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06.08.2019 | Unternehmensführung | Im Fokus | Onlineartikel

Was Familienunternehmen besonders macht

Autoren:
Andrea Amerland, Eva-Susanne Krah

Inhabergeführte Unternehmen sind komplex und konfliktanfällig, weil sich Privates mit Geschäftlichem mischt. Unter anderem deswegen ist das Management von Familienunternehmen eine echte Herausforderung.

Inhabergeführte Familienunternehmen stellen für deren Manager eine besondere Herausforderung dar. Denn sie sind als Unternehmenslenker in ihren Entscheidungen nicht nur emotional stärker gebunden, sondern müssen auch oft Firmen geringerer Größe führen. Das bedeutet, dass sie nicht selten stärker mit operativen Aufgaben beschäftigt sind als das Management in Großunternehmen. Damit müssen sie mehr unternehmerische Kernkompetenzen und ein höheres Maß an Verantwortung als in hybriden Unternehmen zeigen.

Empfehlung der Redaktion

2019 | Buch

Management von Familienunternehmen

Besonderheiten – Handlungsfelder – Instrumente

Dieses Lehrbuch bietet einen schnellen und gut strukturierten Einstieg in das komplexe Themengebiet des operativen Managements von Familienunternehmen. 

Volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen

Trotzdem sind sie in Deutschland besonders erfolgreich. Denn Familienunternehmen sind hierzulande in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als die großen Dax-Konzerne. So stieg bei den größten 500 Familienunternehmen die Beschäftigung in den Jahren 2007 bis 2016 um 27 Prozent auf 2,54 Millionen Menschen. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen unter dem Titel "Die volkwirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen" vorgelegt hat. 

Die Untersuchung zeigt zudem, dass die deutsche Wirtschaft von Familienunternehmen bestimmt wird. Mehr als 90 Prozent der privaten Unternehmen werden von Familien kontrolliert. 86 Prozent sind sogar eigentümergeführte Familienunternehmen. Zwar haben Familienunternehmen hierzulande durchschnittlich weniger als zehn Beschäftigte. Insgesamt betrachtet arbeiten aber mehr als die Hälfte der privatwirtschaftliche Beschäftigten in Familienunternehmen. Besonders stark vertreten sind inhabergeführte Firmen im Baugewerbe und im Handelssektor, eher weniger im Bergbau, der Energie- und Wasserversorgung und Entsorgung sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.

Typische Profile von Familienunternehmen

Birgit Felden, Andreas Hack und Christina Hoon, Autoren des Springer-Buchs "Management von Familienunternehmen", beleuchten in ihrem Band die besonderen Gegebenheiten der Führung von Familienunternehmen. Dabei identifizieren sie in einer Einführung in das Thema unter anderem acht typische positive wie erfolgskritische Charakteristika.

Besonderheiten von Familienunternehmen

  • Eine Besonderheit von Familienunternehmen ist ihre regionale Verwurzelung. Dies gilt auch, wenn das Unternehmen global am Markt agiert. Selbst bei einer Ausdehnung des Geschäfts auf internationale Märkte bleibt diese regionale Verwurzelung bestehen. Das hat vielfach einen positiven Einfluss auf die regionale Entwicklung und Auswirkungen auf das Unternehmen.
  • Familienunternehmen sind oft von geringer Größe, zählen also in weiten Teilen zu den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU).
  • In Familienunternehmen ist typischerweise der private und betriebliche Bereich sehr eng miteinander verbunden. So entscheiden mitunter familiäre Bedürfnisse über die Beschäftigung von Familienmitgliedern und auch über deren Ausscheiden aus dem Unternehmen.
  • In vielen Fällen werden strukturelle Änderungen wie zum Beispiel Holdingstrukturen geschaffen, um familiär gewünschte Personalentscheidungen ohne Schaden für das Unternehmen realisieren zu können.
  • Oftmals herrschen andere Organisationsstrukturen, als man sie in anderen Unternehmen aus rein betriebswirtschaftlichem Nutzen heraus implementieren würde.
  • Eigentümer von Familienunternehmen haben eine starke Stellung. Strategische Entscheidungen werden von den Familienmitgliedern ebenso bestimmt wie strukturelle Faktoren und wesentliche Führungspositionen.
  • Familienmitglieder stehen häufig mit ihrem privaten Vermögen für alle firmenbezogenen Verbindlichkeiten ein. Daraus ergeben sich andere Entscheidungsbedürfnisse als in zentral geführten Unternehmen. Gleichzeitig müssen sie mit weniger personellen wie auch finanziellen Ressourcen auskommen. Das steigert ihre Abhängigkeit von Finanzgebern wie Banken oder Finanzdienstleistern.
  • Die Kontinuität der Eigentümerstruktur in Familienunternehmen wirkt sich im Vergleich zu Unternehmen, die dem regelmäßigen Aktienhandel unterliegen, stärkend aus. Das stabile und langfristige Wachstum des Unternehmens steht im Vordergrund. Allerdings können die tiefgreifenden Änderungen beim Generationswechsel diese Kontinuität durchbrechen.

Quelle: "Einführung in Faimilienunternehmen", Seite 17-18.

Gemeinsame Werte und Maßstäbe

Familienunternehmen sind langfristig, auf Generationen hin ausgerichtet. Kurzfristige Management-Entscheidungen, wie etwa in Konzernen am deutschen Markt, die sich vorrangig auf die Maximierung des Aktienkurses oder des Cash-Flow ausrichten, stehen hier weniger im Vordergrund, betonen die Springer-Autoren.

Entscheidend für das Profil von Familienunternehmen ist, dass die gemeinsamen Werte zwischen Familieneignern und ihren Mitarbeitern stimmen, führen Felden, Hack und Spoon im Buchkapitel "Werte und Ziele von Familienunternehmen" aus. Aber auch die Philosophie und Überzeugungen des Gründers können solche Betriebe oft für Generationen prägen. Das kann Vorteil und Bürde zugleich sein, wie zahlreiche von Veränderungsprozessen betroffene Unternehmen zeigen. Die gemeinsame Identität birgt jedoch gute Chancen, Familienunternehmen auch in neuen Bahnen erfolgreich zu führen.

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