Felder gebauter Umwelt angewandt: Wohnen, Arbeiten/Lernen und Mobilität. Spezifische Umwelten werden abschließend genannt. Bei all diesen Feldern kommen aus der Umweltpsychologie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Auswirkungen gestalterische Entscheidungen haben, und es können Empfehlungen für die Praxis abgeleitet werden.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

7. Werte, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden zunächst Werte und der Wertewandel von materialistischen zu postmaterialistischen Werten mit seinen möglichen Ursachen betrachtet. Im Zuge dieses Wertewandels hat der Umweltschutz deutlich an Anerkennung gewonnen, wie die Forschung zum „Umweltbewusstsein“ mit seinen unterschiedlichen Bedeutungsumfängen zeigt. Doch sind die Anerkennung ökologischer Probleme und die Akzeptanz von Umweltschutz als Wert nicht mit entsprechenden ökologischen Handlungsentscheidungen im Alltag gleichzusetzen. Die Situation wird noch ein wenig komplexer, weil Umweltschutz als Wert zunehmend durch das Leitbild der Nachhaltigkeit ersetzt wird. Nachhaltigkeit zielt darauf ab, ökologische Interessen in Einklang mit ökonomischen und sozialen Zielen zu bringen. Und auch hier geht es letztlich darum, dass sich Nachhaltigkeit als Wert auch im individuellen, wirtschaftlichen und politischen Handeln niederschlägt. Bei der Anerkennung von Werten und ihrer Umsetzung in alltägliches Handeln gibt es zudem Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen bzw. „Milieus“, wie die Lebensstilforschung zeigt. Daher kann weder von dem einen westlichen Lebensstil gesprochen werden, noch von der durchgängigen Akzeptanz von Umweltschutz als Wert in der Gesellschaft – zumindest in dem Moment nicht, in dem Umweltschutz mit anderen, ebenfalls sozial anerkannten Werten in Konkurrenz steht bzw. in dem es nicht nur um Einstellungen, sondern auch um Verhalten geht.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

8. Umweltschützendes Handeln

Zusammenfassung
Die Umwelt(schutz)psychologie befasst sich mit der Frage, wie sich umweltschützendes Verhalten und Handeln erklären und fördern lassen. Dazu wurde die Bedeutung und Gewichtung unterschiedlicher umweltbezogener Kognitionen und Emotionen aber auch Persönlichkeitsmerkmale überprüft. Diese Befunde werden im vorliegenden Kapitel zusammengetragen. Anschließend werden konkrete Interventionsmöglichkeiten zur Förderung nachhaltigen Handelns und Entscheidens vorgestellt. Hierfür wird ein Überblick über umweltpsychologische Interventionstechniken gegeben. Die meisten dieser Ansätze wurden unabhängig von den bedingungsanalytischen Befunden aus der Praxis heraus entwickelt. Ein alternativer Weg, der wissenschaftlich „sauberer“ ist und mehr Erkenntnisgewinn verspricht, ist die Ableitung von Interventionen aus den vorgestellten bedingungsanalytischen Befunden. Daher wird auch auf diese Möglichkeit eingegangen. Im Abschluss des Kapitels geht es um Umweltbildung als traditionelles Feld der Umweltpädagogik, die eine Vernetzung von Umweltpsychologie und Umweltpädagogik zum wechselseitigen Nutzen nahe legt.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

9. Umweltkonflikte und Umweltmediation

Zusammenfassung
Angesichts immer knapper werdender Ressourcen spielen Umweltkonflikte um Ressourcen und ihren Schutz eine immer größere Rolle (etwa über die gerechte Verteilung von Wasser, über Maßnahmen zum Schutz des Klimas, die Rodung des Regenwaldes bzw. das Abwägen von wirtschaftlichen Interessen und Interessen des Umweltschutzes zwischen und innerhalb von Staaten). Auch auf lokaler Ebene werden Konflikte, bei denen der Schutz oder die Gefährdung der natürlichen Umwelt zur Diskussion stehen, oftmals vehement ausgetragen (z. B. über den Bau einer Müllverbrennungsanlage, belastender Industrien und Kraftwerke, von Straßen, Eisenbahnlinien oder Flughäfen oder den Schutz eines Naherholungsgebiets). In diesem Kapitel werden diese Konflikte genauer betrachtet und es wird mit der Mediation ein Weg aufgezeigt, wie sich derartige Konflikte nachhaltig und kooperativ lösen lassen. Dazu werden Ziele und Prinzipien der Umweltmediation vorgestellt und ihre Ablaufphasen an einem Beispiel verdeutlicht.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

10. Professionalisierung, Gestaltung und Evaluation

Zusammenfassung
In diesem abschließenden Kapitel wird zunächst der Begriff der Professionalisierung eingeführt und auf die Umweltpsychologie als Disziplin angewandt. Zur weiteren Professionalisierung ist neben berufspolitischer Arbeit die Ausbildung umweltpsychologischer Kernkompetenzen notwendig, die deshalb theoretisch und empirisch abgeleitet und begründet werden. Diese Kompetenzen dienen dazu, die zahlreichen Gestaltungsaufgaben der Umweltpsychologie professionell einzulösen. Besonders wichtige Kompetenzen der Umweltpsychologen(innen) sind das Denken in komplexen, systemischen Zusammenhängen und ihre spezifische Methodenkompetenz. Teil der Methodenkompetenz ist, dass sie die Wirksamkeit der Interventionen mittels Evaluationsforschung überprüfen und gewährleisten. Noch arbeiten die meisten Umweltpsychologen(innen) in forschungsnahen Bereichen, doch der Bedarf an umweltpsychologischer Expertise in der Praxis steigt. Der Nachweis, dass umweltpsychologische Interventionen wirksam sind, und die steigende Nachfrage nach umweltpsychologischer Expertise stärken die Forderungen nach weiterem Ausbau umweltpsychologischer Ausbildung.
Jürgen Hellbrück, Elisabeth Kals

Backmatter

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