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15.07.2020 | Unternehmen + Institutionen | Interview | Onlineartikel

"Für die 2020er Jahre ist der Verbrenner für Bugatti die richtige Entscheidung"

Autor:
Sven Eisenkrämer
8 Min. Lesedauer

Bugatti ist eine der exklusivsten Automobilmarken der Welt. springerprofessional.de hat mit CEO Stephan Winkelmann über den neuen Chiron Pur Sport, über kommende Modelle und Antriebe sowie über Herzensangelegenheiten Bugattis gesprochen. 

Der französische Autobauer Bugatti bringt die neueste Variante des Supersportwagens Chiron auf den Markt, den Pur Sport. Bestellungen für das 3,57 Millionen Euro teure und auf 60 Exemplare limitierte Auto gibt es bereits, Produktionsstart ist im Herbst 2020. Eigentlich sollte der auf Kurvendynamik statt Höchstgeschwindigkeit optimierte Chiron Pur Sport auf dem dann wegen Covid-19 abgesagten Genfer Automobilsalon vorgestellt werden. Stattdessen macht Bugatti nun eine Roadshow bei den Händlern. In Frankfurt am Main bei der Dörr Group hat springerprofessional.de-Chefredakteur Sven Eisenkrämer exklusiv mit Bugatti-Chef Stephan Winkelmann über das Fahrzeug aber auch über die Zukunft der Marke, ein mögliches zweites Modell und alternative Antriebe gesprochen.

springerprofessional.de: Herr Winkelmann, sind Sie den Chiron Pur Sport bereits gefahren? 

Stephan Winkelmann: Wir haben natürlich die Testfahrten mit dem Fahrzeug gemacht, aber den letzten Stand der Entwicklung habe ich auch noch nicht miterlebt. Gerade handelt es sich ja noch um ein Vorserienfahrzeug. In den kommenden Wochen wird die Serienreife getestet und im Spätherbst ist dann Start of Production. 

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Das Highlight des Bugatti Chiron ist aus technischer Sicht zweifelsfrei erneut der Antrieb. Herz des neu entwickelten Serien-Supersportwagens ist der Sechzehnzylindermotor mit 1103 kW Leistung und 1600 Nm Höchstdrehmoment, der bereits im Veyron 16.4 erfolgreich eingesetzt und für den Chiron evolutionär weiterentwickelt wurde.

Beschreiben Sie dieses Erlebnis der ersten Fahrt bitte in einem Wort! 

Sensationell! Aber es ist zu kurz gesprungen, weil man zunächst einmal über das Konzept reden muss. Wir haben den Bugatti Chiron, der ist der Dreh- und Angelpunkt. Der Chiron ist ein Fahrzeug, das eine unglaubliche Beschleunigung hat und auch eine unglaubliche Höchstgeschwindigkeit – gepaart mit einem Komfort, der sonst bei Supersportwagen nicht anzutreffen ist. Eins der großen Themen bei Bugatti ist, dass man sich nicht damit zufriedengibt, nur ein schnelles Auto zu bauen, das unglaubliche Werte hat, sondern auch ein leicht zu bändigendes Fahrzeug und ein sehr komfortables. Das ist das Zentrum von dem, was wir als Ausgangsbasis haben. Im vergangenen Jahr haben wir in die eine extreme Richtung mit dem Chiron Super Sport 300+ ein Auto gebaut, das eine Riesen-Längsbeschleunigung hat und den Weltrekord in der Spitzengeschwindigkeit gebrochen hat mit den mehr als 490 Kilometern pro Stunde. Und jetzt haben wir, um praktisch den Gegenpol aufzustellen, ein handling-orientiertes Auto gemacht, das nicht auf Längsbeschleunigung ausgelegt ist, sondern auf Querbeschleunigung. Gewichtsreduzierung um 50 Kilogramm, mehr Abtrieb, einen großen Flügel am Heck: Der Pur Sport ist ganz anders auch in der Abstimmung und im Design verändert– wir sagen „Form follows performance“ – und deswegen ist dieses Fahrzeug von der Auslegung her das andere Extrem von dem 300+. Es war für uns eine Herzensangelegenheit, aus diesem gelungen Wurf, der der Chiron ist, jetzt noch mal alles rauszuholen, was in beide Richtungen geht. Da dieses Auto jedoch so Spitz in der Auslegung ist, kann man nicht sowohl Längs- als auch Querbeschleunigung unter einen Hut bringen. Deswegen haben wir zwei Fahrzeuge. 

Damit haben Sie die Frage nach dem „Warum“ auch schon beantwortet. Im Pur Sport ist die Höchstgeschwindigkeit nun reduziert, notwendig beispielsweise wegen des Radsturzes. Welches Politikum innerhalb des Unternehmens war es, die VMax zugunsten des Handlings herabzusetzen und damit den Pur Sport überhaupt zu ermöglichen? 

Keins, für mich war das eine Herzensangelegenheit. Ich habe gesagt, es ist natürlich toll, das Auto ist in der Lage über 400 Stundenkilometer schnell zu fahren. Wir haben extra einen Club eingerichtet, in dem wir Kunden es ermöglichen, dies in sicherer Weise auf einer langen Gerade auch zu erreichen. Das ist ein Erlebnis und man hat den Wow-Effekt. Aber im täglichen Gebrauch ist es nicht etwas, das man erfahren kann. Selbst auf einer Rundstrecke kann man keine solchen Höchstgeschwindigkeiten erreichen, man kann vielleicht mal 300 fahren, wenn man eine lange Gerade hat. Also war es für uns auch eine Herzensangelegenheit, mit dem Chiron – der ja diesen W16-Motor in der DNA trägt und der wirklich darauf ausgelegt ist, die 400 zu erreichen – etwas anderes zu machen. Durch den Pur Sport haben wir auch die Möglichkeit, eine neue Kundengruppe zu erschließen. Obwohl wir auch auf der anderen Seite sagen, dass wir Mehrkäufer haben. Wir haben viele Kunden, die nicht nur einen Bugatti besitzen, sondern eine ganze Kollektion.

Sie sprechen die Kunden an: Werden diese für den Pur Sport auch in Richtung Motorsport zu finden sein? Oder anders gefragt: Werden wir dieses Fahrzeug in einem Wettbewerb auf der Rennstrecke sehen können? 

Dafür ist das Auto einfach zu teuer. Es sprengt alle Klassen. Für einen Markenpokal wäre es viel zu teuer. Auch unter der Balance of Performance, den Regularien der Rennserien, wären wir wohl nicht konkurrenzfähig, da wir durch unsere hohe PS-Leistung zusätzliches Gewicht ins Auto gepackt bekämen. Natürlich ist das Auto auf der Rennstrecke sensationell zu bewegen, aber vom Preis her ist das nicht zu gestalten. Die Auslegung ist eine ganz andere. 

Sie haben den 16-Zylinder erwähnt. Hat dieser Motor bei Bugatti eine Zukunft oder wird sich der Antrieb künftig hin zu alternativen Konzepten entwickeln?

Bei Bugatti oder den Supersportwagen – wir nennen sie selbst Hypersportwagen – kommt es nicht darauf an, der Erste zu sein. Man muss der Beste sein und zum richtigen Zeitpunkt. Das ist wiederum eine Herzensangelegenheit von Bugatti. Wir sehen für dieses Jahrzehnt, für die 2020er Jahre, dass ein Verbrenner die richtige Entscheidung ist. Gemessen an der Durchschnittslaufleistung pro Jahr – unsere Kunden fahren im Schnitt unter 2.000 Kilometer – und auch gemessen an dem, was die Entwicklungsmöglichkeiten von batteriebetriebenen Fahrzeugen anbelangt, ist die Halbwertszeit von einem Elektrofahrzeug viel schneller erreicht als bei einem Verbrennungsmotor. Ich will jetzt nicht sagen, bei uns ist der Verbrenner "Last of a kind", aber es geht schon in die Richtung, dass sehr viele Mitbewerber oder insgesamt die Automobilindustrie aus der Entwicklung von Verbrennungsmotoren nach und nach aussteigen. Somit ist es vielleicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal, weswegen ich glaube, dass wir damit gut bedient sind, weiter auf diese Art Antrieb zu setzen. 

Würden Sie denn in Erwägung ziehen, über eine Elektrifizierung der Verbrenners nachzudenken? Ob elektrischer Verdichter oder 48-Volt-Netz oder welche Möglichkeiten auch immer sich mit Hybriden auch für eine bessere Performance eignen?

Wenn man dem Auto jetzt einen "grünen Anstrich" geben will, dann würde man es überfrachten mit Gewicht. Wenn es jetzt um 48 Volt geht, kann man darüber reden, aber man muss immer sehen: Was bringt es? Wie schnell ist ein Auto am Gas? Im Endeffekt geht es bei uns doch immer um Beschleunigungswerte. Und unsere Beschleunigungswerte sind schon jenseits der physikalischen Grenzen, sodass wir uns kaum vorstellen können, dass es in diese Richtung geht. Aber das ist natürlich eine Möglichkeit, die wir uns in den nächsten Jahren noch anschauen müssen und analysieren müssen, ob das nicht ein Antriebskonzept für den Nachfolger des Chiron sein kann. 

Wie weit sind Sie denn in den Planungen für ein nächstes Bugatti-Modell oder auch für ein anderes Fahrzeugkonzept abseits des Supersportwagens – man hat ja schon diverse Spekulationen in Richtung SUV oder familientaugliche Limousine gehört?

Bugatti ist 111 Jahre alt und hat eine lange Geschichte, auch wenn sie leider über Jahrzehnte hinweg unterbrochen wurde. Aber Ettore Bugatti hat in den 1920ern und 30ern nicht nur eine Art von Fahrzeugen gebaut. Wohlweißlich hat er zwar im Motorsport sehr große Erfolge gefeiert, er hat aber alle Bodystyles die es damals gab, umgesetzt. Auch mit verschiedenen Motoren und Motorenvarianten. Ich glaube, dass das eine Sache ist, die ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Wir reden zur Zeit auch viel über die Vergangenheit von Bugatti, auch wie es zum Veyron gekommen ist. Deswegen glaube ich, dass die Marke Bugatti nach Veyron und Chiron reif wäre, für ein zusätzliches Produkt. Wenn man von einem zweiten Auto redet, ist die allgemeine Meinung auch von Kunden und unseren Handelspartnern, dass es eher in Richtung eines alltagstauglichen Autos geht. Also mit vier Sitzen, das alltäglich bewegt wird. Aber jetzt müssen wir erst einmal sehen, wie wir alle aus dieser Krise herauskommen, die vielleicht noch am Anfang steht. Und dann schauen wir, ob und wie wir weiter in diese Richtung denken. Aber die Kunden erwarten schon von Bugatti, oder würden es jedenfalls begrüßen, dass es mehr als ein Fahrzeugmodell von Bugatti gibt. 

Herr Winkelmann, noch eine letzte Frage: Knacken Sie denn mit einem künftigen Modell die magische 2.000-PS-Marke? 

Ich glaube, es ist etwas verfrüht darüber zu reden, mit dem Chiron, wie er heute ist. Wir haben verschiedene Ausbaustufen mit Leichtbau, einem ganz anderen Getriebe anders übersetzt, wir haben 1.600 PS. Ich glaube, wir haben derzeit alle Möglichkeiten ausgeschöpft und wir reden noch nicht über den Nachfolger (lacht). 


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