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Ungleichheit, Individualisierung, Lebenslauf

Zur Aktualität Peter A. Bergers

  • 2021
  • Buch

Über dieses Buch

Zur Ehrung des 2018 verstorbenen Peter A. Berger werden die Wirkungsgeschichte und die heutige Bedeutung seiner soziologischen Arbeiten dargestellt. Dabei kommen ehemalige KollegInnen zu Wort, die ihre jeweils eigenen Schlussfolgerungen und von Peter A. Berger beeinflussten Arbeitsgebiete der Sozialstrukturanalyse sowie neue Forschungsergebnisse vorstellen. Das Buch dient sowohl dem Kennenlernen der Soziologie Peter A. Bergers, als auch der Einordnung seines Wirkens in die Soziologie sozialer Ungleichheit. Es spannt den Bogen zwischen Bergers wirken, der Bedeutung seiner Arbeiten für die deutsche Sozialstrukturanalyse und der sich daraus ableitenden Bedeutung für aktuelle und zukünftige Forschung in dieser Disziplin.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Einleitung: ‚We are structure‘ – der Einfluss Peter A. Bergers auf drei Jahrzehnte der Sozialstrukturanalyse in Deutschland

    Rasmus Hoffmann, André Knabe, Christian Schmitt
    Das Kapitel widmet sich dem Einfluss von Peter A. Berger auf die Sozialstrukturanalyse in Deutschland. Berger, ein renommierter Soziologe und Forscher, hat durch seine wissenschaftliche Arbeit und seine Rolle als Mentor und Kollege maßgeblich zur Entwicklung der Ungleichheitsforschung in der deutschen Soziologie beigetragen. Das Kapitel reflektiert seine theoretischen und empirischen Arbeiten, insbesondere seine Konzepte der 'Entstrukturierten Klassengesellschaft' und 'Individualisierung'. Es wird auch seine Bedeutung für die Integration verschiedener Perspektiven auf Ungleichheit und die Offenheit gegenüber neuen Themenfeldern hervorgehoben. Darüber hinaus wird die Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen durch Kollegen und Freunde sowie die Bedeutung seiner Arbeiten für die zeitgenössische Ungleichheitsforschung beleuchtet. Das Kapitel schließt mit einer Diskussion über aktuelle Themenfelder und Entwicklungen in der Ungleichheitsforschung, die ohne Bergers Arbeiten so nicht entstanden wären.
  3. Ungleichheit, Individualisierung, Lebenslauf: Zur Aktualität Peter A. Bergers

    1. Frontmatter

    2. Zwei Forschungsarbeiten Peter Bergers im Kontext der Geschichte der Sozialstrukturanalyse

      Christoph Weischer
      Der Fachbeitrag beleuchtet die Entwicklung der Sozialstrukturanalyse in Deutschland und deren theoretische sowie empirische Konzepte. Es wird die Geschichte der Sozialstrukturanalyse von den frühen Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis zu den aktuellen Forschungstrends nachgezeichnet. Besondere Aufmerksamkeit wird den theoretischen Konzepten geschenkt, die die Sozialstrukturanalyse geprägt haben, darunter Zeitordnungen, Theorieordnungen und Entwicklungstheorien. Die empirische Sozialstrukturanalyse wird ebenfalls umfassend behandelt, wobei Datenstrukturen und zentrale Forschungsthemen und -zusammenhänge untersucht werden. Der Beitrag hebt hervor, wie die Sozialstrukturanalyse sich von einer ‚Wissenschaft ohne Labore‘ zu einer institutionalisierten Disziplin entwickelt hat und welche Rolle die Datenstrukturen und Forschungsthemen dabei gespielt haben. Die Arbeit von Peter Berger wird als Beispiel für die Entwicklung der Sozialstrukturanalyse herangezogen und detailliert analysiert, wobei sowohl theoretische als auch empirische Aspekte beleuchtet werden. Insgesamt bietet der Beitrag einen umfassenden Überblick über die Geschichte und die aktuellen Trends der Sozialstrukturanalyse in Deutschland und zeigt auf, wie sich die Disziplin im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat.
    3. Ungleichheitssemantiken im Wandel Anregungen für eine Soziologiegeschichte sozialer Ungleichheit im Werk Peter A. Bergers

      Danny Otto
      Das Kapitel widmet sich der Entwicklung und Verbreitung von Ungleichheitssemantiken im Werk Peter A. Bergers. Berger wird als Pionier in der Ungleichheitssoziologie hervorgehoben, da er früh wichtige Akzente in der Ungleichheitssoziologie gesetzt hat. Das Kapitel verfolgt zwei Argumentationslinien: Erstens wird auf eine Forschungslücke in der Soziologiegeschichte hingewiesen, die bisher kaum soziologische Ungleichheitsbeschreibungen analysiert hat. Zweitens wird Bergers Forschung zu Ungleichheitssemantiken detailliert betrachtet, insbesondere seine Unterscheidung zwischen kategorial-exklusiven und graduell-quantitativen Deutungen sozialer Ungleichheit. Diese Unterscheidung wird als heuristisches Werkzeug für die Soziologiegeschichte vorgestellt, um die historischen Entwicklungen und Kontexte soziologischer Ungleichheitsbeschreibungen zu verstehen. Das Kapitel schließt mit der Betonung der Notwendigkeit einer reflexiv-kritischen, geschichts- und kontextbewussten Analyse soziologischer Ungleichheitsdeutungen, um die politische und gesellschaftliche Relevanz dieser Beschreibungen zu erfassen.
    4. Benennungs- und Repräsentationsmacht mit Beteiligung der Soziologie

      Eva Barlösius
      Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Ungleichheitssoziologie bei der Beschreibung und Visualisierung sozialer Ungleichheiten. Es betont die Notwendigkeit, die Ungleichheitssemantiken und ihre historischen Entwicklungen zu analysieren, um die sozialen Ungleichheiten besser zu verstehen. Der Text untersucht, wie soziale Ungleichheiten durch Metaphern und Bilder dargestellt werden und welche Macht die Ungleichheitssoziologie in diesem Kontext besitzt. Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung der Ungleichheitssemantiken und deren Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Darstellung von Ungleichheiten. Der Text schließt mit der Betonung der Notwendigkeit, die Ungleichheitssoziologie als mächtigen Akteur im Ungleichheitsgeschehen zu begreifen und zu analysieren.
    5. Das Werk Peter A. Bergers und die subjektorientierte Soziologie

      Stefan Hradil
      Das Werk Peter A. Bergers und die subjektorientierte Soziologie ist ein umfassendes Kapitel, das die vielfältigen Facetten des Schaffens von Peter A. Berger beleuchtet. Berger, der stets als Sozialstrukturanalytiker tätig war, hat auf diesem Feld eine breite Palette von Themen bearbeitet, von theoretischer und empirischer Sozialstrukturanalyse bis hin zur Verwendung sowohl quantitativer als auch qualitativer Methoden. Sein Werk spiegelt die Öffnungsprozesse der Sozialstrukturanalyse seit den 1970er Jahren wider und hat maßgeblich zur Entwicklung der subjektorientierten Soziologie beigetragen. Diese Perspektive betont die Bedeutung der Probleme der Menschen und die Notwendigkeit, diese durch eine Vielfalt von Theorien und Methoden zu bearbeiten. Der Text hebt hervor, dass die subjektorientierte Soziologie eine multiparadigmatische Herangehensweise erfordert und damit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung von Segmentierungen in der deutschen Soziologie leisten kann. Die Analyse der Werke Bergers und die Diskussion über die subjektorientierte Soziologie bieten wertvolle Einblicke in die Entwicklung und die Herausforderungen der modernen Soziologie.
  4. Anknüpfungspunkte und Erweiterungen der Ungleichheitsforschung

    1. Frontmatter

    2. Neue Generationen in der Sozialstruktur? Eine empirische Analyse der Fußabdrücke der Generation Y im Übergang in das Erwachsenenalter

      Dirk Konietzka, Tom Hensel
      Das Kapitel untersucht die empirischen Unterschiede zwischen den Generationen Y und X im Übergang in das Erwachsenenalter. Es analysiert, ob die Generation Y spezifische Merkmale aufweist, die sie von früheren Generationen unterscheiden. Dabei werden sowohl das Timing von Lebensereignissen als auch die Normen des idealen Alters für verschiedene Übergänge im Lebenslauf betrachtet. Die Analyse basiert auf Daten des European Social Survey und zieht Vergleiche zwischen verschiedenen Jahrgängen und Bildungsgruppen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Generation Y keine spezifischen, generationenprägenden Merkmale aufweist, sondern eher Teil eines längerfristigen Trends ist. Die Studie kritisiert auch die mangelnde theoretische und empirische Fundierung der populären Generationendiskurse und hebt die Bedeutung der zeithistorischen Umstände für die Ausbildung von Generationen hervor.
    3. Lebenschancen in ländlichen Räumen: Gelegenheitsstrukturen als Dimension sozialer Ungleichheit

      André Knabe, Sylvia Keim-Klärner, Andreas Klärner, Claudia Neu
      Das Kapitel beleuchtet die Bedeutung räumlicher Gelegenheitsstrukturen für soziale Ungleichheit in ländlichen Räumen. Es stellt verschiedene Forschungsprojekte vor, die sich mit der Entwicklung und den Herausforderungen in ländlichen Gemeinden beschäftigen. Diese Projekte zeigen, wie unterschiedliche Zugänge zu Infrastrukturen und Dienstleistungen die Lebenschancen der Menschen beeinflussen. Ein zentraler Begriff ist dabei der der 'räumlichen Gelegenheitsstrukturen', der die räumliche Verteilung von Vor- und Nachteilen beschreibt. Die Studien zeigen, dass Handlungsmöglichkeiten und -ergebnisse stark von der Verfügbarkeit dieser Strukturen abhängen. Besonders interessant ist die Analyse der Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen für vulnerable Gruppen wie Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie räumliche Ungleichheiten soziale Benachteiligung verstärken und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um diese Ungleichheiten zu reduzieren.
    4. Prekäre Arbeit, prekäre Anerkennung, prekäre Lebensverhältnisse – Zur erweiterten Analyse vergeschlechtlichter Ungleichheiten in pandemischen Zeiten

      Christine Wimbauer, Mona Motakef
      Das Kapitel beleuchtet die tiefgreifenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf prekäre Beschäftigung und Anerkennung. Es zeigt, wie die Pandemie bestehende soziale Ungleichheiten verstärkt und neue Ungleichheiten schafft. Besonders betroffen sind prekär Beschäftigte, die oft in systemrelevanten Berufen arbeiten, aber wenig Anerkennung und materielle Sicherheit erfahren. Die Analyse untersucht auch die vergeschlechtlichten Aspekte der Prekarität, wobei Frauen häufig unbezahlte Sorgearbeit leisten und kaum anerkannt werden. Das Kapitel plädiert für umfassende Politiken zur Entprekarisierung und eine grundlegende soziale Sicherung, um die prekären Lebensverhältnisse zu verbessern.
    5. Woher bezieht die Soziologie sozialer Ungleichheit die (heiße) Relevanz ihres Themas und die Definition „sozialer Ungleichheit“? Die Enklave „Jedem nach seinen Bedürfnissen“ und die „allgemeine Klasse“ soziologischer „Staatsbeamter“

      Johann Behrens
      Das Kapitel beleuchtet die Relevanz und Definition der sozialen Ungleichheit in der Soziologie und zeigt, dass die Norm 'Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen' nicht nur eine kommunistische Forderung ist, sondern tief in allen Gesellschaften verankert ist. Experimente zeigen, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene eine Gleichverteilung von Glücksgütern bevorzugen. Die Autoren argumentieren, dass die skandalisierbare Natur sozialer Ungleichheit aus der Enklave 'Jedem nach seinen Bedürfnissen' stammt, die besonders im Gesundheitswesen sichtbar wird. Historisch gesehen findet sich diese Norm bereits bei den hippokratischen Wanderheilern und wurde später in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen adaptiert. Die Autoren untersuchen auch die Operationalisierungsprobleme und die Rolle von Gutachtern in der Bestimmung von Bedürfnissen. Der Text bietet eine umfassende Analyse der historischen und theoretischen Hintergründe der sozialen Ungleichheit und ihrer Relevanz in modernen Gesellschaften.
  5. Perspektiven der Ungleichheitsforschung und Ausblick

    1. Frontmatter

    2. Entwicklungslinien und Herausforderungen soziologischer Ungleichheitsforschung in Deutschland

      Gunnar Otte
      Das Kapitel untersucht die Entwicklung der soziologischen Ungleichheitsforschung in Deutschland seit den 1980er Jahren. Es beginnt mit einer Einleitung, die die thematischen Verschiebungen von theoretischen Diskussionen hin zu empirischer Forschung beschreibt. Die inhaltliche Ausrichtung der Ungleichheitsforschung wird anhand einer Inhaltsanalyse von Fachzeitschriften über die letzten zwei Jahrzehnte nachgezeichnet. Es werden thematische Konjunkturen, methodische Entwicklungen und theoretische Paradigmen der Ungleichheitsforschung analysiert. Besondere Aufmerksamkeit wird der Bildungsungleichheit geschenkt, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Das Kapitel identifiziert auch Forschungslücken und Herausforderungen, wie die unzureichende Untersuchung von Arbeitslosigkeit und Stadtsoziologie. Es schließt mit Empfehlungen für die zukünftige Forschung und die Notwendigkeit einer verstärkten theoretischen und methodischen Reflexion.
Titel
Ungleichheit, Individualisierung, Lebenslauf
Herausgegeben von
Prof. Dr. Rasmus Hoffmann
Dr. André Knabe
Dr. Christian Schmitt
Copyright-Jahr
2021
Electronic ISBN
978-3-658-34223-4
Print ISBN
978-3-658-34222-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-34223-4

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