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23.02.2018 | Unternehmen + Institutionen | Nachricht | Onlineartikel

Alles autonom auf der Bosch Connected World

Autor:
Andreas Burkert

Autonome Roboter fertigen autonom fahrende Automobile, die von autonom agierenden Services organisiert werden. Die Bosch Connected World, eine der größten IoT-Messen weltweit, zeigt in Berlin erste marktreife Systeme.

Eine gewisse Portion Mut gehört dazu, ein kostbares Automobil automatisiert Einparken zu lassen. In Berlin vertrauen Dr. Volkmar Denner, Bosch, und Dr. Dieter Zetsche, Daimler, ganz der Elektronik. Zur Eröffnung der Bosch Connected World in Berlin reisen beide Unternehmenschefs mit einem aktuellen Fahrzeug aus Stuttgarter Produktion an, um die Sicherheit autonom agierender Fahrfunktionen zu demonstrieren. Und, um einen Ausblick zu geben, wie der Weg zum SAE Level-5, dem fahrerlosen Fahren, vollzogen werden kann. Die Akzeptanz der mehr als 4000 Teilnehmer der Konferenz ist beiden sicher. Immerhin handelt es sich um die "Avantgarde der Digitalisierung", wie Denner sie in seiner Eröffnungsrede nennt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen das Internet der Dinge und damit rund 20 Milliarden Geräte, die bereits in zwei Jahren miteinander und mit dem Internet vernetzt werden. Für alle Beteiligten Unternehmen ist das ein ebenso lukratives Geschäft. Auch deshalb präsentiert Bosch im ehemaligen alten Postbahnhof Luckenwalder Straße mehr als 60 IoT-Lösungen. Ein bedeutender Teil der Produkte und Systeme soll dabei die Probleme im Straßenverkehr lösen. "Es geht um die Vernetzung aller Verkehrsträger über das Internet", so Denner und kündigt die Gründung des neuen Geschäftsbereichs Connected Mobility Solutions an. Damit will das Unternehmen "Serviceprojekte für das Fahren von morgen in das Dienstleistungsgeschäft überführen".  Was aber bedeutet das?

Das Milliardengeschäft mit Mobilitätsdiensten

Ein intermodaler Mobilitätsassistent soll künftig das Planen, Buchen und Bezahlen von Car- und Bikesharing Bahnen und Bussen ermöglichen, erklärt Bosch. Auch das vernetzte Parken, bei dem Automobile in Parkhäusern selbstständig freie Plätze ansteuern, gehört dazu. Bosch treibt damit den Wandel hin zum Anbieter von Mobilitätsservices weiter voran. Im neuen Geschäftsbereich Connected Mobility Solutions entwickeln und vertreiben dafür mehr als 600 Mitarbeiter künftig digitale Mobilitätsdienstleistungen. "Das Geschäftspotenzial ist enorm", schwärmt Dr. Rainer Kallenbach, der den neuen Geschäftsbereich leitet. Die Unternehmensberatung PwC gibt ihm da im Übrigen Recht. Bis 2025 werden mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge weltweit unterwegs sein. Bereits in vier Jahren soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services 140 Milliarden Euro betragen.

Der neue Geschäftsbereich soll das bestehende Service-Portfolio weiter ausbauen. Mobilitätsservices von Bosch warnen beispielsweise Autofahrer vor Falschfahrern oder machen das Smartphone zum Autoschlüssel. Jüngster Neuzugang ist der Mitfahrservice des von Bosch übernommenen US-Start-ups Splitting Fares Inc. (SPLT). Denner stellte in Berlin zudem "system!e" vor. Vernetzte Services für Elektromobilität sollen die Alltagstauglichkeit des elektrischen Fahrens für den Massenmarkt weiter steigern. Rosige Aussichten auch für Zetsche, der auf der Konferenz in seiner Keynote Daimlers Vorstellungen einer Mobilität von morgen zeigt.

Autonom agierende Roboter bauen autonom fahrende Autos

Die Elektromobilität ist dabei die eine, das vernetze, automatisierte Fahren die andere Möglichkeit, neue Services am Markt zu etablieren. Die automatisierte Parkfunktion der S-Klasse ist da nur ein erster Hinweis. Das Robotaxi, das Daimler bald in seiner "Factory 56" produzieren wird, läutet dann endgültig die Mobilitätswende ein. Diese vollkommen autonom fahrenden Automobile, die über Internet-Plattformen eine individuelle Mobilität ermöglichen sollen, werden noch in "der frühen nächsten Dekade auf den Markt kommen", so Zetsche. Dass die neue, milliardenteure Produktionsstätte am Standort Sindelfingen auch ein Vorzeigeobjekt einer Digitalen Fabrik sein wird, wurde nur am Rande erwähnt.

Die 70 Aussteller – darunter zahlreiche Abteilungen aus dem Hause Bosch und junge Startup-Unternehmen – geben dazu allerdings erste Hinweise. Ob nun der intelligente Montageassistent oder aber der intelligente Handschuh. Die Fertigung der Zukunft wird ebenso vernetzt wie das Automobil und sein natürlicher Lebensraum. Die Unmengen an Daten werden dazu in einer Cloud gesichert, gesichtet und ausgewertet. Anbieter wir Oracle, Redhat aber auch Bosch mit seiner Automotive Cloud stehen bereits in den Startlöchern. Und auch Unternehmen aus der Mobilfunkbranche wollen am Geschäft mit den Daten partizipieren. Manche zeigen vor Ort, dass es trotz mangelhafter Infrastruktur möglich ist, enorme Datenmenge vom Automobil in die Cloud zu transportieren. Neben Veniam, die dazu verschiedene Datentransferstandards nutzt, ist auch Huawei mit seiner 5G-Technik dabei.

Funklöcher sind kein Problem, Hacker allerdings schon

Die Angst vor einem Funkloch ist also unbegründet. Das gilt vor allem auch deshalb, weil die Anzahl der im Automobil verbauten Sensoren wie auch "die Qualität der Sensoren im Fahrzeug selbst" steigt, erklärt uns im Interview Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bereichsvorstandes Chassis Systems Control der Robert Bosch GmbH. Die Rundumsicht ist damit immer gewährleistet. Eine wesentlich größere Gefahr sind unautorisierte Zugriffe ins System. Das gilt im Übrigen für jedes vernetzte Produkt. Und mit jedem neuen "Ding im Internet" steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich darüber ein Hacker Zugang zum Gesamtsystem verschafft.

Für Eugene Kaspersky (Jewgeni Walentinowitsch Kasperski), dem russischen Computerviren-Experte und Chef des international tätigen IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky Lab, ist die Gefahr "absolut real". Mehr als 320.000 Angriffe auf die IT gibt es ihm zufolge pro Tag weltweit. Der finanzielle Schaden ist immens. Laut Kaspersky entspricht der Verlust, den die Wirtschaft durch die Internet-Kriminalität erleidet etwa dem Wert von drei ISS-Raumstationen. "Pro Jahr". Eine Möglichkeit, Hackerangriffe zu verhindern, ist das "strikte Einhalten von Sicherheitsregeln bereits in der Entwicklung". 

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