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17.06.2013 | Unternehmensführung | Interview | Onlineartikel

"Führung muss anerkennen, dass Menschen frei sind"

Autor:
Andreas Nölting

Führungskräfte sollten anerkennen, dass Menschen frei und erwachsen sind. Topmanagment-Berater Reinhard K. Sprenger erklärt im Interview, welche Konsequenzen diese Wahlfreiheit von Arbeitnehmern für die Führung hat.

Springer für Professionals: Herr Sprenger, in Ihrem neuen Buch "An der Freiheit des anderen kommt keiner vorbei" beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Begriff Freiheit. Was macht einen freien Menschen aus?

Reinhard Sprenger: Elementar hierfür ist das Bewusstsein der Wahlfreiheit. Die momentane Lebenssituation ist so gewählt und entschieden worden. Ein freier Mensch hat die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu entscheiden. Dabei geht es lediglich darum, welchen Preis er bereit ist, für diese Wahl zu zahlen. Natürlich passieren Dinge in meinem Leben, die ich nicht im Griff habe. Wie ich darauf reagiere macht den Unterschied aus. Ein freier Mensch wird von den Umständen nicht gezwungen.

Haben auch Arbeitnehmer diese Wahlfreiheit?

Sie haben diese Wahlfreiheit grundsätzlich und immer. Allerdings sind die Preise höher, die Arbeitnehmer für Veränderungen oder Nicht-Veränderungen zahlen müssen. Grundsätzlich hat jeder Mensch die Möglichkeit, einen neuen Job anzunehmen oder eben nicht. Er kann sich selbständig machen und seine Situation konsequent verändern. Auch wenn die Lage am Arbeitsmarkt wegen konjunktureller Probleme schlecht sein mag, die Veränderung entscheidet über die Preise, die man bereit sein muss zu zahlen.  

Wie hängen Wahl- und Willensfreiheit zusammen?

Die Wahlfreiheit bezieht sich radikal und ausschließlich auf die Handlungsfreiheit. Ich allein kann die Situation wählen. Welchen Willensbezug ich dazu habe, ist ein philosophisches Thema. Man kann tun, was man will. Aber man kann nicht wollen, was man will. Ob das noch Freiheit ist, ist eine offene Frage. Natürlich sind wir in unserer Freiheit begrenzt – durch Herkunft, durch Geschichte, durch die familiäre Tradition, die Kultur oder die Sprache. Doch Freiheit in einem absoluten Sinne gibt es ohnehin nicht. Denn Freiheit ohne Grenzen wäre leer. Dann könnte ich Freiheit nicht mehr von Unfreiheit unterscheiden.

Viele Manager nehmen diese Freiheit nicht wahr, sie bleiben in einem Unternehmen, obwohl es sie krank macht. Wie kommt das?

Solange in unseren Familien um den Zentralwert Sicherheit erzogen wird, solange werden viele Menschen eine Scheinsicherheit der Freiheit vorziehen. Der berühmte Satz von Siegmund Freud „Leiden ist leichter als Handeln“ wird uns schon früh dem Sinn nach eingetrichtert. Je mehr man sich als Opfer erlebt, desto eher meint man, mit seiner Hand in der Tasche anderer Leute leben zu dürfen. In Unternehmen gibt es Opferklubs. Das Jammern hält vieles zusammen. Wer jammert ist nie allein.

Was bedeutet die Freiheit eines Menschen für die Führung von Menschen?

Führungskräfte sollten anerkennen, dass Menschen frei und erwachsen sind. Wir haben in den Unternehmen keinen Erziehungsauftrag oder Therapievertrag. Wir haben vielmehr einen Kooperationsvertrag, und der funktioniert auf der Basis von Geben und Nehmen. Führung muss dem Anderen auch Freiheit zumuten. Nur dann werde ich seiner Menschenwürde gerecht. Wir sollten also viele Führungskonzepte überdenken und prüfen, ob es in der Führung so etwas wie Vorbilddenken geben sollte oder eine Fürsorgepflicht. All das sind Aspekte, die zu beachten sind, wenn man von Menschen als Freiheitswesen ausgeht

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