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15.04.2020 | Unternehmen + Institutionen | Kommentar | Onlineartikel

Puscht die Corona-Krise den Strukturwandel?

Autor:
Steffen Haas
3 Min. Lesedauer

Die Corona-Krise trifft die Autobranche ausgerechnet während ihrer wohl größten Transformation. Wie sich beides stemmen lässt, erläutert ASE-Geschäftsführer Steffen Haas in einem Gastkommentar. 

Transformationsprozess und Pandemie: Die Automotive-Branche ächzt unter der Doppelbelastung. Erzwungenermaßen steht die Produktion zurzeit still. Aber der Strukturwandel ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Jetzt gilt es die Weichen für danach zu stellen.

Mitten im Strukturwandel treffen die Auswirkungen der Corona-Krise die Autoindustrie ins Herz – die weltweite Absatzkrise macht sich mit ganzer Kraft bemerkbar. Mit den Autobauern wanken auch die Zulieferer, Ausrüster, Maschinenbauer und die chemische Industrie. Das alles passiert in einer Zeit, in der der Paradigmenwechsel der Branche erst begonnen hat: Plötzlich ist der Verbrennungsmotor nicht mehr die erste Wahl, es geht nicht mehr nur um manuelles, sondern auch um autonomes Fahren. Darüber hinaus müssen Klimaschutzziele erreicht und die CO2-Grenzwerte der Europäischen Union eingehalten werden. Besonders die neuen Limits zwingen die Automotive-Branche zum Strukturwandel: Ab diesem Jahr darf ein Neuwagen nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Zunächst gilt der Grenzwert gemittelt für 95 Prozent der Neuzulassungen, ab 2021 wird sich das allerdings ändern. Darüber hinaus muss bis 2030 der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 2021 um weitere 37,5 Prozent sinken – sonst drohen nicht unerhebliche Strafzahlungen. Vorerst passen einige Autobauer ihre Produktpalette an: E-Autos sollen den Flottenschnitt senken, Kleinstwagen-Verbrenner werden vom Markt genommen und mehr Plug-in-Hybride sollen für Ausgleich sorgen. 

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In einer krisenanfälligen VUCA-Umwelt geht es nicht mehr darum, Krisen zu vermeiden und alle Managementkapazitäten auf dieses Ziel auszurichten. Es geht vielmehr darum, Krisen situativ und durch konkretes Handeln zu bewältigen – ein Handeln im Sinne von Schadensreduzierung und Problemlösung, das weite Teile der Mitarbeitenden mit einbezieht.

Zeit für Wandel 

Doch auch wenn der Strukturwandel gerade nicht die dringlichste Herausforderung der Branche darstellt, nach dem Abflachen der Pandemie kommt die Thematik wieder mit voller Kraft zurück. Daher muss sich der Automotive-Sektor bereits jetzt für die Zeit nach Covid-19 rüsten. Aber erscheint es nicht paradox, ausgerechnet in solch einer Krise den Paradigmenwechsel anzustoßen? Und warum ist jetzt sogar die beste Zeit dafür? Zum einen findet momentan eine großflächige Umorganisation der Arbeit beziehungsweise der ganzen Wirtschaft statt und zum anderen werden in diesen Tagen vermehrt grundsätzliche Fragen gestellt. In solchen Umbruchszeiten ist es sogar einfacher, Veränderungen anzugehen und auch durchzusetzen. Darin liegt eine große Chance, auch für die Industrie. Denn besonders in Krisenzeiten bewahren Unternehmen ihre Position, wenn sie auf die veränderte Markt- und Nachfragesituation flexibel reagieren. Wer sich nun einen Vorsprung sichern möchte, um als Gewinner aus der Krise hervorzugehen, sieht sich gezwungen, aus der betrieblichen Prozessroutine herauszutreten und "outside the box" zu denken und zu agieren. 

Dem Strukturwandel strategisch begegnen

Um den technologischen Wandel erfolgreich bewältigen zu können, muss die Automotive-Branche neue Wege einschlagen. Dabei kristallisiert sich der stark wachsende Anteil an Elektronik- und IT-Themen als größte Herausforderung heraus. Diese Themenfelder müssen wirksam in die Unternehmen integriert werden, nur so lässt sich dem Strukturwandel adäquat Rechnung tragen. Ziel dabei: diese neuen Disziplinen in die bereits vorhandenen Entwicklungsprozesse einzubinden. Hierfür benötigen Unternehmen neue Personalressourcen, die sie entweder auf dem Markt erfolgreich rekrutieren können oder durch eigene Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen selbst heranziehen. Da dies aber nicht von jetzt auf gleich gelingt, bieten Manager auf Zeit, sogenannte Interimsmanager, eine professionelle und flexible Alternative. Dafür braucht es erfahrene sowie kompetente Führungskräfte, die lösungsorientiert denken und in Sachen Strukturwandel pragmatische und weitsichtige Strategien im Blick haben. So profitiert die Branche vom Know-how, dem reichen Erfahrungsschatz und den Branchenkontakten der Interimsmanager. Die Experten sind dabei für eine bestimmte Zeit in Projekte involviert – ein besonderer Vorteil für Unternehmen, die in Krisenzeiten agil bleiben möchten. So lässt sich dann durchaus auch beides stemmen – Pandemie-Krise und Transformationsprozess. 

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