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Über dieses Buch

Sabine Pabst untersucht deskriptiv Praxis und Diskurse zu anonymer Autorschaft anhand von einschlägigen Lexika und Fallbeispielen aus dem 18. Jahrhundert. Diese kontrastiert sie mit historischen und theoretischen Erörterungen etwa in der Literatur- und Rechtswissenschaft. Zudem ergänzt die Autorin ihre Analyse zu den Periodika der Aufklärung durch die Betrachtung unterschiedlicher Medien vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Da Anonymität Kommunikation ermöglicht, die sich jedweder Kontrolle entzieht, betrifft anonymes Kommunizieren auch immer Fragen der Verantwortlichkeit und Zuverlässigkeit. Die Analyse zeigt, dass anonyme Kommunikation sich nicht einfach normativ begründen lässt, weil sie – damals wie heute – sehr gegensätzliche Werte schützt oder auch angreift.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Das Phänomen anonymer Autorschaft – ein Problemaufriss

Dieses Zitat von Oscar Wilde veranschaulicht den Zusammenhang, der zwischen der Identität und dem Bekenntnis eines Autors besteht. Er wird umso wahrhaftiger und aufrichtiger sein, je unerkannter der Autor ist. Er wird sich umso freier äußern, je weniger er sich beobachtet fühlt – etwa durch einen Leser, der Zeuge seiner Aussage wird. Anonymität übernimmt hier eine Schutzfunktion für das Autorsubjekt, indem es dessen Bedürfnis stillt, sich dieser Beobachtung durch Dritte zu entziehen, die doch häufig genug Interesse an der Enttarnung von anonymen Autoren hegen.

Sabine Pabst

Kapitel 2. Anonymität und anonyme Autorschaft

Ein ‚Anonymus‘ (Plural: Anonymi/-en) ist ein „namentlich nicht genannter Autor“, während ‚Anonyma‘ „Schriften ohne Verfasserangabe“ bezeichnen und ‚Anonymität‘ das „Nichtbekanntsein, Nichtgenanntsein, Namenslosigkeit“ einer Person ausdrückt. Wortgeschichtlich geht der Begriff ‚anonym‘ auf das griechische ἀνωνυμος (,anónymos‘) zurück, was „namenlos, unbekannt“ bedeutet. Das Adjektiv ‚anonym‘ ist aus der verneinenden Vorsilbe ἀν (‚an‘) und dem griechischen Wort für ‚Namen‘ ὄνομα („ónoma“, „ónyma“) zusammengesetzt.

Sabine Pabst

Kapitel 3. Privatheit und Öffentlichkeit

Für die Erklärung von literarischer Anonymität ist der Begriff der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung. Damit verbunden und in enger Wechselwirkung miteinander stehend sind zudem der der Zensur und der der Äußerungsfreiheit. Die Zensur ist ein bedeutsamer Faktor für die Meinungs- und Pressefreiheit, indem sie die Bedingungen für das Reden und Schreiben im öffentlichen Diskurs reglementiert.

Sabine Pabst

Kapitel 4. Anonymität und die Ausdifferenzierung des Mediensystems

Im 18. Jahrhundert führten strukturelle Veränderungen dazu, dass sich die Art und Weise von öffentlicher Kommunikation wandelte. Maßgeblich verantwortlich dafür waren „die Aufklärungsbewegung, Säkularisierungstendenzen […] und das Aufkommen einer bürgerlichen Nationalliteratur“, die zu einem „Strukturwandel des literarischen Lebens“ beitrugen. Dieser Wandel grundlegender Funktionsweisen des Literatursystems beruhte auf einer intensivierten, beschleunigten und sich verdichtenden Kommunikation. Er setzte im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts ein und offenbarte seine Zugkraft im letzten Drittel vollständig. Es veränderten sich die Verfahren, mittels derer Bücher hergestellt und vertrieben wurden, mithin also die Organisation des Buchmarktes – und damit letztlich, wie Wissen zirkulierte und zugänglich gemacht wurde.

Sabine Pabst

Kapitel 5. Die Moralischen Wochenschriften aus Halle (1748-1768)

Wie bereits beschrieben, waren die – lange Zeit von der Forschung weitgehend unbeachteten – Moralischen Wochenschriften von entscheidender Bedeutung für die Verbreitung aufklärerischer Ideen und die Herausbildung des Diskurses der bürgerlichen Öffentlichkeit. Das Ziel der folgenden Untersuchung der halleschen Moralischen Wochenschriften (1748-1768) ist es, die kommunikativen Kontexte, in denen Anonymität und anonyme Autorschaft angesprochen, gelobt oder kritisiert werden, zu identifizieren und den Diskurs über Anonymität in seiner Vielfalt zu rekonstruieren. Es soll erklärt werden, welche Funktion sie – aus Sicht der Zeitgenossen – innerhalb des literarisch-moralischen Diskurses der Zeit übernahm, aus welchen Gründen sie zur Anwendung kam und welchem Zweck sie diente.

Sabine Pabst

Kapitel 6. Christoph Martin Wieland und Der Teutsche Merkur

Christoph Martin Wielands Zeitschriften Der Teutsche Merkur (1773-1789) und der Neue Teutsche Merkur (1790-1810) erschienen knapp 40 Jahre lang. Trotz schwankender Auflagenzahlen zeichneten sie sich wie kaum eine andere Zeitschrift dieser Zeit durch eine hohe Beständigkeit aus und erlangten eine große Reichweite, die Wielands „[…] Wunsch nach überregionaler Wirkung […].“ korrespondierte.

Sabine Pabst

Kapitel 7. Schlussbetrachtung und Ausblick – Unbeobachtete Kommunikation: ein zeitübergreifendes Thema

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit waren die negativen Assoziationen und Vorbehalte, die in Verbindung mit dem Begriff der Anonymität häufig geweckt werden – wie Kinderpornografie, Volksverhetzung und politischer Extremismus, Kriminalität ganz allgemein. Es gilt scheinbar: Wer nichts zu verbergen hat, hat keinen echten Bedarf an Anonymität. Die systematische Untersuchung des Phänomens über historische Zeiträume, verschiedene Medien und Gattungen hinweg hat auch keineswegs nur positive, im Sinne des Gemeinwohls wünschbare Eigenschaften von Anonymität gezeitigt.

Sabine Pabst

Backmatter

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