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07.09.2016 | Unternehmen + Institutionen | Nachricht | Onlineartikel

Bosch offenbar in die Abgas-Affäre von Volkswagen verwickelt

Autor:
Christiane Köllner

Bosch unter Druck: Der Zulieferer könnte tiefer in den Abgas-Skandal bei Volkswagen verwickelt sein als bislang angenommen. Das berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung.

Nach Informationen des NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) gibt es Hinweise darauf, dass der Automobilzulieferer Bosch in die Abgas-Affäre von Volkswagen verwickelt ist. Demnach habe das Stuttgarter Unternehmen über Jahre die Software mitentwickelt, die die Manipulationen ermöglicht hat, berichtet der Rechercheverbund.

So hätten Bosch-Ingenieure die Betrugssoftware der Wolfsburger jahrelang mitentwickelt und deren Existenz offenbar den Behörden gegenüber verschleiert. Dem Zulieferer sei dabei klar gewesen, dass eine derartige Abschalteinrichtung verboten sei. Das ginge aus einer in den USA vorliegenden Klageschrift von VW-Kunden gegen Bosch hervor, auf die sich der Rechercheverbund beruft. Bislang seien wesentliche Stellen, die Bosch betreffen, geschwärzt gewesen. Die Schwärzungen seien laut Rechercherverbund nun aufgehoben.

Offenbar enge Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Bosch

Laut NDR, WDR und SZ sei ein Brief vom Juni 2008 Bestandteil der Klageschrift. Darin fordere Bosch vom VW-Konzern, ihn von einer Haftung freizustellen. Denn die "geforderte Weiterentwicklung" der Motorsteuerung werde dazu führen, "dass Daten möglicherweise als defeat device eingesetzt werden", zitiert der Rechercheverbund das Dokument. Bosch weise in dem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass die Verwendung einer solchen Funktion in den USA verboten sei und warne, dass die damit ausgestatteten Fahrzeuge durch diese Software ihre Betriebserlaubnis verlieren könnten.

Seit 2001 habe Bosch der Klageschrift zufolge das Motorsteuergerät EDC17 entwickelt, das später eine illegale Softwarefunktion unter dem Namen "Akustikfunktion" enthielt. Die Kläger führten eine Reihe von Verträgen und weitere Dokumente an, die offensichtlich aus den offiziellen Ermittlungen gegen VW stammen, so der Rechercheverbund. Sie sollen eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Autohersteller und dem Zulieferer seit 2004 belegen. Auch soll Bosch dabei mitgewirkt haben, die Betrugsfunktionen vor den US-Behörden zu verbergen.

Bosch arbeitet an einer Klageerwiderung

Bosch habe auf Anfrage des Rechercheverbundes erklärt, man äußere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Untersuchungen. Man arbeite an einer Klageerwiderung. Die Vorwürfe der Manipulation nehme Bosch "sehr ernst", zitieren NDR, WDR und SZ den Zulieferer. In der Vergangenheit hatte der Konzern erklärt, die Verantwortung für die Software liege bei VW.

In den jetzt ungeschwärzt vorliegenden Stellen der Klageschrift sollen laut Rechercheverbund auch schwere Vorwürfe gegen Audi-Manager erhoben werden. Einer hätte die Weiterentwicklung der Betrugs-Software angeregt. Ein weiterer Audi-Manager habe den Dokumenten zufolge in einer Mail zu den Abschalteinrichtungen darum gebeten, das Thema aufgrund der Vertraulichkeit nur telefonisch oder persönlich zu besprechen.

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