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12.02.2020 | Unternehmen + Institutionen | Kommentar | Onlineartikel

Was die neue IAA von der Leitmesse CES lernen kann

Autor:
Bianca Schillinger
4 Min. Lesedauer

Egal, wo die kommende IAA stattfindet: Die Automesse wird ein neues Konzept benötigen, um nachhaltig Erfolg zu haben. Ein Vorbild könnte sie sich an der CES in Las Vegas nehmen.

Für Frankfurt ist das Rennen endgültig gelaufen: Nach rund 70 Jahren als IAA-Stadt muss sich die Messe-Metropole jetzt neu erfinden. Doch egal, wo sie zukünftig stattfinden wird, ob in Berlin, Hamburg oder München: Die IAA wird ein neues Konzept benötigen, um nachhaltig Erfolg zu haben. Ein Vorbild könnte sie sich an der CES ("Consumer Electronics Show") in Las Vegas nehmen.

Diese war auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg: 175.000 Besucher und 4.400 Aussteller fanden den Weg nach Nevada. In Zeiten von schwindenden Besucherzahlen und Messen, die ums Überleben kämpfen, etwas Besonderes. Doch was macht den enormen Erfolg dieser Messe aus?

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Zuerst einmal muss gesagt werden: Die CES ist ein "Muss" in der Branche. Und mit "Branche" ist nichts Geringeres als die gesamte Tech-Welt gemeint. Egal, ob Pflege-Roboter, intelligente Yogamatten, faltbare Tablets oder selbstfahrende Autos: Die CES ist der Ort, wo die Tech-Neuheiten vorgestellt und von aller Welt bestaunt werden. Das geht so weit, dass seit einigen Jahren selbst namhafte Automobilhersteller im großen Stil in Las Vegas ausstellen – und dafür die Budgets an anderer Stelle streichen. Zum Beispiel, Sie ahnen es, beim Messeauftritt auf der IAA.

Dabei ist die CES bei Weitem keine Endkunden-Messe, auf der Reihen um Reihen von neuen Modellen vorgestellt werden. Hier malen sich die großen Automobil-Riesen vielmehr die Mobilität der Zukunft aus: Audi, Daimler und Co. zeigen anhand futuristischer Concept Cars, was mit Autos und modernen Technologien alles möglich ist. So beteiligen sie sich clever am Wettbewerb der großen Tech-Giganten und etablieren sich in dieser vernetzten, branchenfluiden Welt von morgen.

"Was wäre, wenn?" statt "Business as usual"

So stammte das Highlight im Automobilbereich der CES dieses Jahr dann auch von einem Unternehmen, das die Wenigsten bisher mit Mobilität verbunden haben: von Sony. Deren Elektroauto Vision-S fährt autonom, beherbergt zwei E-Motoren und einen riesigen Bildschirm. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Unterhaltungselektronik-Hersteller ab jetzt Playstation, Handy und Co. hinter sich lassen wird, um sich auf Mobilitätskonzepte zu fokussieren. Denn ganz im Sinne des CES-Spirits geht es Sony darum zu zeigen, was alles möglich ist. Mutiger Vordenker sein anstatt bequemer Mitläufer, etwas, womit viele Deutsche Unternehmen noch so ihre Probleme haben.

Doch was macht die CES denn nun anders als die IAA? Zuerst einmal dauern die größten Autoshows deutlich länger: Die Detroit Auto Show übertrumpft mit ihren 14 Tagen die IAA (zehn Tage) sogar noch deutlich. Das bedeutet weniger Besucher, dafür ein komprimiertes Messeprogramm. Zur CES kamen geschätzte 175.000 Besucher, zur letzten IAA (2019) ganze 560.000. Das liegt natürlich auch daran, dass die Technikmesse in Las Vegas ausschließlich an Fachbesucher und Pressevertreter gerichtet ist – die IAA hingegen versteht sich als Auto-Show für Jedermann.

Reine Produktschau reicht nicht mehr

Wer wissen möchte, welche Neuheiten auf der CES vorgestellt werden, muss sich stattdessen auf Instagram, Facebook & Co. verlassen. Und das ist noch längst kein Nachteil, denn: Blogger, Influencer und Journalisten berichten 24/7 aus der Sin City und geben Einblicke, die normale Besucher so meist nicht erhalten hätten, selbst wenn sie selbst vor Ort hätten sein können. Nach eigenen Angaben wurden während der Messe im Jahr 2019 durchschnittlich 5.000 Tweets pro Stunde abgesetzt und die Instagram-Stories rund um die CES wurden über 1,2 Millionen Mal angesehen.

Klassische Automobilmessen wie die IAA hingegen stecken diesbezüglich noch in den Kinderschuhen und verlassen sich zu sehr auf Privatpersonen, die Tickets kaufen und die weitläufigen Messehallen zehn Tage lang mit Leben füllen. Dabei wurde in der Vergangenheit ein essenzielles Element unterschätzt, das die Zufriedenheit der Besucher ausmacht: Das Erlebnis vor Ort. Autos allein reichen eben nicht mehr aus. Angebote wie Workshops, Experten-Vorträge und namhafte Speaker ziehen Menschen an und bieten ihnen einen Mehrwert. Messebesucher wollen erleben und lernen, nicht nur schauen und schlendern.

Gerade mit den neuen Konzepten der Finalisten-Standorte Hamburg, Berlin und München ist die IAA auf einem guten Weg, sich ihren Rang als Leitmesse zurückzuerobern. Die Messe muss sich ausweiten, die Grenzen der Messehallen hinter sich lassen und die Stadt mit nutzen. Und sie muss offener, flexibler und moderner werden. Wie der Erfolg der CES deutlich beweist, ist die Zeit der reinen Produktschau vorbei. Worum es wirklich geht, sind die Mobilitäts-Visionen der Zukunft.

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Quelle:
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