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10.06.2013 | Unternehmensführung | Interview | Onlineartikel

„Führung geschieht nicht mehr von oben herab"

Autor:
Andreas Nölting

Wie funktioniert Führung in einer Wissensgesellschaft? Springer-Autor Daniel F. Pinnow erklärt im Interview warum die herkömmlichen Organisationsstrukturen der Unternehmen heute nicht mehr ausreichen, um in einer Wissensgesellschaft zu bestehen.

Springer für Professionals: Herr Pinnow, wie funktioniert Führung in einer Wissensgesellschaft?

Daniel F. Pinnow: Als Chef müssen Sie in der Lage sein, sich einzuordnen. In einer Heterarchie  zählt nicht, wer durch seine Berufs- und Lebensjahre den höchsten Rang oder Titel hat oder vorgibt, die Erfahrung zu besitzen. Es existieren keine Über- und Unterordnungsverhältnisse. Es zählt die Expertise und das bessere Argument.

Ein Netzwerk aus Wissensarbeitern ist schwierig zu führen?

Bisher gingen Hierarchie und Zentralismus immer einher. Sehr deutlich sieht man das etwa beim Militär oder der katholischen Kirche. Nur wenige haben dort das Sagen. In Netzwerkorganisationen hingegen sagt keiner: „Da geht es lang.“ Man muss einen Konsens finden. Das Thema muss ausdiskutiert werden. Das ist häufig ein zäher Prozess.

Und wie funktioniert Führung, wenn das Wissensnetzwerk über mehrere Kontinente gespannt ist?

Mit den herkömmlichen Organisationsstrukturen kommen die Unternehmen hier nicht weiter. Wir nähern uns zunehmend der von Charles Handy propagierten Kleeblattorganisation an, in der nur noch etwa 10 Prozent aller Beschäftigten in einem festen Anstellungsverhältnis tätig sind und zum Kern der Unternehmensorganisation gehören. 40 Prozent sind freie Mitarbeiterverhältnisse und 50 Prozent sind Zeitarbeitskräfte Das bietet Chancen und Risiken. Für viele Betroffene ist das ein hartes Los, sie sind schnell austauschbar. Die hochqualifizierten Wissensarbeiter profitieren allerdings. Sie können ihre Dienstleistung mehreren Arbeitgebern anbieten und ihr Einkommen so beträchtlich steigern.

Welche Bedeutung für die Führung hat das Phänomen Social Media?

Social Media hat radikale Auswirkungen auf die Unternehmens- und Führungsstrukturen. Der Blick auf klassisch gesetzte Autoritäten und Kommunikationsstrukturen ändert sich. Die Gesellschaft insgesamt wird kritischer und aufgeklärter. Durch diese neue Art der Expertise brauchen Sie einen anderen Führungsstil. Die klassische Form der Kontrolle entfällt, sie wird in der Wissensgesellschaft durch Vertrauen ersetzt.

Wozu dann noch Führung?

Der Ordnungsrahmen ist weiterhin wichtig. Führung geschieht, aber anders. Das ist die Kernaussage systemischer Führung. Führung geschieht nicht mehr von oben herab, sondern von innen heraus. Eine Führungskraft gibt Impulse, damit das System sich in die gewünschte Richtung entwickelt. Aber Sie sind nicht mehr der Einzige, der die Organisation führen kann.

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