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01.07.2019 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

Gründungserfolg hängt von vielen Faktoren ab

Autor:
Andrea Amerland

Unternehmensgründungen sind ein Motor für wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerb. Gut also, dass fast 50 Prozent der Deutschen einer Gründung positiv gegenüber stehen. Allerdings könnten die Rahmenbedingungen besser sein, zeigt der Global Entrepreneurship Monitor.

42 Prozent der befragten Deutschen sind optimistisch und sehen gute Chancen, ein Unternehmen aus der Taufe zu heben. Damit zeigt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) einen positiven Trend. Denn dieser Wert lag 2010 und in den Untersuchungen der Vorjahre klar unter 30 Prozent.

Aber nur 38 Prozent der 18- bis 64-Jährigen glauben, das nötige Wissen und die Fähigkeiten dafür zu haben, eine Existenzgründung auch in Angriff nehmen zu können. Kennt jemand hingegen einen jungen Unternehmer, kann dies die Gründungsentscheidung positiv beeinflussen. So kannten in Deutschland rund ein Fünftel der Befragten eine andere Gründerperson persönlich, die innerhalb der letzten zwölf Monate eine neues Unternehmen an den Start gebracht hatte.

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Angst vorm Scheitern bei der Gründung

Gleichzeitig hält die Angst vor dem Scheitern 38 Prozent der Befragten davon ab, ein Start-up auf die Beine zu stellen. Auch dieser Wert war in den Entrepreneuship-Reporten der Vorjahre deutlich höher. 

Weitere zentrale Ergebnisse des Global Entrepreneurship Monitor: 

  • Die Gründungsquote in Deutschland bleibt auf einem stabilen Niveau. Etwa jeder Zwanzigste im Alter von 18 bis 64 Jahren hatte demnach entweder seit 2015 ein Unternehmen gegründet oder ist gerade dabei, die nötigen Maßnahmen dafür vorzubereiten.
  • Für immer mehr junge Menschen in Deutschland ist die Selbstständigkeit eine Option. Seit der ersten Erhebung des GEM-Datenreihe im Jahr 1999 ist die Gründungsquote erstmals nicht bei den 35- bis 44-Jährigen (6,14 Prozent) am höchstens, sondern bei den 25- bis 34-Jährigen (6,64 Prozent).

  • Frauen gründen weiterhin sehr viel seltener als Männer. Während die Quote bei Männern 2018 bei 6,57 Prozent lag, kommen Frauen gerade einmal auf 3,29 Prozent.

  • Die Zahl der Existenzgründungen durch Migranten ist rückläufig. Und das zum ersten Mal seit 2010. 2018 lag der Mittelwert für Migranten bei 4,4 Prozent und war erstmals niedriger als bei den deutschstämmigen Jungunternehmern (4,8 Prozent).

  • Die Zahl der Chancengründungen ist viermal so hoch wie die Zahl der so genannten Notgründungen, die aus dem Mangel an Erwerbsalternativen resultieren. Im Vorjahr war die Zahl noch siebenmal so hoch. 

  • Der Anteil der technologieintensiven Start-ups ist in Deutschland höher als in den USA. Etwas mehr als neun Prozent der Gründungen hierzulande haben eine mittlere oder hohe Technologieintensivität. Im Vergleich zu ausgewählten Referenzländern mit hohem Einkommen belegt Deutschland allerdings nur einen Platz im Mittelfeld.
  • Die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen sind in Deutschland weiterhin nicht optimal. Im Ranking der 31 Länder mit hohem Einkommen belegt Deutschland den 15. Platz.

Die jährliche Analyse des Global Entrepreneurship Monitor basiert auf zwei empirischen Säulen. Zum einen auf einer telefonischen Befragung zufällig ausgewählter Haushalte und Personen im Jahr 2018. Weltweit wurden in 49 Volkswirtschaften rund 154.000 Personen dafür befragt. In Deutschland fand die Befragung im Auftrag des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover vom 12. Juni bis zum 14. August 2018 statt. In 4.250 Fällen war ein auswertbares Interview möglich. 

Zum anderen flossen Ergebnisse einer globalen Expertenbefragung in die Untersuchung ein. Für diesen National Expert Survey (NES) beantworteten in Deutschland 53 Gründungsexperten aus unterschiedlichen Regionen die Fragen.

Was den Gründungserfolg beeinflusst

Während der Global Entrepreneurship Monitor vor allem den Istzustand beim Thema Existenzgründung untersucht, analysiert Springer-Autor Michael Fritsch in einem gleichlautenden Buchkapitel die Erfolgsfaktoren von Unternhemensgründungen. Diese sind unter anderem in der Person des Gründers zu suchen, schreibt es auf Seite 131. So erweist sich eine Ausbildung im Bereich Betriebswirtschafslehre oder Management sowie Berufs- und Branchenerfahrung neben bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen als positiv beim Weg in die Selbstständigkeit. 

Daneben sind betriebliche Besonderheiten, Standortfaktoren und das regionale Umfeld sowie Branchencharakteristika und das gesamtwirtschaftliche Umfeld erfolgsbestimmend (Seite 133 ff.). So gelten etwa Teamgründungen als tendenziell erfolgreicher und externe Beteiligungen, eine klare Marktstategie, Kooperationen und Exportorientierung tragen positiv zur Unternehmensentwicklung und Überlebenswahrscheinlchkeit von Start-ups bei. 

Gleichzeitig führe eine hohe regionale Gründungsintensität zu einer geringeren Überlebenswahrscheinlichkeit, weil die Konkurrenzsituation größer ist, erläutert Michael Fritsch. Zudem steige die Stilllegungswahrscheinlichkeit mit der Kapitalintensität und Marktdichte, also die Anzahl der Anbieter in Relation zur Nachfrage, an.

Es fehlt an Entrepreneursbildung und Risikokapital

Ein wichtiger Faktor für den Gründungserfolg sind aber auch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, arbeitet der Global Entrepreneurship Monitor heraus. Demnach tragen die Anstrengungen zur Verbesserung der Gründungsausbildung in Deutschland nur langsam Früchte. Doch die Vermittlung von unternehmerischen Wissen bereits in der Schule habe eine besonders hohe Bedeutung, um die Zahl der Gründungen hierzulande zu erhöhen und ihr Überleben zu sichern.  

Auch die Finanzierung bleibe ein leidiges Thema. Während 65 Prozent der befragten Experten die staatlichen Fördermittel positiv hervorheben, sehen sie grundsätzlich Defizite am Risikokapitalmarkt in Deutschland und der Kapitalbeschaffung durch Börsengänge.

Daneben behindert die Personalbeschaffung Entrepreneure. 76 Prozent der befragten Experten sind überzeugt, dass es für neue Unternehmen schwierig ist, geeignete Mitarbeiter zu finden.Vor diesem Hintergrund müsse dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden, Finanzierungsmöglichkeiten speziell in der Wachstumsphase sollten weiter ausbaut und regionale Gründungsinitiativen gestärkt werden. Und selbstverständlich sei es zwingend erforderlich gründungsrelevantes Wissen an Schulen und Hochschulen zu vermitteln, fordern die Autoren des GEM.

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