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2022 | Buch

Unsere Wirtschaft ethisch überdenken

Eine Aufforderung

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Über dieses Buch

Es läuft ganz und gar nicht rund in unserer Wirtschaft: Kam bereits vor der Pandemie der Wohlstand nicht mehr bei allen an, wurde die soziale Ungleichheit durch Corona noch weiter verschärft. Von Bildungsgerechtigkeit konnte spätestens zu Zeiten von Homeschooling nicht mehr die Rede sein. Zusätzlich bedrohte Hochwasser im Sommer 2021 einige Gebiete in Deutschland und hinterließ viele Tote. Einige verloren in kurzer Zeit ihr Hab und Gut und standen buchstäblich vor dem Nichts. Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen, er hat uns alle mit Wucht erfasst. Dass wir die Ökonomie dringend mit der Ökologie versöhnen müssen, ist mittlerweile allen klar. Die Frage ist lediglich, wie das konkret aussehen soll. Nehmen wir diese Ereignisse als Aufforderung, intensiv darüber nachzudenken und zu diskutieren, wie wir unsere Wirtschaft ethisch auf ein neues Niveau heben können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Wir brauchen eine ethisch überarbeitete Wirtschaft
Zusammenfassung
Wir brauchen eine ethisch überarbeitete Wirtschaft. Das ist nicht nur ein Credo, sondern eine Aufforderung an uns alle. Natürlich hat uns die Soziale Marktwirtschaft seit dem Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg großen Wohlstand beschert. Doch heute stellt sich zunehmend die Frage, ob der Wohlstand tatsächlich bei allen ankommt. Die Einkommen und Vermögen klaffen immer weiter auseinander. Die Schere u. a. zwischen den Mietern und Eigentümern öffnet sich immer mehr. Viele, vor allem in den Metropolen, können sich die Mieten nicht mehr leisten. Zusätzlich fordert uns der Klimawandel: Wir haben kaum noch Zeit, den Hebel rechtzeitig herumzureißen und die geforderten Klimaziele von Paris einzuhalten. Die Jugend fordert zu Recht ein sofortiges und radikales Umsteuern und Umdenken. Gleichzeitig bleiben uns die „alten“ Probleme erhalten: Eine Globalisierung, die nicht allen Ländern gleich hilft, ein auskömmliches Leben zu führen. Manche Kontinente wie Afrika bleiben weiterhin abgehängt. Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche und muss beschleunigt werden. Die Pandemie hat uns unsere Mängel diesbezüglich eindrucksvoll vor Augen gehalten. Jobs werden verloren gehen, viele andere entstehen. Können wir diesen Beschäftigungsgrad aufrechterhalten oder brauchen wir eine Grundabsicherung nicht nur für unsere Kinder? Was ist mit der ständig steigenden Arbeitsbelastung, nochmals gesteigert durch die Pandemie und wie gehen wir damit um? Haben unsere Kinder alle die gleichen Bildungschancen? Es ist Zeit, unsere Wirtschaft in diesen ethischen Fragen zu überdenken. Gerade jetzt, am Beginn einer neuen Regierung haben wir die Chance dazu. Nutzen wir sie!
Detlef Pietsch
2. Ökonomie und Ethik: Ein gegensätzliches Paar?
Zusammenfassung
Ökonomie und Ethik, so wird immer wieder behauptet, sind nicht miteinander vereinbar. Während die Ökonomie nach dem immer „höher, weiter, schneller und profitabler“ strebt, bilden die Fragen nach dem Gemeinwohl, dem glücklichen Leben und der Gerechtigkeit die Kernpunkte ethischer Diskussionen. Auf der einen Seite die Gier, das permanente, egoistische Streben nach dem Reichtum und der Befriedigung der persönlichen Wünsche und Eitelkeiten. Diametral entgegengesetzt, so scheint es, dagegen sind die Fragen der Ethik nach der Glückseligkeit, der Tugend und der Suche nach dem Guten und Wahren in der Welt. Dazu passen scheinbar, dass der ökonomische Wettbewerb gnadenlos und nur dem Ellenbogendenken verhaftet ist. Dies alles in einer Welt, in der jeder gegen jeden kämpft, der Egoismus groß und der Zusammenhalt und die Gemeinschaft gering sind. Die Ethik dagegen betont das Gemeinwohl, das moralisch einwandfreie Leben in der Gemeinschaft, in der jeder für den anderen da ist und sich solidarisch für dessen Belange einsetzt. Doch diese Gegensätze zwischen Ökonomie und Ethik, so die Grundthese dieses Buches, sind lediglich konstruiert und könnten ganz anders aussehen: Beide gehören zwingend zusammen wie siamesische Zwillinge. Eine Ökonomie sollte der Gemeinschaft und dem Gemeinwohl dienen. Trotz des nötigen Wettbewerbs, des Ringens um die beste Lösung, sollten alle solidarisch gerade den Schwächsten der Gesellschaft die Hände reichen. Darüber hinaus müssen wir zwingend die Ökologie in die ökonomischen Diskussionen integrieren, ganz zu schweigen von den bekannten Themen der Globalisierung und der Digitalisierung. Wir müssen unsere Wirtschaft ethisch überdenken. Dieses Buch ist die Aufforderung dazu an uns alle.
Detlef Pietsch
3. Woher kommt die Ethik? Eine kurze Ideengeschichte
Zusammenfassung
Wer die ethische Diskussion von heute verstehen will, kommt zumindest an einer kurzen Geschichte der ethischen Ideen nicht vorbei. Es gab in der Vergangenheit viele herausragende Denker vor allem der Philosophie, deren praktischem Teil die Ethik traditionell angehört. Ein Teil von ihnen wird hier in aller Kürze Gehör finden. Dabei sollen in geraffter Form die Anfänge der Ethik in der Prähistorie und den altorientalischen Kulturen – die Geschichte ethischer Ideen beginnt nicht erst mit den antiken Denkern um Sokrates, Platon und Aristoteles – über die Antike, das Mittelalter und die Neuzeit bis hin zur jüngeren Vergangenheit und Gegenwart skizziert werden. Der theoretische Weg geht folglich von der Tugendethik des Aristoteles und Platons über die christliche Ethik des Mittelalters eines Thomas von Aquin oder Luthers über die Pflichtethik Kants, die Gefühls- und Mitleidsethik David Humes bzw. Schopenhauers und bis hin zu neueren Ansätzen von John Rawls und Amartya Sen. Nur auf Grundlage dieser ethischen Theoriegebäude lassen sich die wirtschaftsethischen Herausforderungen, die in den folgenden Kapiteln beschrieben werden, verstehen und kompetent beurteilen.
Detlef Pietsch
4. Aktuelle Herausforderungen der ökonomischen Ethik
Zusammenfassung
Die aktuellen Herausforderungen der ökonomischen Ethik sind immens: Wir leben immer noch in einer Welt, in der viele Millionen Menschen auf der Welt nicht genügend zu essen und trinken haben und nicht einmal ihre elementaren Bedürfnisse nach sauberem Trinkwasser, warmer Kleidung oder einem sicherem Dach über den Kopf stillen können. Auch in Deutschland, einem der reichsten Länder dieser Erde, müssen immer noch tausende von Kindern hungrig in die Schule gehen. Überhaupt ist es eine Mär, dass alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildung haben. Noch nie war die schulische und berufliche Bildung so stark vom Elternhaus und der „Gnade der richtigen Geburt“ abhängig. Bildungsorientierung, finanzielle Mittel und nicht zuletzt das einflussreiche Netzwerk der Eltern bahnen den Weg der Kinder in die Zukunft. Entweder man hat das Glück der richtigen Eltern oder nicht. Natürlich gibt es immer wieder Beispiele von Kindern, die es geschafft haben, nach oben zu kommen. Doch das sind eher die Ausnahmen. Unsere Wirtschaft lebt insgesamt sehr stark von dem Eigennutzprinzip: Das Ich zuerst. Da hatte Adam Smith schon Recht. Nur: Muss das immer so sein? Gerade die Pandemie hat gezeigt, dass wir im Grunde eine solidarische Gemeinschaft bilden. Warum hält diese Einstellung nicht noch mehr Einzug in unser Wirtschaftssystem? Diese Fragen gilt es zu beantworten.
Detlef Pietsch
5. Die Zerstörung der Umwelt als ethische Herausforderung
Zusammenfassung
Können wir den Klimawandel noch aufhalten? Sind die politischen Weichen dafür gestellt? Es ist eher eine Sekunde nach als vor Zwölf. Wenn wir die Pariser 1,5 Grad Klimaziele einhalten wollen, dann müssen wir jetzt die Hebel umlegen und zwar alle gleichzeitig. Rettet das aber auch unsere Artenvielfalt und die Tiere? Wollen wir das Artensterben aufhalten, sind wir ähnlich radikal zum Handeln aufgefordert wie bei der Bekämpfung des Klimawandels. Es reicht nicht, die Situation mehr oder minder drastisch zu beschreiben. Wir müssen jetzt Handeln. Konzepte liegen genügend auf dem Tisch, vom Emissionshandel bis zur Besteuerung schädlicher Emissionen. Die Ziele sind klar. Der Weg dorthin umstritten. Wir haben also kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem. Klar ist, dass wir Älteren für unsere Kinder und Enkel handeln müssen. Wir „Baby Boomer“ sind in der Mehrheit. Wir müssen vor allem den Jüngeren eine lebenswerte Zukunft erhalten. Sie müssen noch deutlich länger mit dieser Erde leben als wir Älteren. Dieses Kapitel zeigt nicht nur die dramatische Situation auf unserer Erde, sondern auch die wesentlichen Maßnahmen auf, die wir jetzt schnellstens zu ergreifen haben.
Detlef Pietsch
6. Globalisierung, Digitalisierung und Ethik
Zusammenfassung
Die Globalisierung hat in der Vergangenheit Gewinner und Verlierer produziert. Gewinner waren vor allem die reichen Industrieländer des Westens, während die ärmeren Länder Afrikas und Südamerikas das Nachsehen hatten. Dies zeigte sich auch in den Zeiten der Pandemie: Während die wohlhabenderen Länder Europas, der USA und Teilen Asiens schnell genügend Impfstoffe entwickelten und produzierten und dadurch große Teile der Bevölkerung rasch immunisieren konnten, warten die ärmeren Länder zum Teil heute noch auf ausreichenden Impfschutz. Vereinzelte ermutigende Impfstoff-Spenden der reichen Länder an die ärmeren waren bereits gute Zeichen, reichen aber bei weitem nicht aus. Wie der renommierte französische Ökonom Thomas Piketty statistisch gezeigt hat, ist die Schere zwischen den armen und reichen Ländern aber auch zum Teil innerhalb der einzelnen Länder in Bezug auf Einkommen und Vermögen weiter auseinandergegangen. Dies alles sind rein ökonomische Aspekte. Die drängende Frage dahinter ist allerdings, was wir tun können, um diese Schere zu schließen. Konkret: Brauchen wir eine universale Ethik, universale Werte, um die Globalisierung ethisch beherrschen zu können und haben wir alle Instrumente dafür heute schon? Und: Was bedeutet die zunehmende Digitalisierung für die Ethik? Stellvertretend dafür sollen die Themen Triage und autonomes Fahren stehen. Am Ende steht ein Maßnahmenkatalog, der helfen soll, die drängenden ethischen Themen in den Griff zu bekommen.
Detlef Pietsch
7. Der Einzelne, die Unternehmen und die Ethik
Zusammenfassung
Ethische Fragen stellen uns alle vor unterschiedliche Herausforderungen: Zunächst sind wir als Einzelne gefragt, dafür zu sorgen, dass die Ökonomie nicht mehr Verlierer als Gewinner produziert oder der Wohlstand nicht bei allen ankommt. Wir alle sind gefordert uns zu überlegen, ob unsere wirtschaftlichen Entscheidungen ethisch vertretbar sind. So können wir uns als Konsumentinnen und Konsumenten täglich für nachhaltige Produkte entscheiden, die ökologisch und ethisch korrekt hergestellt worden sind und z. B. keine Kinderarbeit oder Ausbeutung von Tieren beinhalten. Wir können uns prinzipiell die Frage stellen, ob wir täglich so viel konsumieren müssen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns bzw. der ehrbaren Kauffrau ausrichten und langfristig die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern. Sie sollten in puncto Nachhaltigkeit vorangehen, einen fairen und wertschätzenden Umgang mit ihren Wettbewerbern pflegen und vor allem verlässlich sein. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertrauen, sie wertschätzend behandeln und sie vor krankmachenden Arbeitspraktiken wie Arbeitsverdichtung („Burnout“) und Mobbing bewahren. Der Erfolg des gesamten Teams und des Unternehmens insgesamt ist wichtiger als ihr persönliches Fortkommen. Schließlich berücksichtigt das moralisch handelnde Unternehmen in den Entscheidungen immer, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die alle anerkannt und respektiert werden und gemeinsam die drängenden sozialen und ökologischen Themen angehen wollen. Eine Unternehmenskultur, die z. B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sozialen und ökologischen Projekten anregt, ist für ein modernes Unternehmen unverzichtbar, vor allem, wenn sie weiterhin für leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv sein wollen.
Detlef Pietsch
8. Ethik in Zeiten von Corona
Zusammenfassung
Die Corona-Pandemie hat uns deutlich vor Augen geführt, wo bei uns in Deutschland, aber auch weltweit dringender Handlungsbedarf existiert. Wir haben gesehen wie die Digitalisierung als Brandbeschleuniger gewirkt hat und wo die Schwachstellen einer zunehmend online ausgerichteten Welt liegen: Schulen, Universitäten, aber auch zum Teil Unternehmen waren sehr stark gefordert, sämtliche Unterrichtseinheiten und Meetings virtuell stattfinden zu lassen. Es funktionierte mehr oder weniger gut. Dabei konnten nicht alle ins Homeoffice gehen, nicht alle Schülerinnen und Schüler und Studierende hatten zu Hause die notwendige Infrastruktur vorhanden. Die Ungleichheit der Bildungsanstrengung wurde dadurch weiter erhöht. Gleichzeitig hat der weitgehende Verzicht auf (Geschäfts-)Reisen und Pendelfahrten zum Büro gezeigt, wie viel ökologischen Potenzial dort noch vorhanden ist. Zwar wurde die Globalisierung durch die zum Teil Re-Nationalisierung der Lieferketten zurückgedreht, dennoch bleiben die Herausforderungen einer fairen und allen Menschen dienenden Globalisierung weiterhin bestehen. Ermutigend waren die Zeichen der Solidarität der Bevölkerung untereinander: Die Jüngeren haben auf die Älteren geachtet und die Ältesten wurden zuerst immunisiert. Künftig wird auch ökonomisch die stärkere Rolle des Staates zu diskutieren sein, nicht nur in Form von Staatsinterventionen oder der Finanzierung von Kurzarbeit. Wir müssen ferner stärker den Berufsgruppen Wertschätzung und Respekt gegenüberbringen, die uns aus der Pandemie geholfen haben: Pflegerinnen und Pfleger, Paketdienstleister und viele mehr. Wir müssen sie auch anständig bezahlen. Schließlich müssen wir darauf achten, dass wir der nachfolgenden Generation keinen Schuldenberg hinterlassen. So notwendig die Stützung der Wirtschaft in den Zeiten der Pandemie war, so wichtig ist es jetzt auch, die „schwarze Null“ wieder herzustellen und unseren Kindern und Enkeln eine schuldenfreie Republik zu hinterlassen.
Detlef Pietsch
Metadaten
Titel
Unsere Wirtschaft ethisch überdenken
verfasst von
Detlef Pietsch
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37977-3
Print ISBN
978-3-658-37976-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37977-3

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