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2022 | Buch

Unsere Hoffnungen, unsere Zukunft

Erkenntnisse aus dem Hoffnungsbarometer

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Über dieses Buch

Wie können wir Krisen bewältigen und die gemeinsame Zukunft gestalten?

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden wir alle vor eine immense Belastungsprobe gestellt. Dabei zeigt sich, wie die Menschheit mit solchen Situationen erfolgreich und konstruktiv umgehen und das Beste daraus machen kann. Und wir lernen, dass die Zukunft nicht etwas ist, was uns widerfährt, sondern wir diese aktiv und konstruktiv gestalten können. Grundvoraussetzung dafür ist eine Haltung der Offenheit, der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und der Hoffnung.

Dieses Sachbuch berichtet in anschaulicher Weise über die aktuell vorherrschenden Zukunftsbilder und die gemeinsamen Sehnsüchte sowie über die Hoffnungs- und Handlungsfähigkeit der Menschen. Es offenbart die Macht wünschenswerter Zukunftsbilder und einer kollektiven Hoffnung als Gegenteil von allgemeiner Hilfslosigkeit oder von blindem und naivem Optimismus.

Die zentralen Aussagen dieses Buches basieren auf Erfahrungen tausender Personen in mehr als zehn Ländern, die in den Jahren 2019 und 2020 an der wissenschaftlichen Studie des Hoffnungsbarometers teilgenommen haben. In einzigartiger Weise wird dadurch die gelebte Praxis mit den neuesten Erkenntnissen der sozialwissenschaftlichen Zukunftsforschung, der positiven Psychologie und der pragmatischen Philosophie verknüpft.

Zielgruppen:

Dieses Buch ist für alle, die hoffnungsvoll in die Zukunft blicken möchten. Es bietet konkrete Antworten auf zentrale Fragen und zeigt auf, wie Krisen überwunden werden und dabei eine bessere Zukunft für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft gestaltet werden kann.

Zum Autor:

Dr. Andreas M. Krafft unterrichtet an der Universität St. Gallen sowie an der Freien Universität Berlin. Als Co-Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung, sowie als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Positive Psychologie leitet er das internationale Forschungsnetzwerk des Hoffnungsbarometers.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einführung
Zusammenfassung
Die Ergebnisse des Hoffnungsbarometers der Jahre 2019 und 2020 skizzieren eine eher düstere Zukunft voller Krisen und zeigen die psychologischen Folgen solcher Denkszenarien auf. Möchten wir als Individuen und als Gesellschaft florieren, benötigt es Bilder der Hoffnung einer aufstrebenden Welt, die unser Engagement und den Zusammenhalt fördern. Was braucht es aber, damit die Flamme der Hoffnung für eine lebenswerte gemeinsame Zukunft entfacht werden kann, ohne dass ein naiver Optimismus die aktuellen Probleme bagatellisiert und herunterspielt? In der Hoffnung steckt der Glaube an eine bessere Welt aber auch die Anerkennung von Hindernissen und die Motivation zum Handeln. Das Buch stellt das Phänomen der Hoffnung in der Verbindung individualpsychologischer Erkenntnisse und gesellschaftlich relevanter Entwicklungen dar. Nach den psychologischen Grundlagen des Zukunftsdenkens werden die allgemeinen Erwartungen und Wünsche an die Zukunft von rund 10.000 Personen aus vierzehn Ländern vorgestellt. Die Erfahrungen während der Corona-Pandemie geben Hoffnung, denn sie zeigen wie Menschen erfolgreich mit Krisen umgehen können. Daraus leiten sich die Bedeutung und der Charakter der individuellen und gesellschaftlichen Hoffnung ab.
Andreas Krafft

Bilder der Zukunft

Frontmatter
Kapitel 2. Psychologie des Zukunftsdenkens
Zusammenfassung
Menschen, die an die Zukunft denken, gestalten ihr Leben bewusster, nachhaltiger und verantwortungsvoller. Dabei geht es nicht um die Vorhersage zukünftiger Ereignisse, sondern um die Vorausschau einer wünschenswerten Zukunft, für die man sich in der Gegenwart engagieren kann. Die Zukunft ist eine Arena vielfältiger Möglichkeiten und nicht eine lineare Abfolge vorbestimmter Ereignisse. Damit Menschen die Zukunft positiv gestalten können, müssen sie sich diese fantasievoll vorstellen, aber dann auch konkrete Ziele vornehmen und mögliche Schwierigkeiten bewältigen. Ein unrealistischer Optimismus kann zwar eine positive Stimmung erzeugen, er kann aber auch die eigenen Fähigkeiten überschätzen sowie die auftretenden Herausforderungen unterschätzen. Der Blick in die Zukunft erhält eine besondere Bedeutung, wenn wir die Vergangenheit und die Gegenwart mit unseren Zukunftsbildern sinnvoll in Verbindung bringen können. Gute und schlechte Erfahrungen prägen die Art und Weise, wie wir die Zukunft sehen und gestalten. Dabei spielen Emotionen und gesellschaftlich anerkannte Vorstellungen eine wichtige Rolle.
Andreas Krafft
Kapitel 3. Denkformen und Bilder der Zukunft
Zusammenfassung
Solange wir die Zukunft lediglich vorhersagen möchten, verpassen wir die vielfältigen Möglichkeiten zu deren aktiven und konstruktiven Gestaltung. In unserer Wahrnehmung gibt es nicht nur eine Zukunft, sondern eine Vielfalt denkbarer Zukünfte. Manche dieser Zukünfte machen uns Angst, andere geben uns Hoffnung. Die Zukunft entsteht als Folge konkreter Entscheidungen und Handlungen. Die Frage ist, worauf wir den Schwerpunkt bei der Gestaltung der Zukunft legen. Für die Verbesserung der allgemeinen Lebensweise wird die technologische Entwicklung im Lichte menschlicher Bedürfnisse und Werte beurteilt. Daher stehen die individuellen, sozialen und ökologischen Lebensbereiche im Vordergrund des Interesses. Die Zukunft ist unser gemeinsames Gut, welches wir zusammen erschaffen müssen. Sie ist nicht nur eine Fortsetzung der Vergangenheit und der Gegenwart, sondern beinhaltet Dinge, die es bisher noch nicht gegeben hat. Indem wir uns für die Zukunft einsetzen, lernen wir und engagieren uns gemeinsam für etwas Neues.
Andreas Krafft
Kapitel 4. Erwartungen an die Zukunft
Zusammenfassung
Im Hoffnungsbarometer vom Jahr 2019 wurden rund 10.000 Menschen in vierzehn Ländern auf verschiedenen Kontinenten über ihre Erwartungen und Wünsche an die Zukunft befragt. Viele Menschen gehen davon aus, dass sich die allgemeine Lebensqualität in den kommenden Jahrzehnten verschlechtern wird. Dabei sind die Menschen in reichen Ländern wie der Schweiz pessimistischer als Menschen in ärmeren Ländern wie Nigeria und Kolumbien. Vergangene Erfahrungen und gegenwärtige Erlebnisse beeinflussen die Aussichten auf die Zukunft. Mit besonderer Besorgnis werden die breiter werdende Kluft zwischen Arm und Reich sowie die Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung beurteilt. Zudem verschärfen sich die sozialen und ökologischen Probleme. Technologische Entwicklungen wie die Digitalisierung werden häufiger mit Ängsten und Sorgen als mit Hoffnungen in Verbindung gebracht. Alles in allem glaubt eine Mehrheit der Menschen insbesondere in Europa, dass es wenig Sinn macht, wie sich die Gesellschaft derzeit entwickelt.
Andreas Krafft
Kapitel 5. Mögliche und wahrscheinliche Zukünfte
Zusammenfassung
Bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien werden in der Regel vier mögliche Zukunftsbilder unterschieden: mehr desselben, technologischer Fortschritt, gesellschaftliche und ökologische Katastrophen und nachhaltige Entwicklung. Besonders in Europa glaubt mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht daran, dass mit dem wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt die aktuellen und zukünftigen Probleme und Hindernisse überwunden und ein neues Zeitalter von Nachhaltigkeit, Frieden und Wohlstand eintreten werden können. Dagegen denkt eine Mehrheit der Menschen in Ländern außerhalb Europas an die Möglichkeit eines solchen Szenarios. Allerdings sagen mehr als zwei Drittel der Menschen weltweit voraus, Phänomene wie Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung, neue Krankheiten sowie ethnische und regionale Konflikte würden eine schwere Zeit voller Krisen und Katastrophen zur Folge haben. Diese Krisen kommen nicht von außen auf die Menschheit zu, sondern werden von dieser verursacht und sind die Folge verschiedener lang andauernden Ungleichgewichte.
Andreas Krafft
Kapitel 6. Wünschenswerte Zukünfte
Zusammenfassung
Es sind nicht lediglich die aktuellen Probleme, die uns zum Handeln motivieren, sondern vielmehr die positiven Bilder einer lebenswerteren Zukunft. Die meisten gesellschaftlichen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit wurden von Visionen einer besseren Zukunft angetrieben. Den Teilnehmenden des Hoffnungsbarometers wurden zwei Szenarien vorgelegt, die sie auf einer Skala von ziemlich unerwünscht bis ziemlich erwünscht bewerten konnten. Das erste Szenario einer schnelllebigen, international wettbewerbsfähigen Gesellschaft mit Schwerpunkt auf dem Individuum, die Vermögensbildung und den technologischen Fortschritt wird von knapp 60 % der Menschen in den nicht europäischen Ländern und von lediglich 36 % der europäischen Bevölkerung als wünschenswert bezeichnet. Dagegen bewerten über 70 % aller befragten Personen das Szenario einer grüneren, harmonischeren Gesellschaft, in der der Schwerpunkt auf Zusammenarbeit, Gemeinschaft und Familie, einer gleichmäßigeren Verteilung des Reichtums und einer größeren wirtschaftlichen Selbstversorgung als ziemlich (und weitere 20 % als eher) wünschenswert.
Andreas Krafft

Krisen bewältigen

Frontmatter
Kapitel 7. Ursachen und Folgen von Krisen
Zusammenfassung
Krisen sind grundsätzlich mit Unvorhersehbarkeit, Unkontrollierbarkeit und Unsicherheit, aber auch mit Offenheit für Neues verbunden. Sie stellen, wie im Falle von Krankheit, einen Scheidepunkt dar, der entweder zu einem negativen oder zu einem positiven Ausgang führen kann. Krisen können eine vorübergehende Erscheinung sein oder die gegebenen Praktiken und Institutionen grundlegend infrage stellen. Wenn Krisen über einen längeren Zeitraum anhalten, findet meistens ein Vertrauensverlust in die bestehenden Regeln und Normen statt. Jede Krise kann als Gefahr oder auch als eine wertvolle Chance zur inneren Transformation und Erneuerung betrachtet werden. Krisen können das Bewusstsein und die Bereitschaft für die Entwicklung neuer Ideen und Lösungen schärfen. Wir haben die Wahl, ob wir Krisen mit Angst und Sorge oder mit Hoffnung und Gestaltungswillen begegnen. Ängste und Sorgen können uns wachrütteln, aber auch lähmen und falsche Reaktionen auslösen. In der Hoffnung können wir konstruktiv in die Zukunft schauen und aus der Krise etwas Gutes entstehen lassen.
Andreas Krafft
Kapitel 8. Wahrgenommener Stress
Zusammenfassung
Im Jahr 2020 wurde die gesamte Welt mit einer der schwersten Pandemien der jüngeren Geschichte konfrontiert. Psychologisch gesehen werden die Folgen solcher Krisen als unvorhersehbar, unkontrollierbar und belastend wahrgenommen, was wesentliche Ursachen für Stresssymptome wie Nervosität, innere Unruhe und Überlastung darstellen. Aufgrund ihrer Erfahrungen, Lebenssituation und Bewältigungsmöglichkeiten erleben Menschen solche Ereignisse allerdings sehr unterschiedlich. Im November 2020 wurde bei rund 10.000 Menschen aus dreizehn Ländern das durch die Corona-Maßnahmen ausgelöste Stressempfinden untersucht. Auch wenn viele Menschen insbesondere in Ländern wie Spanien, Kolumbien, Indien und Portugal über ein stark ausgeprägtes Stressniveau berichtet haben, wies die Mehrheit der Bevölkerung trotz der alltäglichen Unsicherheit und Belastung auf eine erstaunliche Resilienz in der Krise hin. Junge Leute, Frauen sowie alleinstehende Personen fühlten sich von Maßnahmen wie dem Lockdown, dem Distance-Learning und dem Homeoffice überdurchschnittlich stark gestresst, konnten aber größtenteils auch positiv damit umgehen.
Andreas Krafft
Kapitel 9. Bewältigungsstrategien von Stress
Zusammenfassung
Die Art und Weise, wie Menschen mit einer Krise umgehen, nennt man in der Psychologie Bewältigungsstrategien. Jeder Mensch besitzt verschiedene Möglichkeiten und Ressourcen für den Umgang mit einer Krise. Dabei kann zwischen problemfokussierten, emotionsfokussierten und dysfunktionalen Bewältigungsformen unterschieden werden. Die rund 10.000 befragten Personen konnten im Jahr 2020 an erster Stelle emotionsfokussierte Bewältigungsstrategien wie Akzeptanz der Situation und positive Neubewertung anwenden. Diese halfen bei der Lösung unerwarteter Probleme und schwieriger Situationen durch eine bewusste und aktive Selbststeuerung, Planung und Bewältigung. In Ländern außerhalb Europas waren soziale Unterstützung und religiöse Praktiken viel stärker ausgeprägt als in Europa. Frauen konnten etwas besser als Männer positiv auf die belastenden Situationen reagieren und die Unterstützung von anderen Personen annehmen. Nur eine Minderheit der Bevölkerung griff auf negative Praktiken wie Selbstvorwürfe, Alkoholkonsum, Verneinung und Desinteresse zurück.
Andreas Krafft
Kapitel 10. Hoffnung in der Krise
Zusammenfassung
Für die Bewältigung der Krise hat das Phänomen der Hoffnung eine besondere Bedeutung. Von den Ende 2020 befragten Personen gaben mehr als drei Viertel an, Hoffnung sei wichtig für ihr Leben. Zudem berichtete mehr als die Hälfte, dass in ihrem Leben die Hoffnungen gegenüber den Ängsten überwiegen und sie auch in schwierigen Zeiten hoffnungsvoll bleiben können. Anders als die Hoffnung in Bezug auf gesellschaftliche Zusammenhänge ist die Hoffnung in Bezug auf das eigene Leben in allen Ländern überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Menschen in Ländern außerhalb Europas (z. B. Nigeria, Israel, Indien, Südafrika) fühlen sich hoffnungsvoller als Menschen in Europa. Mit dem Alter nimmt die Hoffnungsfähigkeit kontinuierlich zu. Obwohl Frauen in 2020 eine höhere Stressbelastung erlebt haben, unterscheidet sich ihr Hoffnungsniveau nicht von dem der Männer. Die wichtigsten Quellen von Hoffnung sind die Unterstützung von Familie und Freunden, schöne Erlebnisse in der freien Natur und die Erfahrung, Gutes zu tun für einen sinnvollen Zweck. Menschen in nicht europäischen Ländern schöpfen vermehrt Hoffnung im Glauben an Gott und im Gebet.
Andreas Krafft
Kapitel 11. Stressbedingtes Wachstum
Zusammenfassung
Menschen, die eine stressige Situation im Leben erfolgreich bewältigt haben, können an den gemeisterten Herausforderungen das Phänomen des persönlichen Wachstums erleben. Nebst den vielen Belastungen und Ärgernissen haben infolge der Corona-Pandemie viele Menschen ebenso etliche positive Erfahrungen gemacht. Sie haben sich selbst und ihre eigenen Stärken besser kennengelernt und dadurch an Selbstvertrauen gewonnen. In vielen Fällen hat der fürsorgliche und hilfsbereite Umgang mit anderen Menschen eine neue Qualität in die sozialen Beziehungen gebracht. Es wurde erkannt, wie wichtig es ist, auf die Unterstützung anderer Menschen zählen zu können und selber auch für andere da zu sein. Viele Menschen, vor allem in den nicht europäischen Ländern, entwickelten ein Gefühl der sozialen Zugehörigkeit und einer dankbaren Wertschätzung gegenüber den vielen kleinen guten Dingen im Leben. Es ist diese Art von Erfahrungen, die uns hoffnungsvoll stimmt und uns positiv in die Zukunft blicken lässt.
Andreas Krafft

Zukunft gestalten

Frontmatter
Kapitel 12. Was ist Hoffnung?
Zusammenfassung
So wie Angst und Sorge ist auch die Hoffnung ein allgegenwärtiges und vielschichtiges Phänomen. Einerseits richtet sich die Hoffnung auf konkrete Wünsche und Ziele. Andererseits haben wir auch ein unspezifisches und grundlegendes Gefühl der Hoffnung im Leben, mit dem wir schwierige Situationen besser meistern können. Durch positive Gewohnheiten und Praktiken können wir unsere Hoffnung stärken. Hoffnung dient als Fundament für die persönliche Bereitschaft und Fähigkeit, sich zu engagieren und etwas zu unternehmen. Gleichzeitig beruht Hoffnung auf der Anerkennung unserer eigenen Grenzen und der Notwendigkeit, auf andere Menschen zu vertrauen. Zu den sechs wesentlichen Elementen der Hoffnung gehören 1. der Wunsch nach einem wertvollen Gut, 2. konkrete Ziele und Ideale, 3. der Glaube an neue Möglichkeiten, 4. das Bewusstsein über auftretende Schwierigkeiten, 5. das Vertrauen in eigene und fremde Fähigkeiten und 6. die Willenskraft zur Überwindung von Hindernissen und zur Verwirklichung unserer Hoffnungen.
Andreas Krafft
Kapitel 13. Zwischen Hoffnungslosigkeit und Optimismus
Zusammenfassung
Den lebensnotwendigen Wert der Hoffnung erkennt man vor allem, wenn man mit Situationen der Hoffnungs-, Hilfs- und Mutlosigkeit konfrontiert wird. Angst und Sorge können Menschen aufrütteln, aber auch lähmen oder zu selbstsüchtigen Egoisten werden lassen. Hoffnung unterscheidet sich auch von weiteren Phänomenen wie das Wunschdenken und dem Aktionismus. Während das Wunschdenken an einem Mangel an Verantwortung und Engagement leidet, fehlt dem Aktionismus das Bewusstsein über die Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit. In der Hoffnung erkennen wir unsere eigenen Stärken an und werden uns bewusst, wie wichtig der Zusammenhalt und die Kooperation mit anderen Menschen sind. Hoffnung kann auch nicht mit positiven Erwartungen und einem unrealistischen Optimismus gleichgesetzt werden. Menschen hoffen nicht, weil sie erwarten, dass alles gut wird, sondern weil sie sich der Probleme und Schwierigkeiten bewusst sind und trotzdem ihre Wünsche und Ziele nicht aufgeben. Während der unrealistische Optimismus uns blenden kann, gibt uns die Hoffnung Mut und Kraft, etwas zu unternehmen.
Andreas Krafft
Kapitel 14. Wie wir hoffen
Zusammenfassung
In der Hoffnung wohnen die Gabe der mentalen Vorstellungskraft, der Glaube an die Möglichkeiten der Zukunft, das Vertrauen in uns selbst und in andere sowie die motivierende Energie der Willenskraft und des Engagements inne. Mit unserer Fantasie können wir uns eine andere Zukunft als die aktuelle Realität vorstellen und danach streben. Die Fähigkeit, uns etwas vorstellen zu können, was noch nicht existiert, ist die Voraussetzung für persönliche und gesellschaftliche Veränderungen. Der Glaube an neue und bisher ungeahnte Möglichkeiten zur Verwirklichung unserer Wünsche verleiht uns die Kraft, uns dafür zu engagieren. In dieser Hinsicht ist der Glaube stärker als das Wissen über bekannte Fakten. Indem wir hoffen, schenken wir uns selber wie auch anderen Menschen das Vertrauen in unsere und ihre Fähigkeiten, Stärken und Fürsorge. Das in der Hoffnung lebende Vertrauen ist ein Ausdruck von Wertschätzung, Gemeinschaft und Solidarität. Selbstwert und Selbstbewusstsein verbinden sich mit der Anerkennung unserer Verletzlichkeit und gegenseitigen Hilfebedürftigkeit.
Andreas Krafft
Kapitel 15. Was wir hoffen
Zusammenfassung
Unsere Wünsche und Hoffnungen sind ein Ausdruck unserer Werte, Bedürfnisse, Sehnsüchte und Interessen. Daher lautet die erste Frage nicht „Was dürfen wir hoffen?“, sondern „Was wollen wir hoffen?“ Mit unseren Hoffnungen bestimmen wir die Prioritäten in unserem Leben und entscheiden uns dafür, was uns wichtig und wertvoll ist. Zu den wichtigsten Hoffnungen der Menschen gehören eine gute Gesundheit, eine glückliche Familie, Ehe oder Partnerschaft, Harmonie im Leben, gute soziale Beziehungen, Selbstbestimmung sowie eine sinnerfüllende Aufgabe. Lernen und persönliches Wachstum wie auch Erfolg, Leistung und Karriere sind für junge Leute vor allem in aufstrebenden Ländern von besonderer Bedeutung. Bei der Vorstellung ihres bestmöglichen Selbst denken junge Erwachsene in der Schweiz kaum an materielle Güter und finanziellen Erfolg. Im Vordergrund stehen erneut Werte wie Harmonie, Wohlbefinden, Work-Life-Balance, eine glückliche Familie, freundschaftliche Beziehungen sowie eine erfüllende Tätigkeit für einen sinnvollen Zweck.
Andreas Krafft
Kapitel 16. Die soziale Dimension der Hoffnung
Zusammenfassung
Hoffnung ist ein eminent soziales Phänomen. Wir hoffen am stärksten, wenn wir uns mit anderen Menschen verbunden fühlen, wenn wir mit und für andere Menschen hoffen und uns von anderen Menschen getragen und unterstützt fühlen. Einsamkeit ist dagegen der größte Feind der Hoffnung. Menschen, die sich in ihren Hoffnungen allein gelassen, nicht ernst genommen oder sogar abgelehnt fühlen, berichten über signifikant geringere Hoffnungswerte und leiden überdurchschnittlich stark an Zukunftsängsten und Depressionen. Hoffnung gedeiht im Gefühl der Geborgenheit, des Vertrauens und der Zugehörigkeit zu einer Gruppe von gleichgesinnten Menschen, die von Wertschätzung, Mitgefühl, Solidarität und gegenseitiger Hilfsbereitschaft gekennzeichnet ist. Unsere Hoffnungsfähigkeit wird nicht nur durch die Fürsorge und Unterstützung anderer gestärkt. Sie gedeiht ebenso durch unsere eigene Bereitschaft, für andere zu hoffen und ihnen in schwierigen Zeiten Mut und Selbstvertrauen zu vermitteln. Indem wir anderen Menschen tatkräftig zur Seite stehen, wenn sie uns brauchen, beflügeln wir unsere eigene Hoffnung und die der anderen.
Andreas Krafft
Kapitel 17. Gesellschaftliche Hoffnung
Zusammenfassung
Gesellschaftlicher Fortschritt, dies zeigt die Geschichte der Menschheit, wird durch gemeinsame Visionen einer besseren Welt und die pragmatische Hoffnung auf die individuelle und kollektive Gestaltbarkeit der Zukunft getragen. Auf der einen Seite braucht es klare Vorstellungen darüber, wie sich die Gesellschaft entwickeln soll. Anstatt dystopische Bilder einer zerfallenden Erde brauchen wir mehr realistische Utopien einer florierenden Welt. Um nicht in Mutlosigkeit und Ohnmacht zu verfallen, müssen diese Utopien mit der pragmatischen Vorstellung verbunden sein, dass wir die Welt, die wir uns wünschen, gemeinsam gestalten können. Gemeinschaften kollektiver Hoffnung werden durch geteilte Bilder einer wünschenswerten Zukunft und durch den Glauben an die Machbarkeit dieser Wünsche zusammengehalten. Solche Gemeinschaften der Hoffnung finden sich beispielsweise in gemeinnützigen und ehrenamtlichen Organisationen und Vereinen, die das Gemeinwohl zum Ziel haben und vom Engagement sowie von der gegenseitigen Unterstützung und dem Vertrauen ihrer Mitglieder untereinander leben.
Andreas Krafft
Kapitel 18. Die wünschenswerte Welt junger Erwachsener
Zusammenfassung
Die Gestaltung der bestmöglichen Welt beginnt mit einer mentalen Reise in die Zukunft, bei der die persönliche Vorstellungskraft zur gedanklichen Überwindung aktueller Hindernisse und Probleme eingesetzt wird. Man entwirft in Gedanken die unterschiedlichen Lebenswelten wie Arbeit, Familie, Umwelt, Bildung, soziale Beziehungen etc. so, wie sie in 20–30 Jahren gemäß der eigenen Werte und Ideale aussehen sollen. Junge Universitätsstudenten geben offen Auskunft über ihre Zukunftsängste und -sorgen und skizzieren eine für sie bestmögliche Welt, in der sie leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen möchten. Sie geben darüber Auskunft, was ihnen besonders wichtig ist, wie in ihren Augen sozialer und technologischer Fortschritt stattfinden soll und wie die Menschen zusammenleben und mit der Umwelt in Beziehung treten sollen. Die aktive Skizzierung einer bestmöglichen Welt lässt die Menschen verschiedene Register ziehen: Mentale Visionen werden von einem Cocktail an Gefühlen sowie von Selbstreflexion, grundsätzlichen Fragestellungen und einem energiegeladenen Tatendrang begleitet.
Andreas Krafft
Kapitel 19. Hoffnungsvoll leben
Zusammenfassung
Nebst den besonderen Wünschen und Idealen, auf die wir hoffen, besteht im Leben auch eine allgemeine, fundamentale oder radikale Hoffnung, die besonders in Zeiten der Krise, der Ungewissheit und der Orientierungslosigkeit von existenzieller Bedeutung ist. Diese fundamentale Hoffnung unterscheidet sich von konkreten Hoffnungen darin, dass sie sich nicht an der Verwirklichung konkreter und spezifischer Ziele orientiert. Die fundamentale Hoffnung richtet sich auf das Leben als Ganzes und ist unabhängig von der Verwirklichung einzelner Wünsche. Sie bezieht sich auf die innigste Sehnsucht nach einem guten, glücklichen und erfüllten Leben.
Andreas Krafft
Kapitel 20. Hoffnung entfalten
Zusammenfassung
Unser Leben, so wie wir es im Alltag leben, wird von bewussten und unbewussten Gewohnheiten bestimmt. Diese Gewohnheiten spiegeln unsere Vorlieben und bisherigen Erfahrungen wieder. Sie entstehen im sozialen Kontext der Familie, der Freunde, der Schule und der Arbeit und entwickeln sich zu allgemeinen und oft unhinterfragten Selbstverständlichkeiten. Leider sind nicht alle unsere Gewohnheiten positiv und vorteilhaft für ein gelungenes und erfülltes Leben. Phänomene wie negative Gedanken, Vorurteile, Sorgen, Kritik und mangelndes Selbstvertrauen werden häufig zu hemmenden und nahezu unüberwindbaren Gewohnheiten, die unsere Sicht in die Zukunft und unsere Hoffnung trüben. Diese gilt es zu überwinden und durch positive Gewohnheiten zu ersetzen. Zu den Gewohnheiten der Hoffnung gehören Offenheit für Neues, Einfallsreichtum, Mut, Entschlossenheit, Engagement, Ausdauer aber auch Geduld, Solidarität und Hilfsbereitschaft und vor allem der Glaube an das Gute im Menschen und das Vertrauen in uns selbst und in andere.
Andreas Krafft
Backmatter
Metadaten
Titel
Unsere Hoffnungen, unsere Zukunft
verfasst von
Andreas Krafft
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-64289-4
Print ISBN
978-3-662-64288-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-64289-4

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