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29.07.2022 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Online-Artikel

Gründer scheitern oft mehrmals

verfasst von: Andrea Amerland

3:30 Min. Lesedauer
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Viele Start-ups scheitern. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht selten misslingen Neugründungen, wenn der Unternehmer bereits zuvor mit einer Firma Schiffbruch erlitten hat. Eine ZEW-Analyse findet die Ursachen dafür in fehlenden unternehmerischen Fähigkeiten.

"Scheitern ist eine großartige Sache, weil man durch Scheitern viel mehr lernt als durch Erfolg", sagt Lorand R. Minyo, der mit seinem Unternehmen leider kein Glück hatte im Buch "Start-ups international: Gründergeschichten rund um den Globus" auf Seite 158. Doch die landläufige Meinung, durch Fehler wertvolle Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln, erweist sich häufig als Trugschluss. 

Das zeigt eine Studie des ZEW Mannheim in Kooperation mit dem Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass erfolglose Gründer mit weiteren Start-ups erneut scheitern, überdurchschnittlich hoch.

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So liegt die Chance, dass eine Neugründung von bereits gescheiterten Entrepreneuren das erste Jahr überlebt, 3,8 Prozentpunkte unter der von Erstgründern. Sie ist sogar 6,5 Prozentpunkte geringer, wenn das erfolglose Unternehmen nicht freiwillig aufgegeben wurde, sondern in die Pleite rutschte. Ging bereits ein Konkurs eines jungen Unternehmens voraus, ist die Wahrscheinlichkeit, mit der Neugründung wieder in die Insolvenz zu rutschen, zudem um 3,9 Prozent höher.

Unternehmerisches Geschick fehlt

Offenbar sind die Ursachen dafür in der Person des jeweiligen Gründers zu suchen. "In unserer empirischen Analyse haben wir alle diese Unterschiede kontrolliert und gezeigt: Sie sind nicht ausschlaggebend dafür, dass neu gegründete Unternehmen von gescheiterten Gründern seltener überleben als die von Erstgründern/-innen. Grund scheint vielmehr zu sein, dass es gescheiterten Gründern im Durchschnitt an unternehmerischem Geschick mangelt", sagt ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk, eine der Autorinnen der Studie. 

Vor diesem Hintergrund stellen die Forschenden die Frage, inwieweit es weiterhin sinnvoll ist, jedem Gründer Fördergelder zur Verfügung zu stellen, auch solchen, die bereits ein Start-up an die Wand gefahren haben. Die ZEW-Studie fußt auf den Daten des IAB/ZEW-Gründungspanels, für das jedes Jahr etwa 6.000 Unternehmen telefonisch befragt werden. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Small Business Economics (2022)unter dem Titel "A second chance for failed entrepreneurs: a good idea?" erschienen. 

Faktoren für erfolgreiches Unternehmertum 

Die "Unternehmerische Fähigkeiten von Gründern" haben Michael Fritsch und Michael Wyrwich untersucht. Sie setzen sich nach Ansicht der Springer-Autoren aus persönlichen Merkmalen und Fähigkeiten zusammen. Die psychologische Forschung habe gezeigt, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bei unternehmerisch tätigen Personen besonders stark ausgeprägt sind. Im Unterschied zu Qualifikationen, die sich durch Lernprozesse verändern, sei die Struktur dieser Charakteristika ab einem bestimmten Lebensalter relativ stabil. Allgemein werden den Autoren zufolge folgende Persönlichkeitsmerkmale als förderlich für eine erfolgreiche Unternehmensgründung angesehen:

  • Fähigkeit zum Tragen von Risiko,
  • Kreativität,
  • Selbstvertrauen,
  • pro-aktive Handlungsbereitschaft,
  • interne Kontrollüberzeugung,
  • Eigenverantwortlichkeit,
  • Leistungsmotivstärke,
  • Stresstoleranz.

Die Persönlichkeit eines Menschen lasse sich in der Regel mit fünf Merkmalen erfassen, führen Fritsch und Wyrwich weiter aus. Dabei handele es sich um folgende Eigenschaften:

  • Offenheit für Erfahrungen,
  • Extraversion (Außenorientierung),
  • Gewissenhaftigkeit,
  • Neurotizismus (geringe Belastbarkeit, emotionale Labilität) sowie
  • Verträglichkeit im Sinne von geringer Konfliktbereitschaft.

Der Forschung zufolge wirkten sich insbesondere die ersten drei dieser sogenannten Big-Five-Dimensionen, nämlich Offenheit für Erfahrungen, Extraversion und Gewissenshaftigkeit, positiv auf die Gründungsneigung einer Person und somit ein erfolgreiches Unternehmertum aus.

Im Vergleich dazu scheinen Neurotizismus und geringe Konfliktbereitschaft eher einen negativen Einfluss auf die Gründungsneigung zu haben. Also wäre eine unternehmerische Persönlichkeitsstruktur durch hohe Werte für Offenheit für Erfahrungen, Extraversion und Gewissenhaftigkeit sowie geringe Anteile an für Neurotizismus und Verträglichkeit gekennzeichnet. 

Wie entstehen unternehmerische Fähigkeiten?

Fritsch und Wyrwich gehen auch der Frage nach, wie sich unternehmerische Fähigkeiten herausbilden. Demnach gebe es oft einen Transfer der Gründungsneigung zwischen den Generationen. Genetische Faktoren, Erziehung und Familie können eine Rolle spielen. Aber auch die Ausbildung und der Beruf sowie das gesellschaftliche machen Menschen zu Unternehmern. 

Doch verschiedene Untersuchungen zeigen den Autoren zufolge auch, dass Gründer dazu tendieren, die Erfolgsaussichten einer Gründung als zu hoch einzuschätzen, was ein Grund für das Scheitern sein mag. 

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