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04.02.2013 | Unternehmensführung | Interview | Online-Artikel

Die geheimen Spielregeln eines Unternehmens

verfasst von: Andreas Nölting

2:30 Min. Lesedauer
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Neben den offiziellen Verträgen gibt es in Unternehmen auch einen unsichtbaren Vertrag, der die geheimen Spielregen beinhaltet. Wird er verletzt, kann das Vertrauensklima beschädigt werden. Mit Folgen, denn Vertrauen zahlt sich in Unternehmen auch betriebswirtschaftlich aus, sagt der Autor und Berater Tom Sommerlatte.

Springer für Professionals: Warum ist Vertrauen für Unternehmen so wichtig?

Tom Sommerlatte: Vertrauen wird in Unternehmen als sogenannter Soft Factor eingestuft, den man betriebswirtschaftlich nicht bewerten kann. Diese Sicht ist falsch. Es ist längst erwiesen, dass das Vertrauensklima konkrete Auswirkungen auf betriebswirtschaftlich messbare Kriterien hat, etwa bei den Durchlaufzeiten von Geschäftsprozessen und den Transaktionskosten. Der Grund dafür ist die Zusammenarbeit von Abteilungen und Mitarbeitern. Wenn die Beteiligten sich nicht vertrauen und sich absichern müssen, entsteht zusätzlicher Aufwand. Das Vertrauensklima hat also direkte Auswirkungen auf die Kosten.

Können Sie den Effekt quantifizieren?

In Studien ist festgestellt worden, dass etwa 20 Prozent der Abwicklungskosten und der Durchlaufzeiten durch ein besseres Vertrauensklima gewonnen werden können. Bei Unternehmen mit Führungsetagen, in den das Misstrauen dominiert, sind die Effekte noch größer.

Wie kann Vertrauen gemessen werden?

Es gibt Kriterien, die das Vertrauensklima bedingen und die durch Umfragen messbar sind.  Dazu gehört insbesondere die Qualität der Information. Wenn Führungskräfte unklar kommunizieren, wird das Vertrauensklima beeinträchtigt. Ein weiterer Faktor sind die Spielregeln im Unternehmen. Werden diese bewusst oder unbewusst geändert, entsteht ebenso ein Schaden. Ein dritter Punkt ist die Identifikation der Mitarbeiter, das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Durch Befragungen können Vertrauen gemessen und Schwachstellen identifiziert werden.

Vertrauen hat also viel mit offener Kommunikation zu tun?

Ja, gute Kommunikation ist der entscheidende Faktor. Sie bedingt das Zugehörigkeitsgefühl und die Bereitschaft, sich zu engagieren. Das führt in Unternehmen zu einer höheren Effizienz in der Abwicklung.

Wie kann verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden?

Viele Probleme entstehen unbewusst, durch mangelnde Berücksichtigung der weichen Faktoren. Wenn ein Vorstand merkt, dass er seine Strategie nicht richtig kommuniziert und er von der Belegschaft entkoppelt ist, kann dies durch gute Kommunikation und Offenheit allmählich wieder verbessert werden. Vertrauen geht auf Erfahrung zurück. Es kann in wenigen Tagen verspielt werden und es dauert bis zu einem Jahr, um es wieder herzustellen.

Sie erwähnen in Ihrem Buch einen unsichtbaren Vertrag zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Was bedeutet das?

Neben den offiziellen Verträgen gibt es in Unternehmen auch einen unsichtbaren Vertrag, der die geheimen Spielregen beinhaltet. Wird daran einseitig etwas geändert, wird dies als Betrug empfunden und das Vertrauensklima schwer beschädigt. Zwischen dem unsichtbaren Vertrag und der Produktivität eines Unternehmens besteht also ein unmittelbarer Zusammenhang.

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