Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Vor Jahrzehnten noch zögerlich, später dann aber stark zunehmend, haben Aspekte des Umweltschutzes in Gesellschaft und Politik Beachtung gefunden. Dieser Prozeß läßt sich anhand der umweltschutzbezogenen Entwicklung der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis nachvollziehen. In diesen Bereichen kann man immer rigider werdende Vorgehensweisen gegenüber Unternehmen erkennen, die für den Umweltschutz im weitesten Sinne Verantwortung tragen. Für die Unter­ nehmen ist dies mit tendenziell steigenden Aufwendungen für Maßnahmen verbun­ den, denen praktisch keine Erträge gegenüberstehen, und die daher zumeist nur un­ willig und nur im unbedingt notwendigen Ausmaß getätigt werden. Die Vielfalt der­ artiger Maßnahmen ist nahezu unüberschaubar; besonders wichtig sind aber techni­ sche Maßnahmen zum Schutz von Boden, Wasser und Luft, Entwicklung und Her­ stellung umweltverträglicher und recycling-freundlicher Produkte, Aufbau von Umweltmanagementsystemen und ihre Zertifizierung. Aus der Sicht von Kreditinstituten kann es bei Firmenkunden, die ihre Kreditnehmer sind, zu Bonitätsverschlechterungen kommen, wenn die zwingend notwendigen Aufwendungen für umweltschutzbezogene Maßnahmen die finanzielle Lei­ stungsfähigkeit dieser Unternehmen überfordern. Fälle dieser Art waren vor Jahren noch sehr selten, ihre Anzahl stieg in jüngster Vergangenheit aber deutlich an. Für Kreditinstitute können sich im Firmenkundenkreditgeschäft aber auch aus den Kre­ ditsicherheiten umweltschutzbezogene Risiken ergeben, sei es aufgrund von Unver­ wertbarkeit im Bedarfsfall (Besicherungsrisiko im engeren Sinne) oder aufgrund einer Haftung, die für ein Kreditinstitut als Sicherungsnehmer in Betracht kommen kann (Besicherungsrisiko im weiteren Sinne).

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Gliederung

1. Einleitung

Zusammenfassung
Will ein Unternehmen1 langfristig im Wettbewerb bestehen, so kann es sich den Forderungen nach der Umweltverträglichkeit von Produktionsverfahren und Produkten, einem umweltschonenden Ressourceneinsatz etc., die die verschiedenen Anspruchsgruppen wie Mitarbeiter, Konsumenten, Unternehmen nachgelagerter Wirtschaftsstufen, aber auch der Staat hinsichtlich der Einhaltung der umweltrechtlichen Rahmenbedingungen an ein Unternehmen stellen, nicht entziehen. Ursprung dieser Entwicklungen war und ist das gestiegene Umweltbewußtsein in allen Teilen der Gesellschaft.2 Galt der betriebliche Umweltschutz früher häufig lediglich als ein „Lippenbekenntnis”3, so vollzog sich bereits bei zahlreichen Unternehmen ein Wandel von einem rein nachsorgenden Umweltschutz zu einem — primär auf den Produktions- und Produktbereich bezogenen — vorsorgenden Umweltschutz. Dies wird zunehmend mittels freiwillig erstellter Umweltinformationsinstrumente, wie Ökobilanzen, Umweltverträglichkeitsprüfungsberichten etc. dokumentiert. Integrierte Umweltmanagementsysteme (UMS), bei denen der Umweltschutz nicht nur als eine „Querschnittsaufgabe”4 gesehen wird, der alle unternehmensinternen Bereiche umfaßt, sondern bei denen auch Veränderungen im Unternehmensumfeld einbezogen werden, finden erst allmählich Verbreitung.5 Diese integrative Sichtweise verdeutlicht einerseits die Notwendigkeit der Betrachtung der unternehmensinternen Ursache-Wirkungsbeziehungen und den Auswirkungen des betrieblichen Produktionsprozesses auf die ökologische Umweltsphäre eines Unternehmens.
Götz Kühne

2. Aspekte des Umweltrechts

Zusammenfassung
Ziel der umweltrechtlichen Regelungen aus heutiger Sicht ist primär die Vermeidung umweltschädigenden Verhaltens, die Beseitigung bestehender Umweltschäden und daraus resultierender Gefahren sowie generell der Erhalt der Umwelt.72 Die Komplexität des Umweltrechts resultiert dabei einerseits auf nationaler Ebene aus der Vielzahl der diesbezüglichen Rechtsquellen und -gebieten73 sowie der sich abzeichnenden Entwicklungen eines allgemeinen Umweltgesetzbuches, andererseits aber auch aus der Vielzahl der umweltrechtlichen Regelungen auf europäischer Ebene, die zunehmend das deutsche Umweltrecht beeinflussen. Einen Beitrag zur Handhabung der Komplexität soll durch die Ableitung allgemeiner, rechtsgebietsübergreifender Grundprinzipien geleistet werden, die sich sowohl im nationalen Umweltrecht (de lege lata et de lege ferenda) als auch im europäischen Umweltrecht wiederfmden und zu einem grundlegenden Verständnis des Umweltrechts beitragen.
Götz Kühne

3. Umweltrisiken als ökonomische Risiken

Zusammenfassung
Wie die bisherigen Ausführungen bereits verdeutlicht haben, kann von „dem“ Umweltrisiko eines Unternehmens nicht gesprochen werden. Vielmehr handelt es sich hierbei um vielschichtige und komplexe Ursache-Wirkungszusammenhänge, die das Umweltrisikopotential eines Unternehmens determinieren. Im folgenden soll daher zunächst das Umweltrisiko ursachenbezogen nach Risikobereichen differenziert und strukturiert werden und darauf aufbauend sollen die jeweiligen Ausprägungen, d. h. die zu unterscheidenden bereichsspezifischen Einzelrisiken, verdeutlicht werden. Daran anschließend erfolgt eine allgemeine Abgrenzung des Begriffs „Umweltrisiko“ aus betriebswirtschaftlicher Sicht, die nicht nur den Besonderheiten dieses Unternehmensrisikos, sondern insbesondere den möglichen Auswirkungen auf die grundlegenden Unternehmensziele Rechnung tragen soll.475 Auf die i. R. d. Arbeit besondere Bedeutung von Umweltrisiken als unmittelbare und mittelbare bankbetriebliche Risiken wird in Kap. 3.2 eingegangen.
Götz Kühne

4. Systematische Erfassung und Bewertung von Umweltrisiken im Firmenkundenkreditgeschäft

Zusammenfassung
Bevor im folgenden auf Möglichkeiten der Erfassung und Bewertung von Umweltrisiken im Firmenkundenkreditgeschäft eingegangen wird, scheint es für den weiteren Verlauf der Arbeit zunächst sinnvoll, kurz auf die nach der Literatur zu unterscheidenden grundlegenden risikopolitischen Strategien sowie insbesondere auf die Maßnahmen zur Risikosteuerung von Ausfallrisiken einzugehen und diese zu strukturieren.550
Götz Kühne

5. Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Zusammenfassung
Faßt man die grundlegenden Kapitel zusammen, so wird deutlich, daß dem Schutz der Umwelt in unserer Gesellschaft eine durchaus hohe Bedeutung beigemessen wird. Das gestiegene und manifestierte Umweltbewußtsein führte dabei nicht nur zu Veränderungen im Konsumverhalten der privaten Haushalte und zu einer zunehmenden Kritik an Unternehmen, die als die Verursacher für Umweltschäden gelten, sondern insbesondere zu immer komplexeren umweltrechtlichen Vorschriften sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, verbunden mit einer immer restriktiver werdenden Umweltrechtsprechung. Diese Entwicklungen spiegeln sich nicht nur in dem geplanten allgemeinen Umweltgesetzbuch, im BBodSchG, sondern auch in den Bestrebungen einer verschärften Umwelthaftung auf europäischer Ebene wider. Eine Reduktion der umweltrechtlichen Komplexität gelang in der Arbeit durch die Darstellung der Grundprinzipien des Umweltrechts und der daraus resultierenden umweltrechtlichen Pflichten für Unternehmen. Obwohl Unternehmen zunehmend einen aktiven und vorsorgenden Umweltschutz betreiben, vereinzelt bereits Umweltmanagementsysteme aufgebaut haben, so stehen diese Entwicklungen doch erst am Anfang. Erhebliche Umweltschutzdefizite müssen v. a. bei kleinen und bei mittelständischen Unternehmen festgestellt werden. Insbesondere bei diesen Unternehmen kommen nicht nur umweltrechtliche Probleme zum Tragen, sondern oftmals auch Risiken, die sich aus den mit dem Umweltbewußtsein einhergehenden Veränderungen des marktlichen Umfelds ergeben, wie Produktabsatzrisiken, Kostensteigerungsrisiken, Risiken aus Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Unternehmen vor- und nachgelagerter Wirtschaftsstufen etc. Wie verdeutlicht wurde, ist eine ausschließliche Betrachtung unternehmensexterner Umweltrisikoursachen und somit umweltrechtlicher und marktlicher Risiken jedoch nicht ausreichend. Vielmehr sind standortspezifische Risiken, Betriebsrisiken sowie Managementrisiken in die Analyse von Umweltrisiken einzubeziehen. Hinsichtlich der ökonomischen Folgen von Umweltrisiken wurde teils unter Verwendung von Praxisbeispielen verdeutlicht, daß sich diese nicht nur nachhaltig negativ auf die Ertragskraft eines Unternehmens auswirken, sondern auch dessen Existenz gefährden können.
Götz Kühne

Backmatter

Weitere Informationen