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06.09.2018 | Unternehmensgründung | Interview | Onlineartikel

"Die meisten Start-ups scheitern bereits an der Idee"

Autor:
Andrea Amerland
2:30 Min. Lesedauer

Es gibt viele Probleme, die Entrepreneure anpacken können und sollten, meint Günter Faltin. Im Gespräch mit Springer Professional erklärt der Entrepeneur-Papst Deutschlands, was Gründer mitbringen müssen, um ein Start-up zum Erfolg zu führen.

Springer Professional: Immer wieder bescheinigen uns Studien und Politiker die mangelnde Gründungsbereitschaft in Deutschland. Warum ist das so?

Günter Faltin: Das ist ein statistischer Artefakt: Die sogenannten Not-Gründungen – also Versuche, durch Selbständigkeit der Arbeitslosigkeit zu entkommen – sind weniger geworden. Entrepreneure, die den Wunsch haben, eigene Ideen zu verwirklichen und dafür Unternehmen aufbauen, werden dagegen mehr. Das begrüße ich.

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Was muss sich ändern, damit es in Deutschland noch mehr Gründergeist gibt?

Eine lebendige Start-up-Szene ist oftmals in Ländern zu beobachten, deren Umfeld eher von Unsicherheiten geprägt ist. Israel ist ein Beispiel dafür. In einem sicheren, gesättigten Umfeld fällt es schwerer, den Schritt zum Entrepreneur zu machen. Die Menschen erwarten, dass ein gut funktionierendes Beschäftigungssystem neue Arbeitsplätze für sie generiert. Es verwundert also nicht, dass in Ländern, die von Unsicherheit geprägt sind, nicht nur das Vermögen, in Unsicherheit zu agieren, größer ist, sondern auch die Bereitschaft dazu. Wir müssen bei uns lernen, dass die komfortablen Zeiten vorbei sind und es viele Probleme gibt, die wir als Entrepreneure anpacken können und müssen.

Wie muss ein Gründungskonzept beschaffen sein, damit es auch mit externer Finanzierung klappt?

Bevor man sich um Finanzierung durch externe Mittel bemüht, sollte man sorgfältig prüfen, wie man den Finanzierungsbedarf möglichst klein halten kann. Welche Arbeitsbereiche kann ich durch Komponenten abdecken, muss sie also nicht im eigenen Unternehmen aufbauen? Kann ich von meinen Lieferanten bessere Zahlungsziele verhandeln oder – wenn ich meine Angebote günstiger als die Konkurrenz anbieten kann – von meinen Kunden Vorkasse verlangen? Wäre Crowdfunding eine Alternative? Bei dieser Finanzierungsart erfahre ich, ob mein Konzept bei den Kunden gut ankommt, mache also den Proof of Concept gleich mit.

Ein Viertel aller Insolvenzen in Deutschland geht zu Lasten von Jungunternehmen. Was muss ein Gründer an Wissen mitbringen, um sein Unternehmen zum Erfolg zu führen?

Die meisten Start-ups scheitern bereits an der Idee. Erfolgreich zu gründen, braucht gute und intensive Vorbereitung. In meinen Büchern beschreibe ich Methoden und Techniken, wie man systematisch aus einer Anfangsidee ausgereifte und in allen notwendigen, auch betriebswirtschaftlichen Aspekten durchdachte Business-Modelle entwickeln kann. Dabei haben sich vor allem drei Bestandteile herauskristallisiert, die besonders hilfreich sind, um Entrepreneurship erfolgreich zu machen: Erstens, der innovative Gehalt des Konzepts; zweitens die frühzeitige empirische Überprüfung des Konzepts, der Proof of Concept, und drittens die Arbeitsteiligkeit des unternehmerischen Ansatzes, das Gründen mit Komponenten. Erst nach diesen Schritten beginnt die eigentliche praktische Umsetzung. In meinem Umfeld sind auf diese Art und Weise zahlreiche Gründungen entstanden. Kapital ist heute nicht mehr der Engpass. Guten Ideen laufen die Kapitalgeber hinterher.

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