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04.03.2016 | Unternehmen + Institutionen | Nachricht | Onlineartikel

Winterkorn schon 2014 über Diesel-Probleme informiert

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn ist bereits im Mai 2014 über abweichende Abgas-Werte bei Diesel-Pkw in den USA informiert worden. Ob er die Notiz auch gelesen hat, sei aber nicht dokumentiert.

Volkswagen hat in einer ausführlichen Mitteilung mitgeteilt, dass es schon im Jahr 2014 Hinweise auf Probleme bei Diesel-Fahrzeugen in den USA gegeben habe. Jedoch habe der Konzern das ganze Ausmaß des Themas damals offenbar unterschätzt. Die Angelegenheit sei als "ein Produktthema unter vielen" eingeschätzt worden, heißt es wörtlich in einer Volkswagen-Mitteilung vom 2. März 2016.

Wann wusste Winterkorn Bescheid?

Der Wolfsburger Konzern teilte zudem mit, dass der damalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bereits im Mai 2014 über die Diesel-Probleme bei VW-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten informiert worden sei - also fast eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden der Diesel-Affäre. Eine Notiz über die Probleme sei seiner Wochenendpost beigelegt worden. Ob und inwieweit Winterkorn von dieser Notiz damals Kenntnis genommen habe, sei nicht klar.

Zudem sei Winterkorn im Juli 2015 bei einer Besprechung mit einzelnen Volkswagen-Mitarbeitern und Hebert Diess anwesend gewesen, die Schadens- und Produktthemen zur Diesel-Affäre zum Thema hatte. Konkrete Details dieser Besprechung seien derzeit noch nicht rekonstruiert, heißt es. Spätestens Anfang September wurde Winterkorn dann konkret über das unzulässige Defeat Device informiert. Es vergingen dann weitere zweieinhalb Wochen bis sich Volkswagen sich zur Affäre äußerte.

Kapitalmarktrechtliche Vorwürfe laut Volkswagen unbegründet

Volkswagen sei zunächst davon ausgegangen, dass Diesel-Problem durch die Offenlegung der Softwareveränderung, einem Rückruf sowie vergleichsweise geringen Bußgeldzahlungen im üblichen Rahmen lösen zu können.

Volkswagen wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Aktionäre zu spät über die Risiken und Manipulationen der Diesel-Affäre informiert und damit seine Ad-hoc-Pflichten verletzt zu haben. "Volkswagen hält die anhängigen Aktionärs-Klagen für unbegründet", teilte VW mit. Der Konzern habe am Landgericht Braunschweig Klageerwiderung im Zusammenhang mit dem Vorwurf eines Verstoßes gegen kapitalmarktrechtliche Publizitätspflichten eingereicht.

Wörtlich heißt es: "Im Zusammenhang mit der Diesel-Thematik ergab sich eine Kursrelevanz erst am 18. September 2015, als die Verletzung US-amerikanischer Umweltschutzrichtlinien bekannt gemacht wurde. Bis dahin gab es keinerlei Anzeichen für börsenkursrelevante Informationen, denn bis zu diesem Zeitpunkt war von einer überschaubaren Fahrzeug-Anzahl (etwa 500.000) und Bußgeldern in einem zweistelligen oder unteren dreistelligen Millionen-Bereich auszugehen, wie in der Vergangenheit in den USA in vergleichbaren Fällen im Zusammenhang mit Personenkraftfahrzeugen verhängt. Die Diesel-Thematik schien nach bestem Kenntnisstand durch übliche und damit kursneutrale Maßnahmen einschließlich wirksamer technischer Lösungskonzepte beherrschbar. Das nach dem 18. September 2015 in der Öffentlichkeit diskutierte mögliche Strafmaß von maximal 18 Milliarden US-Dollar wurde in anderen Fällen nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Nachdem im Anschluss an die 'Notice of Violation' eine erste belastbare Zahlenbasis über die weltweiten Risiken ermittelt worden war, wurde diese vorläufige Abschätzung am 22. September 2015 unverzüglich ad-hoc gemeldet."

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Quelle:
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