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Über dieses Buch

Umweltschutzziele wie die Bewahrung der Schöpfung werden selbst in hierarchisch organisierten Gemeinschaften wie katholischen Orden auf unterschiedlichste Weise interpretiert, bewertet und verhandelt. Während manche Mitbrüder der gleichen Kommunität basierend auf einem Ziel ganz verschieden handeln, interpretieren andere es auch über geographische und nationale Grenzen hinweg sehr ähnlich. Mit der vorliegenden ethnographischen Studie werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennbar. Es zeigt sich: Das Ziel einer Gemeinschaft markiert nicht einen Weg, sondern viele. Wer religiösen Umweltschutz untersucht, sollte deswegen mehr als einen Weg bedenken – einschließlich Umleitungen und Kreuzungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Wie wird in transnationalen, religiösen Gemeinschaften bedrucktes Papier zu alltäglicher Praxis? Das Kapitel leitet in die mikrosoziologische Untersuchung der Glokalisierung von Umweltschutzzielen in katholischen Ordensgemeinschaften ein. Gefragt wird, auf welche impliziten und expliziten Wissensbestände Mitglieder des Ordens der Minderen Brüder und der Gesellschaft Jesu für die Interpretation von Umweltschutzzielen sowie für die damit verbundenen Bewertungen und Verhandlungen insbesondere in Deutschland und auf den Philippinen zurückgreifen. Die Untersuchung hilft maßgeblich zu beantworten, inwiefern in Bezug auf globale ökologische Krisen mit dem Engagement religiöser Gemeinschaften gerechnet werden kann.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 2. Forschungsstand

Zusammenfassung
Religion wurde lange vor allem innerhalb regionaler und nationalstaatlicher Zusammenhänge untersucht. Heute wird sie zunehmend als globaler oder glokaler Untersuchungsgegenstand aufgefasst (vgl. Beyer 2007). Im Forschungsfeld von Religion und Umweltschutz zeigen empirische Studien aus der Ethnologie sowie den Religions- und Sozialwissenschaften konfessionelle und lokale Besonderheiten aktivistischer Initiativen auf. Der Zusammenhang zwischen global formulierten Zielen der großen Religionsgemeinschaften, den verschiedenen Kontexten und der jeweiligen Handlungspraxis religiöser Akteure wurde jedoch nachwievor kaum untersucht. Es mangelt an explorativ-qualitativen Untersuchungen, welche die Diversität von Formen religiösen Umweltschutzes und die Dynamiken innerhalb von Gemeinschaften über Leuchtturmprojekte hinaus erhellen. Die vielfältige Forschung zur lokalen Anwendung globaler Modelle in der Organisationssoziologie sowie die damit verwandten Forschungsfelder zu Institutionalisierungsprozessen und Bewertungen helfen in begrenztem Maße, Glokalisierung von religiösen Umweltschutzzielen als Forschungsgegenstand zu erfassen.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 3. Theoretischer Rahmen

Zusammenfassung
Das Kapitel legt Gemeinsamkeiten, wechselseitige Anschlussmöglichkeiten und konzeptionelle Widersprüche der Handlungstheorien des amerikanischen Pragmatismus und der deutschen Wissenssoziologie dar. Die theoretischen Grundannahmen beider Perspektiven sind im Ergebnis ausreichend ähnlich, um sich gegenseitig zu einer fruchtbaren Forschungsperspektive zu ergänzen, anhand derer Glokalisierungsprozesse mikrosoziologisch untersucht werden können. Die drei analytisch getrennten Teilprozesse der Interpretation, der Bewertung und der Verhandlung, die den Zugang zur Empirie in dieser Untersuchung strukturieren, werden hergeleitet und erläutert.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 4. Empirische Untersuchung

Zusammenfassung
Um Glokalisierung in religiösen Gemeinschaften zu untersuchen, wendete ich mich in einer empirischen Analyse zwei katholischen Ordensgemeinschaften zu. Mit den regionalen Schwerpunkten Philippinen und Deutschland untersuchte ich die Interpretationen, Bewertungen und Verhandlungen, die mit der Übersetzung der Umweltschutzziele der Gemeinschaften auf verschiedenen Ebenen einhergehen. Ich wählte ein qualitatives Verfahren beruhend auf dem Forschungsinteresse, soziale Prozesse in den Gemeinschaften auf der Mikroebene zu analysieren.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 5. Interpretationen

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel ist der Frage gewidmet, wie Ordensmitglieder der Gesellschaft Jesu (SJ) und des Ordens der Minderen Brüder (OFM) das Ziel der Versöhnung mit der Schöpfung (SJ) bzw. der Bewahrung der Schöpfung (OFM) interpretieren. Ich zeige, dass Ordensleute eines Ordens, einer Provinz oder auch einer Kommunität dabei teilweise auf sehr unterschiedliche Wissensbestände zurückgreifen. Das Kapitel enthält die entwickelte Typik mit fünf handlungsleitenden Interpretationsvarianten, welchen zufolge die Umweltschutzziele durch Wissenschaft und Lehre, soziale Aufgaben, interne Ausbildung, Aktivismus oder Spiritualität erfüllt werden. Oft besteht ein Zusammenhang zwischen der Interpretation und der sozialen Welt der derzeitigen, zugewiesenen Kernaufgabe der Ordensleute. Gleichzeig führt die Teilhabe an einer sozialen Welt nicht zwangsläufig zu einer entsprechenden Interpretation: Manche Ordensleute interpretieren die Ziele anhand von Erfahrungen in sozialen Welten früherer Kernaufgaben oder anhand von sich synchron überlagernden Erfahrungen anderer sozialer Welten.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 6. Bewertungen

Zusammenfassung
Während das vorherige Kapitel im Schwerpunkt die implizierten Perspektiven der Ordensleute auf die Ziele fokussierte, rückt in diesem Kapitel der reflektierte Blick der Ordensleute auf das Thema in das Zentrum der Analyse. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Bewertungen mit der Glokalisierung der Ziele einhergehen. Es treten bei der Analyse explizierter Bewertungen des Ziels und seiner Entwicklung gemeinsame Wissensbestände sehr deutlich hervor. Die Kontrastierung von Bewertungsperspektiven zur Bedeutung der Ziele und ihrer Entwicklung zeigt, dass zur Konstruktion des Ziels als Ordensziel die explizite Integration in etablierte Sinnstrukturen zur Identität der Gemeinschaften vonnöten ist. Trotz der unterschiedlichen Diagnosen sehen viele Ordensleute die Ziele mit Verweis auf Tradition und Charisma des Ordens als integrale Ordensziele an. In Bezug auf die Bewertung des Ziels zeigt sich die Gemeinsamkeit von Ordensleuten mit unterschiedlichen handlungsleitenden Orientierungen also gerade in den Bewertungsmaßstäben und den Bezügen zu geteilten Sinnstrukturen mit Blick auf die Bedeutung des Ziels für den Orden, weniger in den Bewertungen hinsichtlich deren Umsetzung und Entwicklung.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 7. Verhandlungen

Zusammenfassung
In Verhandlung zwischen Ordensleuten, die einen ähnlichen Orientierungsrahmen aufweisen, werden abweichende Wissensbestände zumeist schnell harmonisiert. In Situationen formalisierter Verhandlung, die ein geteiltes Ergebnis forcieren, erfolgt Harmonisierung unterschiedlicher Perspektiven auch auf der Grundlage explizierter, geteilter Wissensbestände. Verhandlungen sind in der Tendenz besonders dann konfliktiv, wenn die aus dem Ziel abgeleiteten Handlungsimplikationen von Ordensmitgliedern andere Ordensmitglieder unmittelbar betreffen, entweder aufgrund intern aktivistischer Interpretationen oder extern aktivistischer mit Kosten für die Gemeinschaft. Überraschenderweise stoßen Interpretationen entlang des Typs der Spiritualität eher auf grundsätzliche Skepsis als die anderen Interpretationsvarianten. Ordensleute theoretisieren Erfahrungen und entwickeln und ändern Strategien zur Verbreitung ihrer Zielinterpretation. Führende Ordensleute der Provinzen sind von Vornherein mit umfassenden Entscheidungsbefugnissen bezüglich Ausbildungsund Karrieregestaltung von Mitbrüdern ausgestattet. Mit diesen Entscheidungen wird bestimmt, welche Erfahrungen Ordensleute machen (können). Es bietet sich darin für Leitende der Orden eine Chance, auf die Wissensbestände Einfluss zu nehmen, auf welche die Ordensleute der Gemeinschaften bei Interpretation und Verhandlung von Ordenszielen zurückgreifen können.
Jiska Gojowczyk

Kapitel 8. Fazit

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung belegt mit Blick auf die beiden untersuchten katholischen Ordensgemeinschaften der Gesellschaft Jesu und des Ordens der Minderen Brüder, dass sich religiöse Gemeinschaften gegenwärtig ökologischen Fragestellungen annehmen, zeigte aber auch interne Widerstände und Konfliktlinien auf. Die Arbeit schließt an die wenigen ähnlichen Versuche in der Forschung an, welche die internen Verhandlungen religiöser Gemeinschaften in den Blick nehmen. Dabei zeichnet die Arbeit insbesondere aus, den Blick auch auf die implizite und alltägliche Bedeutungsproduktion und alltägliche und/oder nicht-konfliktive Verhandlungen zu lenken. Diese Arbeit zeigt exemplarisch auf, inwiefern die geteilten Sinnstrukturen in den Ordensgemeinschaften beeinflussen, wie die Ordensleute die von ihren höchsten Entscheidungsgremien formulierten Ziele handlungsleitend interpretieren, bewerten und verhandeln. Klar wird dabei auch, dass, auch wenn religiöse Gemeinschaften Umweltschutzziele formulieren, nicht alles, was sie tun, Umweltschutz forciert. Gleichzeitig ist nicht alles, was sie tun, um Umweltschutz zu verwirklichen, genuin religiös.
Jiska Gojowczyk

Backmatter

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