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31.10.2019 | Unternehmen + Institutionen | Infografik | Onlineartikel

Brexit-Unsicherheit trifft vor allem deutsche Autoindustrie

Autor:
Christiane Köllner

Mit dem jüngsten Brexit-Aufschub verzögert sich der EU-Abschied Großbritanniens erneut – bestehen bleibt die Unsicherheit für die Unternehmen. Das schadet besonders der deutschen Automobil- und Pharmaindustrie. 

Seit 40 Monaten ziehen sich die Brexit-Verhandlungen hin. Immerhin haben sich die EU-Staaten jetzt auf eine Verschiebung des Brexit-Termins bis Ende Januar geeinigt. Anstatt wie geplant am 31. Oktober soll Großbritannien nun bis zum 31. Januar 2020 Zeit haben, mit einem Brexit-Abkommen aus der EU auszutreten. Zuvor, und zwar am 12. Dezember 2019, wählt Großbritannien ein neues Parlament. Doch die wirtschaftlichen Folgen, die der Brexit-Prozess für Deutschland hat, sind bereits jetzt stark spürbar. "Der Brexit ist kein einmaliges Ereignis, vielmehr ein langwieriger Prozess, der jetzt schon konkrete wirtschaftliche Auswirkungen hat, vor allem auf die Exporte. Zwei Brexit-Effekte sind hier maßgeblich verantwortlich: der Wechselkurs und das hohe Niveau der Unsicherheit für Unternehmen", sagt Dr. Alexander Börsch, bei Deloitte als Chefökonom zugleich Leiter der Brexit-Task Force.

Laut aktuellen Analysen der Brexit-Task Force um Börsch ist in den letzten drei Jahren der deutsche Handel mit dem Vereinigten Königreich auf kumulierter Basis um mehr als acht Milliarden Euro gefallen. Das sei mehr als der gesamte jährliche Handel Deutschlands mit Griechenland, so die Analysten. Besonders die deutsche Automobil- und Pharmaindustrie sind betroffen. So seien die Exporte des deutschen Automobilsektors nach Großbritannien sind in den letzten drei Jahren um mehr als sechs Milliarden Euro zurückgegangen (minus 23 Prozent) – das sei mehr als das jährliche Volumen der gesamten deutschen Autoexporte nach Japan. Der Süden Deutschlands trägt die größte Last. Vor allem Bayern, Baden Württemberg und das Saarland würden unter dem negativen Trend in den Handelsbeziehungen leiden.

UK fällt auf Platz 5 der wichtigsten Handelspartner zurück

Insgesamt ging der Anteil des Vereinigten Königreichs an den deutschen Exporten seit 2016 deutlich zurück und liegt mittlerweile auf demselben Niveau wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Rangierte Großbritannien noch 2016 nach USA und Frankreich auf Platz drei der wichtigsten deutschen Handelspartner, so sei UK in den letzten drei Jahren von China und den Niederlanden auf Platz fünf der größten deutschen Exportpartner verdrängt worden, so die Studie. 

Das Wachstum der Direktinvestitionen aus UK seit dem Referendum ist hingegen positiv, aber im Trend der letzten Jahre. Die Wachstumsrate der britischen Direktinvestitionen (von Unternehmen mit britischer Muttergesellschaft) nach Deutschland seit 2016 (14 Prozent) sei ähnlich den vorangegangenen Drei-Jahres-Zeiträumen und dem Trend bei den wichtigsten Herkunftsländern, so die Analysten. 

Daneben ist die Einbürgerung britischer Staatsangehöriger in Deutschland stark angestiegen. Stellten in den 15 Jahren bis 2016 gerade mal 4.800 Briten einen Antrag auf eine deutsche Staatsangehörigkeit, so stieg diese Zahl laut Studie zwischen 2016 und 2018 auf insgesamt 17.000 Einbürgerungen britischer Staatsangehöriger.

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