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09.05.2018 | Unternehmensführung | Im Fokus | Onlineartikel

Altbewährt hat ausgedient

Autoren:
Johanna Leitherer, Eva-Susanne Krah

Für 2018 planen deutsche Familienunternehmen, mehr Geld in Wachstum zu investieren, während das Budget für Forschung vergleichsweise klein ausfällt. Wegen der Konkurrenz durch Schwellenländer könnte diese Rechnung bald nicht mehr aufgehen.

Welche Investitionen würden Familienunternehmen (FU) dieses Jahr tätigen, wenn sie über einen siebenstelligen Geldbetrag verfügen könnten? Dieser Frage ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (Pwc) in einer Umfrage auf den Grund gegangen. Mehr als 300 Unternehmen in Familienhand lieferten Antworten und gewährten dabei Einblicke in ihre diesjährigen Ziele. Je nach Unternehmensgröße fallen diese unterschiedlich aus.

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Unternehmenskultur und Innovationserfolg in Familienunternehmen

Die Autorin stellt den allgemeinen Stand der Forschung zur innovationsförderlichen Unternehmenskultur dar und prüft, welche Spezifika dazu in Familienunternehmen vorliegen. Mit der Untersuchung der Einflussvariable "familiness" ermöglichen die Befunde ihrer qualitativen empirischen Studie die Fortschreibung der Theorie des Familienunternehmens im Bereich des Innovationsmanagements.


Zufriedene Kunden stehen bei 90 Prozent der familiengeführten Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Ebenso hoch liegt der Anteil der Betriebe, die ihr Wachstum fördern wollen. Für die Mehrheit, nämlich 71 Prozent, geht das mit der Expansion in neue Märkte einher. Nach Angaben des Online-Portals "Statista" wollen einer Umfrage zufolge 23 Prozent der befragten Unternehmen die Expansion ins Ausland als einen Investitionsschwerpunkt in den kommenden zwölf Monaten angehen. Bei der Digitalisierung gehen die Meinungen jedoch auseinander: Knapp 54 Prozent der großen bis mittelgroßen FU möchten laut der Pwc-Studie verstärkt in den digitalen Wandel investieren. Demgegenüber steht lediglich ein Drittel der kleineren Firmen, die es genauso halten. Immer mehr der Befragten planen Kostensenkungen durch digitale Technologien, vor allem die Prozessautomatisierung. 

Forschung und Entwicklung kommt zu kurz

Wenn es um die Budgetverteilung geht, spielen Innovationen sowie Forschung und Entwicklung (F&E) für FU eine eher untergeordnete Rolle. Nur 37 Prozent der großen, 51 Prozent der mittelgroßen und 27 Prozent der kleinen Unternehmen planen Investitionen in diesem Bereich. 

Familienunternehmer wollen die Kontrolle über ihr Unternehmen behalten und nicht riskieren, dass das Unternehmen in fremde Hände fällt. Aus diesem Grund sind sie meist vorsichtig mit ihren Investitionen und sparsam mit Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungszwecke", 

erklären die Springer-Autoren Professor Dr. Nadine Kammerlander und Professor Reinhard Prügl im Buchkapitel "Wo liegen die Stärken und Schwächen von Familienunternehmen im Innovationsprozess?"  das Phänomen (Seite 7). 


Auch das Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke hat festgestellt, dass Familienunternehmen bei ihren Finanzstrategien eher konservativ denken. Eine entsprechend ausgerichtete Geldpolitik fördere langfristige finanzielle Strategien, so das Institut in einem Thesenpapier. Die Renditeerwartung der familiären Anteilseigner liege in der Regel deutlich unter der im Shareholder-Value-Denken üblichen. Zudem seien die Familienmitglieder im Krisenfall eher bereit, weiteres Privatvermögen bereitzustellen. 

Innovation muss stetig sein

Häufig sind Familienunternehmen in ihrem Markt durch eine bestimmte Unternehmensidee oder ein Produkt erfolgreich geworden. Was als Pionierarbeit begann, kann jedoch in starre Denkmuster umschlagen, die keine neuen Ideen zulassen, die zu größeren Veränderungen führen würden. "Deshalb wird zurzeit zu Recht mit großer Intensität die Frage diskutiert, ob familiengeführte Unternehmen in der Lage sind, sich mit der erforderlichen Geschwindigkeit und Radikalität auf die Herausforderungen der digitalen Revolution einzustellen", diskutiert ein Springer-Autoren-Team in einem Kapitel des Buchs "Familienunternehmen - Auslaufmodell oder Erfolgstyp?" (Seite 27).

Im Gegensatz dazu wird Agilität in den aufstrebenden Schwellenländern groß geschrieben. Beispielsweise drängen Schwellenländer zunehmend in die Rolle der Nachfrager. Unternehmen aus Ländern wie China und Indien werden auch deshalb zu stärkeren Wettbewerbern für den heimischen Markt, weil sie als lokale Champions zunehmend in Europa oder den USA auf Einkaufstour gehen und ihre Marke verankern. Das schafft nicht nur Preisdruck im Vertrieb deutscher Unternehmen, sondern auch Innovationsdruck. "Diese Herausforderer agieren aufgrund von Firmenfusionen und Übernahmen zunehmend global und holen rasch auf", beobachten die Springer-Autoren Niklas Schaffmeister und Florian Haller. Westliche Unternehmen müssten lernen, mit der Konkurrenz dieser neuen Kolosse in deren Heimatmärkten umzugehen, so die Autoren.
Das bedeutet, dass Familienunternehmer sich daran orientieren müssen, um international erfolgreich zu sein. Dazu gehört etwa, 

  • Abstand von altbewährten Produkttypen zu nehmen,
  • spezielle Marketingstrategien für das jeweilige Land auszuarbeiten,
  • die Unternehmens- und Gesprächskultur zu erfassen, 
  • die erfolgreichste Vertriebsstruktur und eine 
  • weitsichtige Finanzierungsstruktur zu wählen, die zum Beispiel auch alternative Finanzierungswege und Förderprogramme berücksichtigt.

"Unternehmen, die an der Wachstumsdynamik der in ihrer Eigenart doch recht unterschiedlichen Schwellenländer erfolgreich teilhaben wollen, werden sich mit dem Umstand anfreunden müssen, dass es für die eigene Wettbewerbsfähigkeit künftig nicht mehr reichen wird, bislang Vertrautes aus den Heimmärkten heraus in alle Welt zu exportieren", warnt das Springer-Autorenteam des Buchs "Familienunternehmen - Auslaufmodell oder Erfolgstyp?" Nach welchen Kriterien und strategischen Schritten sie vor allem im Vertrieb in Auslandsmärkten vorgehen müssen und welche Möglichkeiten sich eröffnen, hat Sergey Frank im Kapitel "Vertrieb international" (S. 89) des Buchs "Business International to Go" festgehalten.

Familiengeführte Unternehmen genießen laut verschiedenen Studien einen besonders vertrauenswürdigen Ruf. Das färbt auch auf ihre Innovationen ab, die Kunden und Unternehmen besser annehmen als die der Nichtfamilienunternehmen (NFU). Deutsche Familienbetriebe müssen die Chancen nur nutzen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

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