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02.07.2020 | Unternehmensanleihe | Im Fokus | Online-Artikel

Green Bonds liefern innovativen Unternehmen Kapital

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4 Min. Lesedauer
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Internationale Großanleger schauen verstärkt nach grünen Investments. Die Green-Bond-Standards der EU sollen hier für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen. Dennoch scheuen Unternehmen, grüne Anleihen zu emittieren.

"Die EU möchte ein 'grünes Finanzwesen' und 'grüne Finanzierungen' möglichst zügig, möglichst flächendeckend und möglichst umfangreich einführen. Dieser Prozess soll in sinnvoller und wirkungsvoller Weise von offizieller Seite unterstützt werden", schreiben Hans-Werner Grunow und Christoph Zender im Buchkapitel "Der Green Bond Standard der Europäischen Union" (Seiten 42 f.). Vor diesem Hintergrund sollen das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) und die Mitglieder des Netzwerks zur Ökologisierung des Finanzsystems (NGFS, Network for Greening the Financial System) den Kauf und die Präferenz von grünen Anleihen der EU unterstützen und ausdrücken, schreiben die Springer-Autoren.

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Opportunitäten durch Green Finance

Die Welt verändert sich. Wir erleben immer öfter extreme Wetterphänomene und das hat sowohl Auswirkungen auf die Umwelt als auch auf die Gesellschaft. Die Herausforderungen an Gesellschaft und Umwelt sind gleichzeitig Risiken als auch Chancen. Und das heißt wiederum, dass die Nachfrage nach Beratung steigt, um die Auswirkungen auf Investitionen zu verstehen.

Europäische Großinvestoren agieren nachhaltiger

Welchen Stellenwert nachhaltige Investments einnehmen, zeigen aktuelle Zahlen der Union Investment für Deutschland. Danach nutzen 80 Prozent der institutionellen Investoren nachhaltige Strategien für ihre Kapitalanlagen – ein Spitzenwert. Im vergangenen Jahr habe dieser bei 72 Prozent gelegen. Und noch vor fünf Jahren waren lediglich 60 Prozent nachhaltig investiert. "Dass inzwischen vier Fünftel der Großanleger Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen, zeigt die Wirkungen der intensiven Debatten über Nachhaltigkeit und Klimaschutz", erläuterte Union-Investment-Vorstand Alexander Schindler auf einer aktuellen Konferenz.

Das Beratungshaus KPMG hatte bereits 2018 ermittelt, dass im weltweiten Vergleich 46 Prozent aller nachhaltigen Anlagen aus Europa kommen. Und das Kapital stamme mit 75 Prozent vor allem von institutionellen Investoren. Unternehmen könnten über sogenannte Green Bonds daher ihre Nachhaltigkeitsstrategien an Investoren kommunizieren und zeigen, wie sie ihre Planungen langfristig untermauern, so die Beratungsgesellschaft. 

Mit dieser Entwicklung einher gehen allerdings notwendige regulatorische Maßnahmen: "Bis 2022 setzt die EU die Vorschläge ihres Sustainable-Finance-Action-Plans um. Die neuen Regulierungen umfassen einheitliche Definitionen und Standards zu nachhaltigen Geldanlagen in Europa", so die Beratungsgesellschaft. Zudem halte die EU alle Finanzmarktakteure dazu an, die Risiken, welche die Nachhaltigkeit betreffen, genauso offenzulegen wie relevante Managementansätze und die Wirkung von Entscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren wie den CO2-Ausstoß oder den Wasserverbrauch.

Green-Bond-Standard soll Vergleichbarkeit und Transparenz bringen

Für Bewegung bei nachhaltigen Investments sollen daher EU-weite Regeln für grüne Anleihen sorgen: Die EU schaffe einen freiwilligen Standard, um die Wirksamkeit, Transparenz, Rechenschaftspflicht, Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit des Marktes für grüne Anleihen zu verbessern, ohne dabei Marktmechanismen zu stören, erläutern Grunow und Zender. Laut der Springer-Autoren soll der EU Green Bond Standard vier Kernkomponenten umfassen:

  1. Angleichung der mit grünen Anleihen finanzierten umweltfreundlichen Projekte an die EU-Taxonomie,
  2. Schaffung einheitlicher Rahmenbedingungen für umweltfreundliche Anleihen,
  3. regelmäßige und umfassende Berichterstattung und
  4. Überprüfung durch akkreditierte Prüfer.

Unternehmen scheuen Kosten und hohen Aufwand

Doch was hindert Unternehmen daran, sich für grüne Anleihen zur Finanzierung entsprechender Projekte zu entscheiden? Die Emission von Green Bonds umfasse die Abgrenzung grüner Projekte, die Formulierung eines grünen Rahmenwerkes, die korrespondierende Berichterstattung und die angemessene Platzierung. "Mitunter haben Unternehmen in diesem Prozess schlechte Erfahrungen gemacht wie zum Beispiel negative Marktkommentare seitens Medien, Nichtregierungsorganisationen, Aktionären und Anderen", erläutern Grunow und Zender auf Seite 44. Viele Emittenten scheuten auch die umfangreiche Berichterstattung, die "als erhebliche zusätzliche Belastung empfunden werden könnte". Das mache die Emission einer grünen Anleihe weniger attraktiv.

Außerdem spiele die Kostenfrage ein Rolle, so die Springer-Autoren. Zwar fielen die externen Ausgaben bei eindeutig und stark umweltfreundlichen Projekten nur relativ gering aus. Doch die Aufwände für Mitarbeiter, die sich mit der Emissionsvorbereitung und den verbundenen Berichtspflichten befassen können jedoch höher sein. Dem stünden laut EU allerdings auch Vorteile gegenüber: "Eine Diversifizierung der Anlegerbasis in Verbindung mit einer höheren Nachfrage und infolge ein niedrigeres Neuemissionsaufgeld, ein größeres Platzierungsvolumen oder längere Laufzeiten."

Grüne Innovationen brauchen Kapital

Dennoch dürften vor allem innovative Unternehmen von diesen Entwicklungen profitieren, sagt Joachim Weeber im Buchkapitel "Beitrag der Finanzmärkte zur Abschwächung des Klimawandels – Green Banking" auf Seite 19. "Für diese Innovationen und Investitionen wird Kapital benötigt. Grobe Schätzungen gehen von einem notwendigen jährlichen Investitionsvolumen in Höhe von mindestens 180 Milliarden Euro zusätzlich für die EU (Angaben nur für die Bereiche Klima und Energie) zur Verwirklichung der eigenen Klimaziele im Jahre 2030 aus", schreibt der Sprigner-Autor.  

Der weltweite Investitionsbedarf dürfte deutlich darüber hinausgehen. "So werden zur Realisierung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen jährliche Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 6,9 Billionen US-Dollar veranschlagt." Ein Großteil davon werde für klimapolitische Ziele zu verwenden sein.

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